Jungen und Mädchen – Wie kann eine geschlechtergerechte Schule aussehen?

Über 80 Lehrkräfte informierten sich am 16. März 2007 in Kronshagen auf dem Landesfachtag Gender Mainstreaming des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) über den aktuellen Diskussionsstand zum Thema "Jungen und Mädchen in der Schule".

17.03.2007 Schleswig-Holstein Pressemeldung Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen IQSH

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave betonte in ihrem Eröffnungsstatement: "Wenn Schule erfolgreich individuell fördern will, wenn sie jedem einzelnen Kind gerecht werden will, dann muss sie auch geschlechterpädagogisch denken und handeln." Dieses gelte sowohl für die Jungen, bei denen die Zahl der Bildungsverlierer in der jüngsten Vergangenheit deutlich gestiegen sei. Aber es gelte auch für die Mädchen, die zwar in der Schule erfolgreich seien, diese Erfolge jedoch häufig noch zu wenig in Berufs- und Arbeitsleben übertragen könnten. In der derzeitigen gesellschaftlichen Debatte über das Verhältnis und den Umfang von Familienerziehung und staatlich-öffentlicher Erziehung liegt nach Ansicht der Ministerin auch die Chance, einen konkreten und handlungsorientierten Genderaspekt zu verankern: "Wir müssen die Frage nach dem Selbstverständnis und den Rollenerwartungen der Geschlechter neu stellen - und damit müssen wir schon in der Schule beginnen", sagte sie.

"Gender Mainstreaming hat im IQSH in allen Arbeitsbereichen bis hin zu den konkreten Projekten eine hohe Bedeutung. Ein gutes Beispiel ist das Hauptschulprojekt "Niemanden zurücklassen – Lesen macht stark", an dem rund 10.000 Schülerinnen und Schüler von 50 Hauptschulen teilnehmen. Hier wird der Tatsache Rechnung getragen, dass Jungen und Mädchen unterschiedliche Leseinteressen haben. Es wurden daher gezielt unterschiedliche Unterrichtsmaterialien für Jungen und Mädchen entwickelt. Zudem können die Schülerinnen und Schüler selbst Texte in den Unterricht einbringen. Die Rückmeldungen der Schulen bestätigen, dass dieser Ansatz bei den Schülerinnen und Schülern sehr gut ankommt und sie motiviert", sagte Dr. Thomas Riecke-Baulecke, Direktor des IQSH.

"PISA, TIMMS und andere Vergleichsstudien unterstreichen, dass Lernprozesse und Lernerfolg auch mit Geschlecht zu tun haben. Häufig finden sich Mädchen im "System Schule" besser zu Recht als Jungen – Schüler haben ein höheres Risiko zu scheitern als Schülerinnen", so Dr. Beate Lesting-Buermann, die im IQSH für Gender Mainstreaming zuständige Mitarbeiterin. "Wir wollen Lehrerinnen und Lehrer mit dem Thema vertraut machen, aber auch diejenigen, die sich in ihren Schulen schon lange mit der Geschlechterfrage auseinandersetzen, über die neuesten Entwicklungen informieren. Denn von Seiten der Lehrerinnen und Lehrer ist eine Reflexion des Umgangs mit Geschlechterrollen notwendig - es geht darum, die individuellen Kompetenzen von Jungen und Mädchen zu stärken."

Der Landesfachtag bot ein breites Themenspektrum. Der Vortrag von Prof. Dr. Uwe Sielert von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel "Mit Geschlechterunterschieden umgehen" bot Thesen zu einer geschlechtergerechten Schule. Die Arbeitsgruppen reichten von "Jungen und Mädchen – Bedeutsame Unterschiede? Ergebnisse aus der empirischen Bildungsforschung" über "Jungen und Mädchen fördern: Strategien für den eigenen Unterricht" bis hin zu "Geschlechtergerechte Berufs- und Lebensplanung".

Der Landesfachtag ist nur ein Baustein im Angebot des IQSH zu diesem Thema. Die Schulen können die Fortbildung "Jungen und Mädchen in der Schule: Wie können Lehrerinnen und Lehrer mit Geschlechterunterschieden umgehen?" für ihre Kollegien abrufen. Speziell für Führungskräfte bietet das IQSH im Mai die Fortbildung "Vielfalt produktiv gestalten: Geschlechtergerechte Schule und Leitungspraxis" an.

Kontakt:

Im IQSH für Gender Mainstreaming zuständig: Dr. Beate Lesting Buermann,
Handy: 0160 92225368,
E-Mail:
Weitere Informationen zu Gender Mainstreaming:
fortbildung.lernnetz.de/content/gender_m.php


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