Initiative zum Erhalt der Realschulen
Die Realschulen in Nordrhein-Westfalen sind bedroht. Die Opposition träumt von der Einheitsschule, in der Regierung propagiert der Juniorpartner FDP offen die regionale Mittelschule als Konglomerat aus Haupt-, Real- und Gesamtschulen. Das CDU-geführte Schulministerium genehmigt reihenweise Verbundschulen, in denen der Bildungsgang Realschule dazu dient, dass Bürgermeister ihre Hauptschul-Standorte retten können. Die Realschule ist in diesem politischen Spannungsfeld offenbar nur noch ein Spielball.
23.03.2009 Pressemeldung Realschullehrerverband NRWDie rund 550 Realschulen in NRW bieten ihren Schülern nachgewiesenermaßen eine hohe Qualität und der Wirtschaft Jahr für Jahr hoch geschätzte Absolventen. "Es ist schier unfassbar, dass eine so anerkannte und erfolgreiche Schulform geopfert werden soll, um die Probleme anderer Schulformen zu lösen", kritisieren Brigitte Balbach, Vorsitzende des Realschullehrerverbandes NRW (RLV), und Ilona Jondral, Vorsitzende der Landeselternschaft Realschulen (LERS). Um die Öffentlichkeit für die Bedrohung der Realschulen zu sensibilisieren, starten der RLV und die LERS mit dem heutigen Tag eine breit angelegte Initiative zum Erhalt der Realschulen. Geplant sind verschiedene Protestaktionen und Informationsveranstaltungen, die bis zur Landtagswahl im kommenden Jahr laufen werden. Eine Plakat- und Postkartenaktion ist bereits angelaufen. Die Kampagne trägt das Motto "Nur Realschulen BILDEN die Mitte". Das ist doppeldeutig zu verstehen: Zum einen bilden Realschulen die stabile Mitte des gegliederten Schulsystems, zum anderen bilden sie Menschen aus allen sozialen Schichten aus, die mit ihrem Können und ihren Kompetenzen wiederum die Mitte der Gesellschaft, die Mittelschicht, bilden.
Realschulabsolventen finden in Industrie und Handel, Handwerk und Gewerbe oder in Verwaltungen und Behörden nach wie vor attraktive Berufschancen. Nicht von ungefähr spricht sich zum Beispiel auch die Landesvereinigung der Arbeitgeberverbände Nordrhein-Westfalen mit Nachdruck für eine Stärkung der Realschulen aus.
Wird die Realschule mit Haupt- und/oder Gesamtschulen zusammengelegt, wird das ihre Qualität erheblich schwächen, weil sich eine solche Einheitsschule zwangsläufig ihrer schwächeren Klientel anpassen muss. Nicht von ungefähr schneiden die Realschulen bei den PISA-Studien regelmäßig besser ab als die Gesamtschulen. Optionen für einen höheren Schulabschluss bietet die Realschule neben dem Wechsel aufs Gymnasium durch verstärkte Vernetzung mit den Berufskollegs.
Verbundschul-Modelle, in denen meist einer bestehenden Hauptschule ein Realschulzweig angegliedert wird, sind Etikettenschwindel. "Es mag Realschule draufstehen, aber es ist keine Realschule drin", betont Balbach. Denn das Herzstück des Realschul-Bildungsgangs ist die Neigungsdifferenzierung: Schüler können ab Klasse 8 Schwerpunkte zum Beispiel im naturwissenschaftlichen, sprachlichen oder musischen Bereich setzen. Damit schärfen sie ihr eigenes Profil – nicht zuletzt im Hinblick auf die spätere Berufswahl. In einzügigen Realschulzweigen ist das nicht möglich, weil es für eine breite Differenzierung zwangsläufig nicht genug Schüler gibt und auch das MSW nicht genug Lehrer zur Verfügung stellt.
"Realschullehrer und Realschuleltern kämpfen für den Erhalt der Realschulen und der hohen Qualität des Realschulabschlusses, die unsere Gesellschaft dringend braucht. Sie lehnen daher Zusammenlegungen mit anderen Schulformen ausdrücklich ab. Wir fordern ein klares Signal der Landesregierung zum Erhalt der Realschulen", erklären Balbach und Jondral.
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