Hauptschule ohne Bildungsstandards – Schule ohne Bildung?

"Der durchgesickerte Plan der Kultusministerkonferenz, die Bildungsstandards für die Hauptschulen bis zum Jahr 2013 auszusetzen, kommt einer Bankrotterklärung für die Hauptschule gleich", kommentiert der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. "Wer so vorgeht, handelt Kindern und Lehrkräften gegenüber absolut verantwortungslos."

13.11.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Wenn dieser Plan Wirklichkeit wird, nimmt die Politik der Hauptschule den Statuts einer allgemein bildenden Schule. Sie erweckt damit den Eindruck, die Hauptschule sei nur noch eine Verwahranstalt für Kinder und Jugendliche, denen ohnehin keine Lernleistungen bzw -zuwächse mehr zugetraut werden.

"Das ist keine Bildungspolitik mehr, sondern blanker Zynismus", so Beckmann. "Seit Jahrzehnten appellieren Experten immer wieder an die Politik, die sich an vielen Hauptschulen verändernde Realität zur Kenntnis zu nehmen und entsprechend zu handeln, damit Kinder und Jugendliche nicht um ihre Bildungschancen gebracht werden. Große Teile der Politik reagieren auf diese Appelle seit Jahren mit Ignoranz und Schönrederei. Sie wollen nämlich nicht zugeben, dass die Probleme der Hauptschule nicht an dieser Schulform verursacht werden, sondern auch dadurch entstehen, dass andere Schulformen ihre Problemfälle an sie abgeben können."

Die Einführung von Bildungsstandards war eine richtige Reaktion der Kultusminister auf die schlechten Ergebnisse der ersten PISA-Studie. Wenn nun die Erkenntnis da ist, dass solche Standards an einer Schulform nicht erfüllt werden können, muss endlich ein Umdenken auch in schulstrukturellen Fragen erfolgen.

"Wenn die Kultusministerkonferenz zu der Auffassung kommt, dass die Bildungsstandards allgemein bildender Schulen für die Hauptschule nicht mehr gelten sollen, dann muss sie endlich an die Wurzel gehen. Die Wurzel ist aber das System und nicht eine Schulform im System", so Beckmann. "Offensichtlich geht es den Kultusministern aber nur noch darum, keine schlechten Nachrichten mehr zu produzieren. Und es geht offensichtlich darum, um jeden Preis ein Schulsystem zu erhalten, das längst an seine Grenzen gestoßen ist."

Der VBE hat kürzlich den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten aufgefordert, eine partei- und organisationsübergreifende ständige Bildungskonferenz in NRW einzurichten, um grundsätzliche Fragen des Bildungssystems der Zukunft anzugehen. Die Landesregierung hat diesen Appell gestern im Landtag zurückgewiesen.

"Angesichts dieser Pläne der Kultusministerkonferenz fordern wir die Landesregierung erneut zur Zusammenarbeit mit allen gesellschaftlichen Gruppen auf", so Beckmann abschließend. "Wir werden nicht hinnehmen, dass der Bildungsanspruch für einen Teil der Kinder aufgegeben wird und diese Kinder um ihre Zukunftschancen gebracht werden, damit die Politik sich hinstellen und behaupten kann, unser Schulsystem sei intakt. Die Politik hat im Dienst der Menschen, in diesem Fall der Kinder zu stehen und nicht umgekehrt."


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