Kultusminister Helmut Rau weist Vorschlag zur Sprachenabfolge an Gymnasien zurück

Kultusminister Helmut Rau MdL hat den Vorschlag des Vorsitzenden der FDP/DVP-Fraktion im baden-württembergischen Landtag, Dr. Ulrich Noll, eine Wahlfreiheit der Eltern für die erste Pflichtfremdsprache an den Gymnasien im ganzen Land einzuführen, zurückgewiesen. "Der nach Einschätzung der FDP ´praktikable´ Vorschlag wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet", so Rau.

22.03.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Rau weiter: "Zunächst werden die humanistischen Gymnasien die FDP zu Recht fragen, wieso Latein künftig erst ab Klasse 8 möglich sein soll." Wenn, wie an humanistischen Gymnasien derzeit möglich, Latein und Englisch ab Klasse 5 geführt werden, müsste Französisch daneben in Klasse 5 zweistündig und ab Klasse 6 mindestens dreistündig als Kernfach unterrichtet werden. Das sei hoffentlich nicht das Ziel der FDP, sagte Rau. Die generelle Einordnung von Latein als dritter Fremdsprache entspräche keineswegs dem Stellenwert von Latein und auch nicht den Wünschen der Eltern.

Sodann müsse die FDP allen Gymnasien im Land eine Antwort auf die Frage geben, wie das von ihr vorgeschlagene Wahlrecht der Eltern umgesetzt werden soll. Bisher können die Eltern zwischen den verschiedenen Profilen der Schulen und unter den an der jeweiligen Schule angebotenen Sprachenfolgen wählen, aber sich nicht individuell eine Sprachenfolge aussuchen. Dies mit gutem Grund, denn die Sprachenfolgen könnte an den Schulen je nach individuellem Wahlverhalten der Eltern von Schuljahr zu Schuljahr wechseln - mit gravierenden Konsequenzen beispielsweise für die jährlich neu vorzunehmende Lehrerzuweisung. "Angesichts der unüberwindbaren schulorganisatorischen Probleme von einem ´praktikablem Vorschlag´ zu sprechen, zeugt nicht gerade von vertiefter Kenntnis darüber, wie Schule funktioniert", so Rau der Presse gegenüber.

"Mir selbst und wahrscheinlich auch dem Finanzminister drängt sich die Frage auf, woher die 310 zusätzlichen Deputate kommen sollen, die der Vorschlag bei einer zusätzlichen Sprachenfolge an den 376 Gymnasien im Land erfordern würde. Wie sich jährliche Mehrkosten von über 15 Millionen Euro mit dem auch von der FDP angestrebten Ziel der Nullverschuldung vertragen, ist mir schleierhaft", so der Kultusminister. Auch aus grundlegender pädagogischer Sicht sei ein solch erheblicher Ressourceneinsatz nicht zu rechtfertigen. "Der Vorschlag der FDP ist nicht finanzierbar, unpraktikabel und vernachlässigt die lateinische Sprache", erklärte Rau zusammenfassend.


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