Schutz

Kinder in Not brauchen in der Krise besondere Unterstützung

„Wir machen uns große Sorgen. Die Schulschließungen verstärken bestehende Notlagen. Da müssen wir gerade alle mehr denn je gemeinsam hinsehen – und die Politik zum Handeln bringen. Kinderschutz muss eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein“, fordert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE).

24.03.2020 Bundesweit Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)
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Ökonomische Notlage

Fakt: Von den 8,3 Millionen Schülerinnen und Schülern sind 2,4 Millionen von Armut und sozialer Abgrenzung bedroht, 1,5 Millionen erhalten Leistungen des Staates. Beckmann kommentiert: „Teilweise haben Eltern nicht genügend Geld, damit zuhause digitale Endgeräte und Internet bereitgestellt werden können. Helfen könnte die Bereitstellung von Leihgeräten durch den Staat, die sich über das Mobilfunknetz mit dem Internet verbinden können. Die Kosten hierfür müssten ebenfalls staatlich getragen werden.“ 

Förderbedarf

Fakt: Über eine halbe Million Kinder haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf, insbesondere Lernen (knapp 200.000), und mit je knapp 100.000 Fällen gibt es Kinder mit dem Förderbedarf „emotional-soziale Entwicklung“ und „geistigen Entwicklung“. Beckmann kommentiert: „Die selbstständige Bearbeitung von Arbeitsmaterialien, nur mit der Unterstützung durch ihre Eltern, ist für diese Schülerinnen und Schüler deutlich schwieriger zu bewerkstelligen. Zudem brauchen insbesondere Kinder mit den Förderschwerpunkten „emotional-soziale Entwicklung“ und „geistigen Entwicklung“ feste Strukturen und Ansprechpartner. Hier sind die Eltern gefordert – könnten aber auch schnell an ihre eigenen Grenzen gelangen, insbesondere wenn zusätzlich Homeoffice zu leisten ist.“ 

Kindeswohlgefährdung 

Fakt: Es gibt jährlich etwas über 150.000 Verfahren zur Einschätzung der Kindeswohlgefährdung. Bei einem Drittel wird festgestellt, dass es eine gibt (~50.500 Kindeswohlgefährdungen) und bei einem weiteren Drittel, dass es zwar keine Gefährdung gibt, aber weiterer Hilfebedarf besteht. Zudem waren 2018 knapp 15.000 Kinder von sexueller Gewalt betroffen; das sind 40 Fälle am Tag – die zur Anzeige gebracht werden („Hellfeld“). 

Beckmann kommentiert: „Schon im ‚normalen‘ Leben erleiden viele Kinder Gewalt in ihrem häuslichen Umfeld. In einer Situation, die aufgrund der Enge und Ungewissheit für alle Stress bedeutet, ist leider davon auszugehen, dass die Zahl der betroffenen Kinder sogar noch zunimmt. Jugendämter müssen daher in die Lage versetzt werden, schnell und unbürokratisch zu helfen. Zudem sollten die Telefonangebote der „Nummer gegen Kummer“ und der Telefonseelsorgen finanziell so ausgestaltet werden, dass der wachsende Bedarf bewältigt werden kann. Dafür braucht es mehr Geld vom Bund, aber auch Spenden und ehrenamtliches Engagement können helfen.“


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