Hamburg

"Hamburg bekommt bundesweit die beste Ausstattung für die Inklusion"

"Seit 2010 können Kinder, die früher auf Sonderschulen geschickt wurden, allgemeine Schulen besuchen. Leider hat der damalige Senat die Schulen darauf nicht ausreichend vorbereitet, für zwei Drittel aller Schulen gab es nur eine Notlösung mit sehr wenig zusätzlichem Personal. In einem ersten Schritt hat die Schulbehörde 2011 über 120 zusätzliche Sozialpädagogen und Erzieher eingestellt. In einem zweiten Schritt wird jetzt ein Konzept für die Organisation und Qualität der sonderpädagogischen Förderung, die Weiterbildung der Kollegien sowie die bedarfsgerechte Personalausstattung aller allgemeinen Schulen vor. Einsparungen finden nicht statt. Im Gegenteil bleibt das hohe Ausstattungsniveau erhalten. Hamburg wird künftig für die Inklusion die beste Personalausstattung aller Bundesländer haben."

22.05.2012 Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)

Seit dem Schuljahr 2010 können Kinder, die früher auf Sonderschulen geschickt wurden, allgemeine Schulen (Grundschule, Stadtteilschule, Gymnasium) besuchen. Diese Möglichkeit wurde von der Bürgerschaft einstimmig beschlossen und unter dem CDU-GAL-Senat eingeleitet. Immer mehr Kinder besuchen seitdem eine allgemeine Schule statt der Sonderschule. Leider hat der damalige Senat die Schulen darauf nicht ausreichend vorbereitet. Nur ein Drittel der Schulen war mit "integrativen Regelklassen", "Integrationsklassen" oder "integrativen Förderzentren" auf die sonderpädagogische Förderung eingestellt. Für die meisten Schulen gab es 2010 nur eine schlecht ausgestattete Notlösung mit sehr wenig zusätzlichem Personal. Es ist deshalb dringend notwendig, alle Schulen angemessen auszustatten.

In einem ersten Schritt hat die Schulbehörde 2011 über 120 zusätzliche Sozialpädagogen und Erzieher für die Unterstützung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf eingestellt. In einem zweiten Schritt legt die Schulbehörde jetzt ein Konzept für eine bedarfsgerechte sonderpädagogische Förderung in allen Schulen vor. Das Konzept regelt die Organisation und Qualität der sonderpädagogischen Förderung, die Weiterbildung der Kollegien sowie eine bedarfsgerechte Personalausstattung an allen allgemeinen Schulen.

"Zurzeit ist das sonderpädagogische Personal nicht bedarfsgerecht verteilt. Deshalb muss Personal umverteilt werden: Einige Schulen geben Personal ab, andere bekommen Personal hinzu. Alle Veränderungen werden behutsam über mehrere Jahre eingeleitet. Insgesamt wird jedoch keineswegs Personal abgebaut. Das hohe Ausstattungsniveau bleibt erhalten", so Senator Rabe.

Künftig bekommt eine Schule für jedes Kind mit speziellem Förderbedarf (z.B. geistig oder schwer-mehrfach behindert) zusätzliches Personal für 7,0 doppelt besetzte Unterrichtsstunden pro Woche und für jedes Kind mit Förderbedarf "Lernen", "Sprache" oder" emotional-soziales Verhalten" (LSE-Förderbedarf) 3,5 doppelt besetzte Unterrichtsstunden pro Woche. Wenn beispielsweise vier Kinder mit speziellem Förderbedarf in einer Klasse lernen - wie in den bisherigen Integrationsklassen -, dann kann die Schule 4 x 7,0 = 28 Unterrichtsstunden pro Woche mit einer zweiten pädagogischen Kraft besetzen.

Die künftige Förderung in Hamburg geht weit über alle anderen Bundesländer hinaus. CDU und GAL hatten 2010 lediglich rund 1,5 doppelt besetzte Unterrichtsstunden pro Kind mit LSE-Förderbedarf vorgesehen. Bildungsforscher wie die Prof. Klemm und Preuss-Lausitz empfehlen für Kinder mit LSE-Förderbedarf rund 3 doppelt besetzte Unterrichtsstunden und für Kinder mit speziellem Förderbedarf 4,2-5,6 doppelt besetzte Unterrichtsstunden.

Das zusätzliche Personal für Kinder und Jugendliche mit speziellem Förderbedarf wird einer Schule zugewiesen, wenn der Förderbedarf des Kindes mit einem Gutachten nachgewiesen ist. Anders ist es bei Kindern mit Förderbedarf LSE. Wegen der Ungenauigkeit vieler LSE-Gutachten wird jeder Schule das zusätzliche Personal für Kinder mit Förderbedarf LSE über eine Pauschale zugewiesen. Diese Zuteilung wird von Bildungsforschern einhellig empfohlen. Jede Schule bekommt ausgehend von einem Mittelwert von 5 %Kindern mit Förderbedarf LSE in Hamburg eine eigene Pauschale, die sich nach der Zahl und der sozialen Lage ihrer Schülerschaft richtet. Eine Schule in einem sozial belasteten Stadtteil erhält z.B. die Pauschale von 7,6 %. Das bedeutet, dass diese Schule für 7,6 % ihrer Kinder zusätzliches Personal für die Förderung im Bereich LSE bekommt.

Einige Schulen haben jetzt erklärt, sie hätten mehr LSE-Kinder als in der Pauschale für ihre Schule berechnet sind. Diese Differenzen werden zurzeit aufgeklärt. Sie können vier Ursachen haben:

  1. Die soziale Lage der Schülerschaft kann sich verändert haben. Deshalb ist eine neue soziale Analyse aller Schulen beauftragt, die ab dem Schuljahr 2013 angewendet wird.
  2. Einige Schulen haben – unabhängig von der sozialen Lage ihrer Schülerschaft – eine lange Tradition bei der sonderpädagogischen Förderung und werden deshalb von förderbedürftigen Kindern besonders gern besucht. Diese Schulen sollen in einer Übergangsphase zum Ausgleich zusätzliches Personal bekommen.
  3. Seit Beginn der Inklusion im Jahr 2010 werden immer öfter Kinder als förderbedürftig im Bereich LSE gemeldet, die vorher nicht als förderbedürftig galten. So sank zwar seit 2010 die Zahl der LSE-förderbedürftigen Kinder an den Sonderschulen erwartungsgemäß um 895, stieg aber umgekehrt an den allgemeinen Schulen nicht um 895, sondern um 2.006 an. Die Erklärung ist einfach: Seit 2010 werden immer mehr Kinder aus der regulären Schülerschaft als förderbedürftig im Bereich LSE eingestuft. Viele von ihnen wären vor 2010 nicht als LSE-förderbedürftig eingestuft worden und ganz normal ohne zusätzliches Personal unterrichtet worden.
  4. Auch eine weitere Entwicklung muss aufgeklärt werden. Seit Kinder auch nachträglich im laufenden Schulbesuch als LSE-förderbedürftig eingestuft werden können, steigt bei jeder Versetzung die Zahl der LSE-förderbedürftigen Kinder einer Klasse: 65 Erstklässler an den Grundschulen galten 2009 als LSE-förderbedürftig, bei der Versetzung in Klasse 2 stieg die Zahl auf 168, ein Jahr später auf 286. Noch größere Anstiege werden aus dem Folgejahrgang gemeldet. Sicher können sich Kinder ändern. Es ist aber nicht nachvollziehbar, dass durch längeren Schulbesuch immer mehr Kinder LSE-förderbedürftig werden und umgekehrt bei keinem einzigen Kind ein Ende der Förderbedürftigkeit gemeldet wird.

Daran erkennt man, dass sich seit 2010 offensichtlich Maßstäbe verschoben haben. "Bei vielen der jetzt als förderbedürftig im Bereich LSE eingestuften Kinder und Jugendlichen wäre vor 2010 kein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt, sondern sie wären ohne zusätzliches Personal ganz normal an den allgemeinen Schulen unterrichtet worden. Zurzeit werden diese erheblichen Differenzen aufgeklärt. Möglicher Weise wird manchmal pädagogischer Förderbedarf mit sonderpädagogischem Förderbedarf verwechselt. Bei den jetzigen Ressourcenfragen geht es jedoch nur um sonderpädagogischen Förderbedarf, das ist die Förderung für diejenigen Kinder und Jugendlichen, die vor 2010 noch auf die Sonderschule überwiesen worden wären. Es geht hier nicht darum, zusätzliche Förderung für alle etwas leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler zu organisieren, so wünschenswert das auch sein mag", so Senator Rabe.

"Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang auch, dass bei der Diskussion um Geld und Personal das Wichtigste nicht vergessen wird: Inklusion braucht eine Veränderung des Unterrichts. Alle Beispiele gelungener Inklusion zeigen, dass darin der eigentliche Schlüssel zum Erfolg liegt. Mir ist klar, dass diese Konzepte erst entwickelt werden müssen und wir zurzeit am Beginn einer neuen Entwicklung stehen. Deshalb beinhaltet das jetzt vorgelegte Inklusionskonzept für alle Schulen vielfältige Angebote, um Unterricht und Schulorganisation auf die neuen Aufgaben vorzubereiten. Diese Angebote werden immer stärker von den Schulen genutzt und erfolgreich umgesetzt. Ich bin deshalb sehr zuversichtlich, dass wir auf einem guten Wege sind", ergänzt Senator Rabe.

Rabe resümiert: "Die Inklusion ist eine große Chance – sowohl für viele bislang benachteiligte Kinder als auch für viele leistungsstarke Kinder. Sie können gemeinsam besser lernen, wenn sich Schule und Unterricht auf die neuen Anforderungen einstellen. Erfolgsschlüssel dafür sind eine vernünftige Personalausstattung und gelungene Schul- und Unterrichtskonzepte. Ich möchte, dass die Inklusion ein Erfolg wird. Deshalb plane ich in Hamburg für die inklusive Arbeit die beste Personalausstattung aller Bundesländer. Ich bin sicher, dass auf dieser Grundlage der Wandel zur inklusiven Schule gelingen wird."


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