Lehrerverband

Keine Kostenneutralität für Mittelschulen

Angesichts der heute begonnen Beratungen zum Gesetzentwurf zur Einführung von Mittelschulen hat der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) seine Forderung bekräftigt, die dafür vorgesehenen Ausgaben nicht unter das Postulat der Kostenneutralität zu stellen. "Neue Schulorganisationen brauchen beste Ressourcen. Wenn Mittelschulen funktionieren sollen, muss die Qualität im Vordergrund stehen", stellte BLLV -Präsident Klaus Wenzel klar. Er appellierte an die Mitglieder des Bildungsausschusses im Bayerischen Landtag, Mittelschulen bestens auszustatten und von Einsparungen abzusehen.

01.07.2010 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Nach wie vor stehen wir dem Konzept Mittelschule kritisch gegenüber", betonte Wenzel. Der BLLV ist der Auffassung, dass mit der Einführung eines weiteren Schultyps weder die Probleme der demografischen Entwicklung, noch das veränderte Übertrittsverhalten und somit das Hauptschulsterben gelöst werden können. "Weil aber die künftigen Schüler ein Recht auf beste Bildung haben, müssen Mittelschulen finanziell und personell bestens ausgestattet werden - ohne dabei verbleibende Hauptschulen noch weiter ins Abseits zu drängen."

In dem 168-seitigen Gesetzesentwurf ist u .a. zu lesen, dass keine weiteren Kosten für den Freistaat Bayern anfallen würden, schließlich, so wird argumentiert, bleibe der Arbeitsaufwand für alle Beteiligten insgesamt weitgehend gleich. Für die "Verbundkoordinatoren", die u. a. die Lehrerstunden auf die einzelnen Verbundschulen zu verteilen und den Lehrereinsatz zu planen haben, sind lediglich zwei Anrechnungsstunden vorgesehen. Sie sollen durch den Wegfall bestehender Schulleitungen finanziert werden. Eine bessere Bezahlung für die zusätzlichen Aufgaben soll es nicht geben. Verwaltungsangestellte gehen völlig leer aus: Äußerst zweifelhaft ist die Behauptung, dass die Beförderungskosten in Schulverbünden geringer sein sollen als ohne Verbünde. "Erfolgreiche Mittelschulen wird es zum Nulltarif nicht geben können", stellte der BLLV -Präsident dazu fest.

Der BLLV begrüßt, dass gemäß eines Schreibens des Kultusministeriums bei der Zuweisung von Lehrerstunden nicht nur die Zahl der Schüler, sondern auch die Zahl der Standorte einer Mittelschule berücksichtigt werden soll. Mittelschulen mit mehreren Standorten erhalten danach mehr Lehrerstunden als solche mit nur einem Standort. Darüber hinaus setzt sich der BLLV dafür ein, dass auch ein Sozialindex der Schülerschaft berücksichtigt werden soll, um sog. Brennpunktschulen mit ausreichend Lehrerstunden zu versorgen.

Wenzel appellierte am heutigen Tag an den Landtag, die Grundzuweisung von Lehrerstunden pro Hauptschüler (1,779) zu erhöhen, um eine effektive Bildung der Haupt- und Mittelschüler zu sichern. Denn die Berechnung zur Mittelschule machen deutlich: "Bei rückläufigen Schülerzahlen und steigenden Übertrittsquoten an Realschulen und Gymnasien kostet der Erhalt von drei Schularten mehr, als eine längere gemeinsame Schulzeit, die vor Ort angeboten werden könnte."

Der BLLV hat sich in einer Stellungnahme dezidiert zum Gesetzesentwurf geäußert. Diese ist nachzulesen unter: www.bllv.de/Politik.politik.0.html


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