Hamburg

Kostenlose Lernförderung gut gestartet: 7.689 Schüler an 280 Schulen profitieren schon jetzt

Schulsenator Ties Rabe stellte heute eine erste Bilanz der kostenlosen Nachhilfe an Hamburgs Schulen vor. Ties Rabe: "Die kostenlose Nachhilfe ist gut gestartet, bereits jetzt profitieren 7.689 Schülerinnen und Schüler an 280 der 299 befragten staatlichen Grundschulen, Stadtteilschulen, Gymnasien und Sonderschulen von dieser bundesweit einmaligen Förderung.

15.12.2011 Pressemeldung Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB)

Mehr als ein Drittel davon kommen aus sozial benachteiligten Familien. Ich freue mich, dass mit über 90% vor allem die Kernfächer Deutsch, Mathematik und Englisch unterrichtet werden, denn hier ist der Nutzen für die Schüler am höchsten. Unsere kostenlose Lernförderung eröffnet leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern neue Chancen und entlastet gleichzeitig ihre Familien."

Senator Rabe hatte im Mai entschieden, die Mittel aus dem Programm "Fördern statt Wiederholen" und dem Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung auf insgesamt bis zu 7,8 Mio. Euro pro Jahr aufzustocken. So soll - für die betroffenen Kinder und Familien unbürokratisch - eine kostenlose Nachhilfe für leistungsschwache Schülerinnen und Schüler ermöglicht werden. Hamburg ist bislang das einzige Bundesland mit dieser Förderung.

Ties Rabe: "Das neue Angebot hat viele Vorteile. Leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler werden professionell gefördert und können so Leistungsrückstände aufholen. Das Angebot findet direkt in der Schule statt, ist qualitativ hochwertig und kostenlos. Das erspart Eltern und Kindern viele Sorgen, erhebliche Kosten und die sonst üblichen Laufereien. Mein besonderes Lob gilt den Schulen und Kollegien, die die Lernförderung so schnell und in so großem Umfang umgesetzt haben."

Eine erste Bilanz an Hamburgs Schulen erbrachte folgende Ergebnisse:

  • Schulen: Von 299 im November 2011 abgefragten staatlichen Schulen bieten zurzeit 280 entsprechende Nachhilfekurse an: alle 56 befragten Gymnasien, 45 der 48 befragten Stadtteilschulen, 164 der 173 befragten Grundschulen, 15 der 22 befragten Sonderschulen. 93,7 Prozent der befragten Schulen hatten damit einen Monat nach dem Start der Reform bereits ein entsprechendes Angebot.

  • Schüler: Insgesamt erhalten an diesen Schulen 7.689 Schülerinnen und Schüler Lernförderung (rund 5,4% aller Schülerinnen und Schüler). Davon hatten 2.541 Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Familien Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabe-Paket des Bundes (BuT). Damit wurden zu 33% Schüler aus sozial benachteiligten Familien gefördert. Überdurchschnittlich hoch ist der Anteil dieser Schüler in der Grundschule (rund 48%). Tatsächlich kann der Anteil der BuT-Empfänger noch höher liegen, da zum Zeitpunkt der Erhebung eine Reihe von Sorgeberechtigten ihre Leistungsbescheinigungen noch nicht vorgelegt hatten.

  • Kurse: Insgesamt werden in diesen Schulen zurzeit 3.941 Kurse angeboten, davon 1.563 an Grundschulen (durchschnittlich 10 pro Schule), 1.192 an Stadtteilschulen (durchschnittlich 26 Kurse pro Schule), 1.119 an Gymnasien (durchschnittlich 20 pro Schule) und 67 an Sonderschulen (durchschnittlich 4 pro Schule).

  • Kursgrößen: 60% der Kurse hatten weniger als 5 Schüler (v.a. an Grundschulen), 32% zwischen 5 und 10 Schüler und nur 8% hatten mehr als 10 Schüler (v.a. an Gymnasien).
  • Inhalte: 79% der Kurse dienten der Förderung von fachlichen Kompetenzen, 21% von überfachlichen Kompetenzen (z.B. "Lernen lernen").
  • Fächer: Fast 92% der Kurse wurden in Kernfächern gegeben: 40% Mathematik, 38,8% Deutsch, 12,9% Englisch.
  • Jahrgangsstufen: Im Schnitt wurden von Klasse 1 bis 10 rund 5,4% der Schülerinnen und Schüler gefördert. Besonders stark ausgeprägt ist die Förderung in Klasse 3 und 4 (7,8% bzw. 8,4%), sowie in Klasse 7 und 8 (6% bzw. 6,8%). Weniger gefördert wird in den Eingangsklassen 1 und 5.
  • Kursleiter: Über alle Schulformen sind 61% der Kurse von Honorarkräften, 31% von Lehrkräften und 8% von gewerbliche Anbietern durchgeführt worden - mit Unterschiede zwischen den Schulformen: Während an Grundschulen der Anteil von Honorarkräften etwas höher ist (66%), haben die Gymnasien einen etwas höheren Anteil Lehrkräfte eingesetzt (44%), und bei den Stadtteilschulen ist der Anteil der gewerblichen Anbieter etwas höher als an den anderen Schulformen (27%). Viele Stadtteilschulen befinden sich aufgrund von Schulfusionen oder Änderung der Schulform (ehemalige GHR-Schulen und Aufbaugymnasien) noch in Umbauprozessen, so dass zunächst auf die weniger aufwändige Abwicklung der Nachhilfe durch externe Anbieter gesetzt wurde.
  • Honorarkräfte: Beim Einsatz von Honorarkräften setzten die Schulen zu 34% auf Studierende, 18% auf ältere Schüler/-innen, 9% auf pensionierte Lehrkräfte und 39% andere Honorarkräfte (z.B. Eltern, Lehrer ohne Anstellung, Lerntherapeuten, Uni-Absolventen, andere Pensionäre).

Hintergrund

Das Verfahren ist durch § 45 des Hamburgischen Schulgesetzes bestimmt. Danach entscheidet die Zeugniskonferenz zwei Mal im Schuljahr, bei Bedarf auch öfter, über den Förderbedarf eines Schülers oder einer Schülerin. In einer schriftlichen Lernvereinbarung der Schule mit Schülerinnen und Schülern und Erziehungsberechtigten werden Art, Umfang, Beginn und Ende des Förderunterrichts festgelegt. Dieser Beschluss ist Voraussetzung für die Teilnahme an der Lernförderung. Voraussetzungen und Details der Förderung regelt die im September in Kraft getretene Lernförder-Verordnung (VO-BF).

Die Schulbehörde hatte nach den Herbstferien klare, verständliche und nutzerfreundliche Formulare für die Einstellung von Honorarkräften im Bereich der ergänzenden Lernförderung vorgelegt. Bis Anfang Januar folgt eine Ergänzung durch entsprechende Vertragsformulare für Honorarkräfte in anderen Tätigkeitsbereichen an Schulen, z.B. für Ganztagsangebote.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden