"Kürzungen konterkarieren Förderpläne"
In einer an den Bayerischen Landtag gerichteten Petition protestiert der Landesvorstand des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) heftig gegen die im Doppelhaushalt 2007/08 vorgesehenen Stellenstreichungen an Schulen.
05.11.2006 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.Nach Informationen des BLLV sollen über 3,5 Prozent aller Planstellen an öffentlichen Grund- und Hauptschulen – rund 1.600 Stellen - dem Rotstift zum Opfer fallen. "Die Kürzungen sind für den BLLV völlig unakzeptabel", erklärte BLLV-Präsident Albin Dannhäuser. "Alle Stellen, die aufgrund rückläufiger Schülerzahlen oder organisatorischer Maßnahmen fiktiv frei werden, müssen erhalten werden, um Schüler endlich angemessen fördern zu können. Die Staatsregierung steht außerdem in der Pflicht, den Schulen die Stellen wieder zurückzugeben, die sie seit 1988 ukzessive gestrichen hat. "In der Summe sind es bis heute 4884 eingesparte Planstellen", erinnerte Dannhäuser. Seit damals wurde permanent an Stellen und Stunden gekürzt, erhöht wurde lediglich die Arbeitszeit der Lehrerschaft - in den vergangenen zehn Jahren dreimal. "Die Schulen leiden immer noch unter dem 1988 eingeleiteten Kahlschlag. Die Kürzung weiterer Lehrerstellen würde die Förderpläne des Kultusministeriums konterkarieren."
"Inzwischen fehlt dem BLLV jedes Verständnis für Kürzungen von Planstellen", heißt es in der einstimmig verabschiedeten Petition. Die darin aufgeführte Män-gelliste des BLLV ist lang:
- zu geringe Möglichkeiten der Sprachförderung an Grundschulen,
- unzureichende personelle Ausstattung jahrgangskombinierter Klassen,
- zu wenig Personal für Schulsozialarbeit,
- zu geringes Angebot an Ganztagsklassen,
- unzureichende Ausstattung bestehender Ganztagsklassen,
- ein zu hoher Teil Jugendlicher, die die Schule ohne Abschluss verlassen
- zu wenig Leitungszeit für Schulleiterinnen und Schulleiter
"Der BLLV hält fest, dass im sechsten Jahr nach der Veröffentlichung der Pisa-Studie die Probleme an den bayerischen Schulen noch immer eklatant sind", kritisierte Dannhäuser. Auch Pädagogen, die an Kindertagesstätten arbeiten, klagen. Sie haben es mit zu großen Gruppen und zu wenig Personal zu tun. "Die individuelle und gezielte Förderung bayerischer Kinder und Jugendlicher ist im-mer noch mehr Wunsch als Wirklichkeit", stellte Dannhäuser fest. Der BLLV fragt sich, wie die Absicht der Bayerischen Staatsregierung, insbesondere an den Hauptschulen mehr in die Förderung zu investieren, in Einklang zu bringen ist, mit der geplanten Streichung von 1660 Planstellen. "Eine Förderung aller Kinder und Jugendlichen auf hohem Niveau erfordert alle diese Planstellen", stellt die Petition klar.
Seit 1988 ist die Schülerzahl in Bayern gestiegen. Mittlerweile sind sie an Grund- und Hauptschulen zwar wieder rückläufig. Trotzdem wird die Zahl der Schüler im Schuljahr 2008/09 noch immer über der Zahl von 1988 liegen: 1988 hatten die Volksschulen 716.178 Schülerinnen und Schüler, nach aktueller BLLV-Prognose werden es im Schuljahr 2008/09 immer noch 739.300 Schüler sein. Das sind 23.122 Schülerinnen und Schüler oder 3,2 Prozent mehr als 1988. Die Zahl der Planstellen an Grund- und Hauptschulen lag 1988 in Bayern bei 41.768. Im Haushaltsjahr 2006 beträgt sie 41.554 Planstellen. Gegenüber 1988 ist die Zahl der Planstellen an Volksschulen somit nach derzeitigem Stand um 214 Planstellen reduziert worden, obwohl die Schülerzahlen gestiegen sind. "Ei-ne weitere Reduktion um zusätzliche 1660 Planstellen im nächsten Doppelhaus-halt ist bei weiterhin höheren Schülerzahlen nicht zu verantworten", lautet es in der BLLV-Petition.
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