Kleine Klassen oder besser ausgebildete Lehrer?
(bikl) Große Klassen fördern Störfaktoren und beeinflussen den Lernprozess stark negativ, so analysiert der Mathematiker und Fachdidaktiker Fritz Haselbeck heute in der Süddeutschen Zeitung. Kürzlich noch hatte der Leiter der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU, Professor Wilfried Bos, während des Lehrerkongresses auf der Frankfurter Buchmesse erklärt: „Kleinere Klassen bringen nichts.“
26.10.2006 ArtikelIm Rahmen seiner Untersuchung hatte der Passauer Pädagoge Haselbeck 800 Schüler und 400 Lehrer der Hauptschule befragt. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärte er dazu, seine Resultate zeigten, dass große Klassen den Lernprozess stark negativ beeinflussten. Es gebe deutlich mehr und massivere Störfaktoren, außerdem seien die Schüler unkonzentrierter. „In Klassen mit mehr als 30 Kindern leidet auch das soziale Klima enorm“, so Hasselbeck gegenüber der SZ.
In großen Klassen würden Schüler häufiger ermahnt, Lehrer drohten ihnen und würden öfter Strafarbeiten vereiteln. „Das macht Lehrer wie Schüler auf Dauer unzufrieden und kann deren Beziehung dauerhaft schädigen“.
Demgegenüber würde die Lernmotivation in kleinen Klassen gesteigert und das Miteinander gestärkt. Die Lernatmosphäre sei schlicht entspannter, so der Pädagoge. Seine Forderung: Angesichts der veränderten Lernbedingungen und vielseitigen Belastungen der Lehrer und Schüler müsste die Klassenobergrenze bei 25 Schülern liegen.
Bos hingegen hatte argumentiert, dass es wichtiger sei, die Professionalität der Lehrer vorantreiben und mehr Förderlehrer einzustellen.
Weiterführende Links
- Interview in der Süddeutschen Zeitung
- Link zur Studie Haselbeck (.doc)
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