Schulstruktur

Hat die Realschule eine Zukunft?

Der Andrang auf die Gymnasien wird immer stärker. Die Hauptschule leidet unter Schülerschwund. Und die Realschule kommt in den zweigliedrigen Schulsystemen etlicher Bundesländer gar nicht mehr vor. In Baden-Württemberg startete in diesem Schuljahr die neue Werkrealschule - die Auswirkungen auf die Schullandschaft in diesem Bundesland sind noch ungewiss.

03.02.2011 Artikel

"Bei all den Diskussionen um die Dauer der Gymnasialzeit und die Überführung der Hauptschulen in neue Werkrealschulen ist eine Schulart völlig aus dem Blickwinkel gerutscht: Die Realschule, die seit Jahren eine verlässlich gute Arbeit abliefert und von der man kaum Klagen vernimmt, obwohl die Klassen meist aus allen Nähten platzen", klagt Gerhard Brand, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Würt-temberg.

Zielt die Ausbildung im Gymnasium auf die Qualifizierung für ein Hochschulstudium, so soll die Realschule ebenso für weiterführende Schulen wie für eine Berufsausbildung fit machen - die Realschule meistert also eine breit angelegte Ausbildung. Den Trend zum hohen Schulabschluss gab es unter Realschülern indes schon immer: Ein Drittel aller Abiturienten aus Baden-Württemberg hat in seiner Schullaufbahn eine Realschule besucht. Die Möglichkeiten zur Qualifizierung mögen auch erklären, warum die Realschule starken Zulauf hat. "Die Realschule ist die einzige Schulform, deren Schülerzahlen höher liegen als die Prognosen des Statistischen Landesamtes", bemerkt Rita Haller vom Realschullehrerverband Baden-Württemberg (RLV).

Da hinterlässt auch die Umstellung der Gymnasien auf G8 bereits deutliche Spuren. Schüler mit Gymnasialempfehlung und deren Eltern entscheiden sich häufiger als früher für die Realschule. Und viele Kinder wechseln vom Gymnasium auf die Realschule, damit sie dem Lernstress entkommen und mehr Zeit haben, ihre Interessen auszuleben.

Welchen Einfluss die Reform der Werkrealschule auf die Realschule haben wird, mag Rita Haller noch nicht einschätzen. Die Reform sei noch zu jung, als dass Effekte bereits spürbar wären. Tatsächlich soll die Werkrealschule einen noch breiteren Spagat hinlegen, als es bereits die traditionelle Realschule tut. So soll sie in einem durchgehenden Bildungsgang bis Klasse 10 zur Mittleren Reife führen. Dieser mittlere Bildungsabschluss ist dem Realschulabschluss gleichwertig. Auch ein Hauptschulabschluss in Klasse 9 ist möglich. Außerdem soll die Werkrealschule in Klasse 10 eng mit den zweijährigen Berufsfachschulen kooperieren und eine erste berufliche Grundbildung vermitteln. Der Unterricht findet dann sowohl an der Werkrealschule wie auch an der beruflichen Schule statt.

Praktiker vor Ort allerdings, so die Erfahrungen von Gerhard Brand vom VBE Baden-Württemberg, würden sehen, dass Eltern ganz eindeutig lieber die ´echte` Realschule für ihre Kinder bevorzugen als die Werkrealschule. Auch deswegen wäre es an der Zeit, jetzt etwas für die Realschulen zu tun, so Brand. Während Gymnasien Finanzmittel für zusätzli¬che Hausaufgabenbetreuung erhielten und den Hauptschülern pädagogische Assistentinnen zur Seite stünden, ließe man die Realschüler hier völlig im Regen stehen. Sein Fazit: "Die Politik muss daher umgehend aktiv werden."

Dazu auf der didacta 2011

22.02.2011, 13:00 - 14:00 Uhr
Bildungspartnerschaften – Schule und Wirtschaft im Dialog
Gesprächsteilnehmer: Claudius Audick, Projektmanager, IHK Region Stuttgart, Dietmar Tietke, Leiter Ausbildung, EnBW Regional AG, Vertreterinnen und Vertreter der schulischen Kooperationspartner
Marktplatz "Beruf ist Zukunft", Stand 1G76

23.02.2011, 11:00 - 12:15 Uhr
Neue Werkrealschule: Mehr Bildungsgerechtigkeit oder demografische Notwendigkeit?
Gesprächsteilnehmer: Gerhard Brand, Landesvorsitzender des VBE Baden-Württemberg, Ministerialdirigent Konrad Horstmann, Kultusministerium Baden-Württemberg, Rita Haller, Vorsitzende des Realschullehrerverbandes Baden-Württemberg, Dr. Ernst Rösner, Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS), TU Dortmund. Moderation: Peter E. Kalb, Redakteur der Zeitschrift "Pädagogik"
forum bildung, Stand 1K72

23.02.2011, 11:00 - 12:00 Uhr
Gläsernes Klassenzimmer: Individuelle Förderung im Unterricht der Werkrealschule
Referentin: Bettina Hammen, Staatliches Schulamt Ludwigsburg
Landesstand des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport, Stand 5A71/A81

25.02.2011, 09:30 - 10:15 Uhr
Bildungspartnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen
Referent: Thomas Schenk, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport
Landesstand des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport, Stand 5A71/A81

25.02.2011, 15:30 - 16:45 Uhr
Neustart in der Bildungspolitik? Wie geht es weiter nach der Wahl?
Im Podium die bildungspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Landtagsfraktionen: Volker Schebesta für die CDU, Frank Mentrup von der SPD, Renate Rastätter für Bündnis 90/Die Grünen und Birgit Arnold von der FDP. Moderation: Renate Allgöwer, Redakteurin der Stuttgarter Zeitung
forum bildung, Stand 1K72

Links

Kultusministerium Baden-Württemberg: Informationen zur Werkrealschule


Weiterführende Links

  • Kultusministerium Baden-Württemberg: Informationen zur Werkrealschule

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