Bayern

Heute wieder kein Unterricht

Die Unterrichtssituation ist in Teilen Bayerns am Zusammenbrechen. "Die Situation droht vielerorts zu eskalieren", informierte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, heute in München. Er forderte das Kultusministerium auf, umgehend Maßnahmen einzuleiten und den Schulen zu helfen. Reihenweise Unterrichtsausfälle im Herbst und Winter seien die Quittung für die Sparpolitik der Bayerischen Staatsregierung, die stets behauptet, Bildung habe Priorität. "Die Leidtragenden sind die Schüler und die Lehrer", sagte Wenzel.

23.11.2012 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Besonders schlimm ist die Situation derzeit in Niederbayern. Zum Schuljahresbeginn standen dort 275 Kräfte der Mobilen Reserve zur Verfügung. Davon waren bereits zum Schulbeginn über die Hälfte dauerhaft im Einsatz, ein erheblicher Teil war aber wegen Mutterschutz, Elternzeit oder Krankheit nicht einsetzbar, so dass nur ca. 50 Kräfte zur Übernahme von Vertretungen übrig blieben. Die Zahl der derzeit noch zur Verfügung stehenden und einsetzbaren Kräfte der Mobilen Reserve in Niederbayern tendiert im Augenblick gegen Null. Elternbeiratsvorsitzende haben sich bereits an das Kultusministerium gewandt und um Abhilfe gebeten, denn ihre Kinder gehen zwar in die Schule und werden dort auch betreut - qualifizierter Unterricht findet aber nicht statt. Das Schreiben liegt dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) vor.

Auch in Oberbayern brennt es. Dort hat sich die Regierung an die Ludwig-Maximilian-Universität in München gewandt. Lehramtsstudierende sollen die schlimmsten personellen Lücken stopfen. Aktuell melden Lehrerinnen und Lehrer aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck, dass so gut wie jede Schule im Landkreis drastisch unterversorgt sei.

In der Oberpfalz ist die Situation vergleichbar: Dort war die Versorgung bereits zum Schuljahresbeginn so schlecht, dass an vielen Grundschulen gerade noch der Pflichtunterricht abgedeckt werden konnte, an Mittelschulen mussten Wahlfächer wie Informatik oder Buchführung gestrichen werden. Fachlehrer müssen in Fächern unterrichten, die normalerweise von Hauptschullehrern abgedeckt werden, Förderlehrer werden zu vermehrten eigenverantwortlichen Stunden eingesetzt. Viele Schulen wissen derzeit nicht mehr, wie sie den Pflichtunterricht aufrecht erhalten sollen - und die Krankheitswelle kommt erst noch.

In Nürnberg wurden ehrenamtliche Helfer an Schulen gebeten, ihre Veranstaltungen als "schulische" zu deklarieren, damit sie als Unterricht gezählt werden können.

"Diese Beispiele sprechen Bände und zeigen, wie ernst es ist", fasste BLLV-Präsident Klaus Wenzel zusammen. Er könne es nicht nachvollziehen, dass Spaenle angesichts dieser Situation offenbar sogar noch bereit ist, auf Lehrerstellen zu verzichten. Denn, wird der Doppelhaushalt 2013/14 so verabschiedet, wie er derzeit im Entwurf vorliegt, besteht die Gefahr, dass erneut über 1.400 Lehrerplanstellen wegfallen werden. Die demografische Rendite wird dann nicht, wie im Koalitionsvertrag garantiert, an den Schulen bleiben.

Der BLLV prangert diese Sparpolitik an und appelliert in einem online veröffentlichten Offenen Brief an Spaenle, sich an den Koalitionsvertrag von 2008 zu halten. Den Brief haben innerhalb weniger Tage über 5.000 Menschen unterzeichnet. Er ist nachzulesen unter www.bllv.de/dhh2013.


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