"Keine parteipolitischen Süppchen zu Lasten der Zukunft unserer Hauptschülerinnen und Hauptschüler"

"Die ebenso platte wie parteipolitisch durchsichtige Forderung der Sozialdemokraten und Freien Wähler nach einem Aussetzen der Hauptschulreform gefährdet die Zukunft unserer Hauptschülerinnen und Hauptschüler gerade im ländlichen Raum", entgegnet Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle auf die Einlassungen der Oppositionsparteien. "Wer den Beginn der für Bayern erstmaligen Dialogphase in der Bildungspolitik torpediert, stiehlt den Hauptschulfamilien damit Zeit und Entwicklungschancen", so der Minister. Die Dialogforen eröffnen - zum ersten Mal und auf Dauer angelegt - für alle an Bildung in Bayern Beteiligten die Gelegenheit zum unmittelbaren Mitgestalten am Kerngeschäft von Bildung und Erziehung. Kultusminister Spaenle hatte Schulen, Eltern, Lehrkräfte, Schüler, Sachaufwandsträger und Schulverwaltung dazu eingeladen.

12.10.2009 Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Erfreut zeigt sich der Minister für die Unterstützung seiner Pläne durch die in Schwangau tagenden Landräte. Diese erweisen sich als konstruktive Partner und haben die Stärkung der Hauptschule - einschließlich der Ganztagsangebote und des Mittleren Bildungsangebots - grundsätzlich begrüßt. "Der Erhalt der kleinen Hauptschulen auf dem Lande und die Stärkung der Hauptschule sind zentrale Ziele meiner Initiative zur Bayerischen Mittelschule", ergänzte Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle. "Die Schulverbünde sind die strategische Antwort, um das drohende Aus vieler kleiner Hauptschulstandorte auf dem Lande zu verhindern", ergänzte der Minister.

Die Entwicklung der Hauptschule zur Mittelschule geschieht unter klaren Rahmenbedingungen:

  1. "Es gibt keine zwingende Einführung der Mittelschule zu Beginn des Schuljahres 2010/11. Vielmehr beginnt mit dem kommenden Schuljahr für jede Hauptschule die individuelle Möglichkeit sich zur Mittel- schule zu entwickeln. Die Schulaufwandsträger und Schulen können daher ohne Zeitdruck ihren Weg vor Ort planen."

  2. "Jeder Landkreis entscheidet selbst, wann er die Dialogphase beginnt. Ein Aussetzen der auf Freiwilligkeit und individuelle Standortentwicklung ausgerichteten Dialogphase würde der Sicherung der Hauptschule in ländlichen Räumen wertvolle Zeit nehmen. Des- halb erscheint es ratsam, den für Bayern völlig neuen Weg der Strategie des Bildungsdialoges vor Ort fortzusetzen."

  3. "Die Mittelschule als Hauptschule eröffnet unseren Schülern mit der vertieften Berufsorientierung den Weg zum Beruf", argumentiert der Minister. Dabei bleiben die Schüler in der Regel bis zur 8. Jahrgangsstufe in ihrem Klassenverband an ihrem Standort. Die Schüler entscheiden sich in der 8. Jahrgangsstufe - wie bisher - für einen der drei Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales. Wie bisher können alle Zweige an jedem Standort durch entsprechende Organisation angeboten werden: Mehrzügige Hauptschulen schaffen das immer, aber auch einzügige Hauptschulen können das wie bisher anbieten, wenn sie z.B. entsprechende Gruppen bilden oder jahr- gangsstufenübergreifenden Unterricht vorsehen. Ruhpolding und Mamming sind Beispiele einzügiger Hauptschulen, die schon bisher alle drei Wahlpflichtbereiche (künftig Zweige) anbieten und so den Schülern den Verbleib an ihrem Standort ermöglichen."

  4. "Insbesondere kleine einzügige Hauptschulen können nicht das gesamte pädagogische Angebot, etwa M-Zug oder Ganztageszug, vor- halten. Deshalb mussten Schüler solcher Standorte, die dies wahr- nehmen wollten, schon bisher fahren. Im Schulverbund soll allen Schülern der Zugang zum gesamten Bildungsangebot der Mittelschule eröffnet werden. Dazu ist wie bisher ein gewisses Maß an Fahrauf- kommen notwendig. Von einer übermässigen Mehrung der Schülerver- kehre kann deshalb nicht die Rede sein. Insbesondere wenn man die Tatsache mitberücksichtigt, dass Realschüler und Gymnasiasten ab der 5. Klasse in ländlichen Räumen täglich fahren."

  5. "Wir wollen möglichst viele Hauptschulstandorte möglichst lange erhalten", so Kultusminister Spaenle. Das sei angesichts des demo- graphischen Wandels und dem damit verbundenen Rückgang der Schüler- zahl die größte Herausforderung für die Hauptschule. Der weiter- entwickelte "eigenverantwortete Schulverbund" mit erweiterten Ent- scheidungsbefugnissen ist ein wirksames Instrument, um kleine Hauptschulen als Standorte zu erhalten. Der Kultusminister stellt unmißverständlich klar: "Eine Mindestzahl von 300 Schülern als Genehmigungsvoraussetzung für einen Schulverbund gibt es nicht". Gerade kleine, etwa einzügige Hauptschulen können als dauerhaft selbständige Schulen in einem Schulverbund bestehen und sich zur Mittelschule weiterentwickeln.

  6. Die Mitwirkung kleinerer Schulen in einem Schulverbund eröffnet deutlich mehr Bildungsgerechtigkeit. Mehr Schüler gerade im länd- lichen Raum können auf diese Weise in den Genuss weiterführender Bildungsangebote, z.B. Möglichkeit zum Mittleren Abschluss oder Ganztagesbetreuung, kommen.

Mit unserem Konzept zur Hauptschule nehmen wir die Kompetenz und Erfahrungen der Schulen und der Schulaufwandsträger vor Ort, gerade im ländlichen Raum, auf und bringen sie über die Dialogforen und handlungskompetente Schulverbünde in vollem Umfang mit ein", so Kultusminister Spaenle.


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