Kultusminister Schneider besucht Hauptschule an der Eduard-Spranger-Straße: "Praxisklasse eröffnet neue Perspektiven"

"Die frühe und individuelle Förderung unserer Schülerinnen und Schüler liegt mir seit jeher ganz besonders am Herzen. Dies gilt auch für das Angebot der Praxisklasse, das sich an Jugendliche richtet, die in Regelklassen der Hauptschule nicht zum gewünschten Erfolg kamen. Es eröffnet ihnen die Chance, durch intensive Unterstützung doch noch ihren Weg in eine berufliche Zukunft zu finden", unterstrich Kultusminister Schneider heute bei seinem Besuch der Praxisklasse in der Hauptschule an der Eduard-Spranger-Straße in München.

21.06.2005 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Die Praxisklasse ist ein Modell der Förderung von Schülerinnen und Schülern der Hauptschule, die im letzten Jahr ihres neunjährigen Schulbesuchs stehen und bei denen große Lern- und Leistungsrückstände feststellbar sind. Durch eine spezifische Förderung können sie zu einer positiven Lern- und Arbeitshaltung geführt und durch die Kooperation mit der Wirtschaft und mit Betrieben, die den Jugendlichen Praktika ermöglichen, in das Berufsleben begleitet werden.

"Die Praxisklasse hat sich als Erfolgsmodell bewährt, da sie den Jugendlichen neue Perspektiven eröffnet", so der Minister. Die Erfahrungen zeigten, dass die jungen Menschen in diesen Gruppen häufig wieder für das Lernen und Arbeiten gewonnen werden können. Im laufenden Schuljahr gibt es in Bayern knapp 100 solcher Praxisklassen. Erstmals eingerichtet wurden Praxisklassen im Schuljahr 1999/2000. Bereits im ersten Jahr wurden rund 40% der Schülerinnen und Schüler, die die damals 30 Praxisklassen besuchten, unmittelbar anschließend in ein Ausbildungsverhältnis übernommen.

Besonderes Merkmal der Praxisklasse sind die Praxistage. In einem Umfang von 8 Wochenstunden werden sie je nach den Gegebenheiten vor Ort regelmäßig an einem Wochentag oder im Block durchgeführt. Dabei erwerben die Schülerinnen und Schüler unter Anleitung eines Ausbilders handwerklich-praktische Grundfertigkeiten in verschiedenen Bereichen. Zusätzlich werden sie von einem Sozialpädagogen und einem Klassenlehrer betreut. "Der Unterricht konzentriert sich auf die Behebung von Lerndefiziten und die Festigung der Grundkenntnisse vor allem in den Kernfächern. Die Unterrichtsinhalte werden in besonderer Weise auf die Bedürfnisse der Schüler abgestimmt und eng mit der Praxis verzahnt. Der Besuch der Praxisklasse ist freiwillig, Voraussetzung ist außerdem die Zustimmung der Eltern", so der Minister.

Angesichts der angespannten Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt zeigte Schneider bei seinem Besuch der Hauptschule an der Eduard-Spranger-Straße großes Verständnis für die Sorgen und Nöte der 16 Schülerinnen und Schüler, von denen bislang nur drei einen Ausbildungsvertrag abschließen konnten. "Aufstehen müsst ihr selbst, aber es gibt viele, die euch dabei helfen", ermutigte Schneider die Jugendlichen. Auch nach der Entlassung aus der Hauptschule stehen für Schülerinnen und Schüler verschiedene Möglichkeiten einer intensiven Förderung bereit. Für diejenigen, die einen Ausbildungsplatz erhalten, werden ausbildungsbegleitende Hilfen angeboten, für diejenigen, die keinen Ausbildungsplatz finden, gibt es verschiedene Maßnahmen der Arbeitsverwaltung oder eigene Lerngruppen im Berufsvorbereitungsjahr an der Berufsschule.

Entscheidend sei es, sich auf das Lesen, Schreiben und Rechnen zu konzentrieren, so Schneider. "Außerdem gehört natürlich dazu, dass man bei einem Bewerbungsgespräch die Hände aus den Hosentaschen nimmt und sich einem möglichen Arbeitgeber gegenüber angemessen ausdrückt", betonte der Minister, der den Schülerinnen und Schülern anriet, bei der Stellensuche auch auf Höflichkeit und gute Umgangsformen zu setzen. Beeindruckt zeigte sich der Kultusminister bei dem Besuch einer Mathematikstunde vor allem von der Motivation der Praxisklasse: "Wenn man sich bewusst macht, dass ein großer Teil dieser Jugendlichen den Schulbesuch im letzten Schuljahr fast gänzlich verweigert hat, ist das ein großartiger Erfolg".

Schneider dankte vor allem auch den Lehrkräften, die in den Praxisklassen unterrichten: "Ohne das große Engagement der Lehrkräfte, das oft weit über das hinausreicht, was man von ihnen erwarten kann, könnte das Modell der Praxisklasse längst nicht das leisten, was es heute tut. Viele knüpfen in ihrer Freizeit Kontakte zu Betrieben und potentiellen Arbeitgebern, um ihre Schützlinge in einen Ausbildungsvertrag zu bringen", stellte der Minister fest.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden