Kultusminister Helmut Rau bedauert gezielte Verunsicherung der Eltern: Alle Gymnasiasten in Baden-Württemberg lernen Englisch
Im Jahr 2001 kündigte die damalige Kultusministerin Schavan an, dass in Klasse 5 Französisch neben Englisch fortgeführt werde. Dabei war unstrittig, entlang der Rheinschiene Französisch als erste Fremdsprache in der Klasse 5 beizubehalten.
16.01.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergDies wurde eindeutig gegenüber den Schulen, dem Landeselternbeirat und dem Landesschulbeirat festgestellt. Kultusminister Helmut Rau bedauert in diesem Zusammenhang die gezielte Verunsicherung der Eltern. „Die Befürchtungen, dass Kinder von der Welt- und Wissenschaftssprache abgehängt werden, sind nicht nachvollziehbar. Jeder Gymnasiast entlang der Rheinschiene erlernt Englisch als weitere Fremdsprache.“ Da Französisch als die schwierigere Sprache gelte, könne man durchaus behaupten, „dass Kinder und Jugendliche entlang der Rheinschiene mit Grundschulfremdsprache Französisch und dessen Fortsetzung in den weiterführenden Schulen im Vorteil sind". Ziel des Kultusministeriums sei außerdem die Mehrsprachigkeit der jungen Generation. Diese schließe eine vorrangige Ausrichtung auf Englisch aus.
Rückmeldungen zu Französisch als Grundschulfremdsprache entlang der Rheinschiene haben ergeben, dass die Kinder mit viel Freude und Lerneifer bei der Sache sind. Auch die Lehrkräfte der Grundschulen bewerten den Unterricht positiv. Die Grundschulfremdsprache Französisch konnte an das Begegnungsprogramm "Lerne die Sprache des Nachbarn" anknüpfen, das 1984 an den Grundschulen mit Französischangeboten ab Klasse 3 und 4 gestartet war. Diesem Programm hatten 95 Prozent aller dortigen Grundschulen angeschlossen.
Französisch-Kenntnisse eröffnen außerdem zusätzliche Chancen in einem zunehmend grenzüberschreitenden Lehrstellen- und Arbeitsmarkt entlang der Rheinschiene und stärken die kulturellen Beziehungen und Kontakte links und rechts des Rheins. Badische Kinder sind durch die Sprachenfolge Französisch-Englisch deshalb nicht benachteiligt. Französisch in der Grundschule erleichtert den Kindern vielmehr den Weg in die Mehrsprachigkeit.
Bei Umzügen von der Rheinschiene in den württembergischen Landesteil (mit Grundschulfremdsprache Englisch) entstehen den Kindern bzw. Jugendlichen keine Nachteile. Schulwechsel sind individuelle Prozesse, die pädagogisch begleitet werden müssen, zum Beispiel durch individuell gestaltete Nachlernprogramme und Nachlernfristen.
Hintergrund-Informationen für die Redaktionen:
Französisch ist erste Fremdsprache an den Gymnasien entlang der Rheinschiene als Fortführung der Grundschulfremdsprache. Der Anschluss an Englisch ist gewährleistet, da Englisch in der Klasse 5 bzw. spätestens zu Beginn von Klasse 6 als zweite Fremdsprache hinzukommen kann. Wird Latein als zweite Fremdsprache gewählt, kommt Englisch spätestens ab Klasse 7 hinzu. Es gibt eine Ausnahmeregelung für die humanistischen Gymnasien entlang der Rheinschiene. Diese können ab Klasse 5 Latein in Kombination mit Englisch anbieten. Als weitere Sprache ist Griechisch zu lernen.
An den Realschulen entlang der Rheinschiene kann Französisch ab Klasse 5 angeboten werden. An elf Standorten ist dies der Fall. Wenn Französisch ab Klasse 5 gelernt wird, muss Englisch ab Klasse 7 belegt werden. Für Schülerinnen und Schüler, die ab Klasse 5 zunächst Englisch lernen, aber ab Klasse 7 Französisch weiterführen möchten, gibt es so genannte Brückenkurse (2-stündig), die gewährleisten sollen, dass es einen Anschluss gibt und die Französisch-Kenntnisse aus der Grundschule weiterentwickelt werden können.
An den Hauptschulen entlang der Rheinschiene ist ab Klasse 5 Englisch verpflichtend. Hauptschüler, die in der Grundschule als erste Fremdsprache Französisch gelernt haben, können ergänzend zu ihrer Pflichtfremdsprache Englisch einen freiwilligen, dreistündigen französischen Zusatzunterricht besuchen. Dieser wird bis zu den jeweiligen Abschlüssen der Haupt- und Werkrealschulen geführt und geprüft. Wurde Französisch in der Grundschule gelernt, ist das Interesse, Französisch fortzusetzen, hoch. 48 Prozent der Hauptschülerinnen und Hauptschüler der Pilotregionen besuchen den französischen Zusatzunterricht. Für den freiwilligen, neuen französischen Zusatzunterricht in der Hauptschule wurden passende Unterrichts- und Organisationsstrukturen erprobt. Im Schuljahr 2005/06 wurden entlang der Rheinschiene erstmalig 53 Hauptschulstandorte eingerichtet und 111 Lehrkräfte fortgebildet.
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