Kultusstaatssekretär Bernd Sibler würdigt die Erfolge, die Geschichts- und Sozialkundelehrer bei der Weitergabe von Informationen an Schülerinnen und Schüler erzielen

"Ich bin sehr froh, dass die bayerischen Schüler das Unrechtsregime der SED und der Staatssicherheit auch 20 Jahre nach dem Fall der Mauer richtig einschätzen." Dies betonte Bayerns Kultusstaatssekretär Bernd Sibler in München anlässlich der Präsentation der Publikation "Soziales Paradies oder Stasi-Staat? Das DDR-Bild von Schülern – ein Ost-West-Vergleich" heute in Berlin. Die Publikation, die von dem Direktor der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, Dr. Peter März, mit herausgegeben wird, wurde von dem Berliner Politikwissenschaftler Prof. Dr. Klaus Schroeder und seiner Mit-Autorin Dr. Monika Deutz-Schroeder verfasst.

25.07.2008 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

"Ich freue mich auch darüber, dass die bayerischen Schüler über deutlich mehr Kenntnisse über die DDR verfügen als ihre Mitschüler aus anderen untersuchten Ländern", ergänzte der Kultusstaatssekretär. "Dies ist auch ein Ergebnis der guten Arbeit, die Geschichts- und Sozialkundelehrer bei der Weitergabe von Informationen an Schülerinnen und Schüler erbringen", würdigte Sibler das Engagement der Lehrkräfte des Freistaats. Es sei ihnen gelungen, das freiheitlich-demokratische und plurale System der Bundesrepublik als das bessere System zu vermitteln. "Trotz der guten Ergebnisse für Bayerns Schüler müssen wir mit allen Mitteln die Erziehung zur Demokratie und die Aufklärung über Diktaturen fortsetzen", betonte Bernd Sibler mit Blick auf die Zukunft. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung diene den Schülern auch als "Folie für die Einordnung der DDR", verwies er auf ein wichtiges Ergebnis der Studie. Mehr als drei Viertel der bayerischen Schüler bevorzugen es für sich, in Freiheit zu leben anstatt von einem Staat eine vermeintliche Rundum-Versorgung zu erfahren. Die soziale Gerechtigkeit sehen zwei Drittel von ihnen in der Bundesrepublik besser verwirklicht als jemals in der DDR. 79 Prozent der bayerischen Schüler hatten ein negatives Bild von der DDR. Lediglich bei der Einschätzung der Sozialpolitik hätten die bayerischen Schüler der DDR ein positives oder neutrales Bild zugeordnet. Dagegen lehnen rund 57 Prozent der bayerischen Schüler die staatlich gelenkte Wirtschaftspolitik der DDR als ungeeignet zur Versorgung der Menschen ab. Zwar bedauerte Sibler, dass das Wissen über die DDR noch ausgeprägter sein könne. Aber er begrüßte die Feststellung der Politikwissenschaftler aus Berlin, dass die Schülerinnen und Schüler aus Bayern das breiteste Faktenwissen über die DDR nachgewiesen hätten und dass sie bei steigendem Faktenwissen über die DDR umso nachdrücklicher die Parteidiktatur der SED ablehnten.

Zufrieden zeigte sich Bernd Sibler darüber, dass die beiden Wissenschaftler die bayerischen Lehrpläne als "besser" als die in den anderen Ländern eingestuft hatten. Diese hätten das Grundgesetz und die Bayerische Verfassung mit deren klarem Werteprofil als Maßstab für die Bewertung angelegt. Die Autoren hatten festgestellt: "Bayern ist auch das einzige unter den von uns untersuchten Ländern, in dem die repressiven Dimensionen der DDR in den Lehrplänen ausdrücklich Erwähnung finden".

In Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg hatten die Schüler nach der Studie oft verharmlosende Vorstellungen von dem Staat jenseits der Mauer. In Brandenburg und Ost-Berlin hätte nur ein gutes Drittel der befragten Schüler gewusst, dass es in der DDR keine demokratischen Wahlen gab. Auch die Funktion der Stasi als Instrument, um das SED-Regime zu stützen, werde von den meisten Schülern dort verkannt.

Klaus Schroeder und seine Mit-Autorin Monika Deutz-Schroeder hatten für die Studie "Soziales Paradies oder Stasi-Staat?" von Herbst 2005 bis Frühjahr 2007 mehr als 5200 Schüler in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Berlin nach ihrem DDR-Bild befragt. Sie hatten darüber hinaus das DDR-Bild in den Lehrplänen und ausgewählten Schulbüchern verglichen.

Literaturhinweis: Monika Deutz-Schroeder und Klaus Schroeder: Soziales Paradies oder Stasi-Staat? Das DDR-Bild von Schülern – ein Ost-West-Vergleich, Verlag Ernst Vögel, Stamsried 2008, 762 Seiten. Das Buch kann als broschierte Sonderauflage von Multiplikatoren der politischen Bildung über die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit bezogen werden (s. Bezugsbedingungen der Landeszentrale unter www.politische-bildung-bayern.de).


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