Bayern

Grund- und Förderschulen brauchen mehr Personal

Im Grund- und Förderschulbereich sind kräftige Investitionen nötig: "Was die personelle Ausstattung von Förderschulen mit Lehr- und Fachkräften betrifft, hält der Freistaat Bayern die Rote Laterne. In keinem anderen Bundesland müssen die Förderschulen mit so wenig Personal zurechtkommen", kritisierten BLLV -Präsident Klaus Wenzel und der Leiter der Fachgruppe Förderschulen im BLLV, Frank Tollkühn heute in München.

29.06.2010 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Damit sei die auch vom Kultusministerium und von der "Projektgruppe Förderschulen" der CSU-Landtagsfraktion angestrebte individuelle Förderung nicht zu erreichen. Beide forderten deutlich mehr personelle Unterstützung für Kinder mit Förderbedarf oder Behinderung. Relativ viele Kolleginnen und Kollegen würden zudem mit Zeitverträgen abgespeist - was sich überaus negativ auf die Arbeitsatmosphäre an den Einrichtungen auswirke. Die von den fünf Landtagsfraktionen gewünschte Inklusion könne nur gelingen, wenn mehr Personal zur Verfügung gestellt werde, allen Schularten voran den Grund- und Förderschulen.

Der Personalschlüssel an Förderschulen spricht für sich: Derzeit kommen auf einen Lehrer 7,6 Schüler. "Das reicht nicht aus" sagte Tollkühn, "damit sind wir auf Platz 16 im Bundesländervergleich und gerade Kinder, die Förderschulen besuchen, brauchen beste Unterstützung, viel Zuwendung und individuelle Förderung."

Neben deutlich mehr Personal forderte er auch die Umwandlung von Zeitverträgen in feste Arbeitsverhältnisse: "Derzeit gibt es zu viele Beschäftigte mit befristeten Zeitverträgen an den Förderschulen." Das habe Auswirkungen auf die tägliche Arbeit und die Atmosphäre in den Einrichtungen, denn Zeitverträge lösten immer Unsicherheit, Zukunftssorgen und Angst vor Entlassung und Arbeitslosigkeit aus. "Wer nicht weiß, wie sich sein Arbeitsverhältnis in Zukunft gestalten wird, ist weniger motiviert und denkt weniger in langfristig angelegten pädagogischen Konzepten. Letztlich leiden die Förderschüler unter dieser Personalpolitik, denn für sie sind konstante Ansprechpartner, denen sie vertrauen und die sie kennen, sehr wichtig. Wir brauchen viele hoch motivierte und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."

Der BLLV -Experte bemängelte auch Grundsätzliches: "An vielen Förderschulen in Bayern sind nicht einmal die einfachsten Voraussetzungen gewährleistet." So fehlten beispielsweise vielfach die räumlichen Voraussetzungen für eine optimale Förderung, die Schülerzahlen pro Klasse sind im Bundesländervergleich sehr hoch und die knappe Personaldecke ermöglicht nur ein eingeschränktes Angebot an zusätzlichen Differenzierungsmaßnahmen in Kleingruppen. "Wenn darüber hinaus noch ein Kollege ausfällt, ist die Zahl der Mobilen Reserven, mit 196 Sonderschullehrern, seit Jahren zu niedrig", so Tollkühn.

Tollkühn und Wenzel wiesen darauf hin, dass auch die Umsetzung der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung kräftige Investitionen erfordere: "Wer die Idee ernst nimmt, muss für kleine Klassen, überschaubare Gruppen, genügend Fachpersonal und ein schlüssiges Förderkonzepte sorgen - das betrifft neben den Förderschulen auch die anderen Schularten, allen voran die Grundschule."

Auch bei den Mobilen Sonderpädagogischen Diensten herrscht der Mangel: Die Pädagogen fördern gezielt Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in allgemeinen Schulen, diagnostizieren, beraten, koordinieren die Fördermaßnahmen und sollen Fortbildungen an allgemeinen Schulen anbieten. "Derzeit stehen für diese umfangreichen Aufgaben nur knapp 570 Planstellen zur Verfügung, obwohl der Bedarf und die Nachfrage in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen sind", so Tollkühn. Der Bildungsbericht Bayern 2009 rechne vor, dass - alle Jahrgangsstufen zusammengenommen - die wöchentlich für Mobile Dienste aufgewendeten Stunden der Lehrkräfte von 9.597 im Schuljahr 2003/2004 auf 13.568 im Schuljahr 2007/2008 angestiegen seien. Bei den Lehrerstunden sei die Zunahme aber geringer als bei den geförderten Schülerinnen und Schülern; das bedeute, dass die je Schüler aufgewendete Zeit im betrachteten Zeitraum abgenommen habe (Bildungsbericht Bayern 2009, Seite 15). Tollkühn forderte daher zusätzliche Planstellen zum Ausbau der Mobilen Dienste: "Wir brauchen mehr Zeit für Diagnostik, Förderung, Kooperation und Beratung."


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