Kommunale Landesverbände begrüßen die innovative Konzeption der Werkrealschule
"Die Werkrealschule ist überzeugend im Land angekommen. Ich freue mich sehr, dass die innovative Konzeption schon nach der ersten Antragsrunde an so vielen Standorten umgesetzt werden kann. Ich möchte mich bei allen herzlich bedanken, die sich vor Ort in den kommunalen Gremien mit großem Engagement für die Werkrealschule eingesetzt haben", sagte Kultusministerin Marion Schick am Montag (19. April) anlässlich der gemeinsamen Landespressekonferenz mit den kommunalen Landesverbänden zum Abschluss des Antragsverfahrens für Werkrealschulen.
19.04.2010 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergIm Schuljahr 2010/11 werden landesweit 525 Werkrealschulen an den Start gehen. Somit hat die Werkrealschule vom Start weg mehr Standorte als die Realschulen (427) und Gymnasien (377). 119 Werkrealschulen wurden genehmigt, die sich auf mehrere Standorte verteilten. Diese wurden durch Kooperationsvereinbarungen der kommunalen Schulträger ermöglicht. In diesem ersten Antragsverfahren gingen insgesamt 575 Anträge bei den Schulverwaltungen ein. Neben den Werkrealschulen bleiben im kommenden Schuljahr weiterhin 402 Hauptschulen erhalten. "Für die nächste Antragsrunde zum kommenden Schuljahr ist es mir wichtig, überall dort, wo trotz großer Mühen bisher noch keine Werkrealschule gegründet werden konnte, aktiv nach wohnortnahen Lösungen zu suchen und den Schulträgern Unterstützung zu signalisieren", betonte die Ministerin mit Blick auf die wenigen so genannten weißen Flecken auf der Werkrealschullandkarte. Hierbei müssen die Schulwege der Schülerinnen und Schüler beachtet werden, die nicht länger sein sollen als zu anderen weiterführenden Schulen.
"Es schmerzt jeden Bürgermeister und jeden Gemeinderat, wenn er eine so geschätzte Einrichtung wie die Hauptschule in seiner Stadt oder Gemeinde mangels Schülerzahlen schließen muss. Die sehr stark rückläufigen Hauptschülerzahlen lassen vielerorts aber keine andere Entscheidung zu – auch mit Blick auf die sich an der Kapazitätsgrenze bewegenden Realschulen und Gymnasien. Mit der Werkrealschule haben Land und Kommunen gemeinsam eine innovative und zukunftsweisende Antwort auf diese Herausforderung gefunden", sagte der Präsident des baden-württembergischen Städtetages Ivo Gönner. Nun mehr gelte es, praktische Erfahrungen mit der neuen Schulform zu sammeln und auf dieser Grundlage über eine sinnvolle Weiterentwicklung von Hauptschule Werkrealschule und Realschule zu diskutieren.
Aus der Sicht des Gemeindetags ist die neue Werkrealschule ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer besseren Ausbildung der Jugendlichen in Baden-Württemberg und eine Bereicherung der kommunalen Bildungslandschaft. Eine der Stärken unseres Landes sind die gleichwertigen Lebensbedingungen in allen Landesteilen, in großen Städten ebenso wie im ländlichen Raum. Diesen Vorteil, der Baden-Württemberg so attraktiv macht, muss auch im Bereich Bildung aufrechterhalten werden. Deshalb sieht der Gemeindetag Baden-Württemberg einen dringenden Optimierungsbedarf des Werkrealschulkonzepts. "Wir setzen uns dafür ein, dass keine Raumschaften übrig bleiben, in denen Schülerinnen und Schülern ihre zukünftigen Berufschancen verbaut werden, weil es in ihrer näheren Umgebung keine Werkrealschule gibt. Solche weißen Flecken in der Schullandschaft sind nicht im Sinne der Kommunen, für die ein ausgewogenes Bildungsangebot ein wichtiger Standortfaktor ist. Sie sind noch weniger im Sinne der Eltern und Kinder, die berechtigt gleiche Chancen auf Bildung fordern. Und sie sind zweifellos auch nicht im Sinne unseres ganzen Bundeslandes, dessen Kapital auch in Zukunft gut ausgebildete Fachkräfte sein werden", resümiert Roger Kehle, Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg. Der Gemeindetag begrüßt deshalb die Entscheidung der Kultusministerin, Werkrealschülern eine zumutbare Entfernung zu ihrer Schule zu ermöglichen, die sich am Schulweg zur Realschule orientieren soll.
Weitere konkrete Vorschläge, wie eine lückenlose Werkrealschullandschaft entstehen kann, hat der Gemeindetag ebenfalls bereits ausgearbeitet: "Kleinere Schulen sollten für eine Übergangszeit von drei Jahren durch eine flexiblere Auslegung der Schülermindestzahl eine Chance bekommen, sich zu beweisen", so der Vorschlag von Kehle. Dabei sollten die Rückkehrerzahlen an die Werkrealschule berücksichtigt werden, genauso wie eine veränderte Übergangsquote für die neue Schulart.
"Die Landkreise als Träger der beruflichen Schulen befürworten grundsätzlich die Neukonzeption der Werkrealschule, insbesondere aufgrund der stärkeren beruflichen Profilbildung in Klasse 10 der Werkrealschule über die Kooperation mit dem ersten Jahr der zweijährigen Berufsfachschule", so Landrat Guido Wolf MdL, Landkreis Tuttlingen, Vizepräsident des Landkreistags. Da das Antragsverfahren nun abgeschlossen sei, können bezüglich der Schülerströme absehbar belastbare Daten erhoben werden. Auf dieser Grundlage müssen dann die zu erwartenden steigenden Schülerströme zu einer Aufstockung der FAG-Zuweisungen führen. Angesichts des heute schon bei knapp 35 Millionen Euro jährlich liegenden landesweiten Defizits der Landkreise in der Schülerbeförderungskostenerstattung sei ein bereits absehbarer weiterer Anstieg des Abmangels nicht verkraftbar. "Wir haben dankbar registriert, dass die Landesregierung 2008 im Rahmen der Qualitätsoffensive Bildung eine Erhöhung der Landesmittel für Schülerbeförderungskosten in Aussicht gestellt hat", so Landrat Guido Wolf MdL weiter.
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