Hauptschulen brauchen Schulsozialarbeit

Mit Oettingers Appellen an die Eltern lässt sich die Misere vieler Hauptschulen nicht beheben. Die Landesregierung hat die Mittel für Schulsozialarbeit gestrichen, verweigert seit Jahren eine grundlegende Reform der Hauptschule und tut zu wenig, um ausreichend Ausbildungsplätze zu schaffen. Sie ist deshalb mitverantwortlich, dass immer mehr Jugendliche diese Schule als Verlierer verlassen", sagte Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg, am Montag (03.04.) in Stuttgart. Unverständlich findet die GEW auch, dass das Kultusministerium jede Diskussion über integrative Schulformen verweigert.

03.04.2006 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

"Hauptschullehrkräfte haben unter den Lehrerinnen und Lehrern den höchsten Krankenstand. Die hohe Belastung lässt kaum Spielräume für wichtige Themen wie Gewaltprävention, Drogenberatung und Hilfe bei der Lehrstellensuche. Hauptschulen brauchen deshalb als erste Schulart kleinere Klassen und zusätzliche Stunden für Klassenlehrerinnen und –lehrer. Wir schlagen als ersten Schritt vor, an den Hauptschulen eine zusätzliche Klassenlehrerstunde einzuführen und den Klassenteiler zu senken. Die Lehrerinnen und Lehrer brauchen außerdem mehr Zeit und professionelle Unterstützung durch Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen", so Dahlem.

Die Landesregierung hatte ab September 2005 die Landeszuschüsse für Schulsozialarbeit gestrichen. Die Kürzung bedeutete, dass 230 Schulen keine finanzielle Unterstützung des Landes für ihre Schulsozialarbeiter/innen mehr bekommen hatten. Im Schuljahr 2003/2004 wurden diese noch mit 2,18 Millionen Euro und im Schuljahr 2004/2005 mit 1,1 Millionen Euro gefördert.

Thema Schulsozialarbeit

Viele Schulsozialarbeiterstellen sind inzwischen befristet und werden von Kommunen, Landkreisen sowie durch Bundes- und EU-Mittel finanziert. In zahlreichen Kommunen sind weitere Kürzungen geplant. "Schulsozialarbeit ist ein wichtiges pädagogisches Instrument. Die Sozialarbeiter bauen dabei eine enge und vertrauensvolle Beziehung zu ihren Schülern auf. Diese Arbeit braucht viel Zeit und muss deshalb kontinuierlich gesichert werden. Schulsozialarbeiter/innen zählen wie Lehrkräfte zum pädagogischen Personal einer Schule. Die Finanzierung ist deshalb vorrangig Aufgabe des Landes", so Dahlem. Insgesamt gibt es an den rund 4.000 Schulen im Südwesten etwa 300 Schulsozialarbeiter/innen. Die meisten arbeiten an Hauptschulen und Beruflichen Schulen. Der Rückgang der Gewaltstraftaten an Schulen um 15 Prozent zwischen 2001 und 2003 wird auch auf die Arbeit der Sozialpädagog/innen zurückgeführt.

38.000 Lehrer/innen an Grund- und Hauptschulen

In Baden-Württemberg arbeiten an den rund 1.200 Grund- und Hauptschulen über 38.000 Lehrer/innen. Die GEW ist die stärkste Interessenvertretung für Hauptschullehrer/innen. Etwa 14.000 der 41.000 GEW-Mitglieder unterrichten an Grund- und Hauptschulen.

Schon vergessen?

"In Zukunft müssen wir uns sicher darüber Gedanken machen, ob ein Hauptschullehrer in einem sozialen Brennpunkt weniger verdienen darf als ein Gymnasiallehrer, der vielleicht nur unproblematische Schüle betreut, aber etwas länger studiert hat." Ex-Kultusministerin Annette Schavan im Jahre 2001 im "Focus"

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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