Landesregierung lässt Hauptschulen im Stich

Offenbar bleibt das Anfang Mai angekündigte 10-Millionen-Programm für die Hauptschulen in der Schublade. "Das Kultusministerium blockiert nicht nur jede Diskussion über neue integrative Schulformen, sondern speist wohl erneut die Kinder, deren Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer an den Hauptschulen mit leeren Versprechen ab. Nur ein kleiner Teil der versprochenen 925 Stellen soll im September an die Schulen kommen", sagte am Donnerstag (14.06.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die GEW verlangt, dass Oettinger und Rau ihre Zusagen einhalten.

15.06.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Der GEW liegen Informationen vor, dass die geplante Senkung des Klassenteilers von 33 auf 28 im Arbeitskreis Schulpolitik der CDU-Fraktion abgelehnt wurde. Auch für die spezielle Förderung in Deutsch und Mathematik und den flächendeckenden Ausbau des Praxiszugs sollen offenbar weniger Geld als von Oettinger und Rau angekündigt ausgegeben werden. "Die CDU-Bildungspolitiker fallen ihrer eigenen Landesregierung in den Rücken und ignorieren die Situation der knapp 200.000 Schülerinnen und Schüler und ihrer Lehrkräfte an den Hauptschulen. Statt seriöser Bildungspolitik wird hier Politik für die eigenen Interessen gemacht, mit solchen Entscheidungen macht sich die CDU bildungspolitisch unglaubwürdig", sagte Dahlem. Vier der neun Mitglieder des Arbeitskreises sind Lehrer, sie unterrichten alle an Gymnasien.

Eine Senkung des Klassenteilers würde sich an 13 Prozent der Hauptschulen auswirken. Dafür wären 600 Stellen notwendig. Profitieren würden davon vor allem überfüllte Brennpunkthauptschulen in größeren Städten. Für die Erweiterung der Kontingentstundentafel um zwei Stunden in Klasse 5 und einer in Klasse 6 für die Fächer Deutsch und Mathematik würden 191 zusätzliche Stellen benötigt. Für den flächendeckenden Ausbau des Praxiszugs bis 2009/10 würden 134 Stellen gebraucht. Derzeit beteiligt sich rund ein Drittel der Schulen an einem Praxiszug, in dem Schüler/innen phasenweise in Unternehmen arbeiten.

Sofortprogramm Hauptschule – Modellschulen zulassen

Die Bildungsgewerkschaft GEW hatte schon Anfang Januar empfohlen, die 521 gesperrten Lehrerstellen im Sommer 2007 wieder zu besetzen und gezielt in ein Sofortprogramm für die Hauptschulen zu investieren. "Dies wäre ein richtiges bildungspolitisches Signal im Interesse der benachteiligten Kinder und Jugendlichen. Alle Stabilisierungsbemühungen der Landesregierung wie das Programm "Impulse Hauptschule" sind verpufft. Wer den Abwärtstrend der Hauptschule stoppen will, muss neue Wege zulassen und dieser Schulart deutlich bessere Rahmenbedingungen garantieren", so Dahlem.

Die GEW schlägt in einem Sofortprogramm für die Hauptschule unter anderem vor, den Klassenteiler zu senken, Hauptschulen vorrangig zu Ganztagsschulen auszubauen, Regionalschulen zuzulassen und Hauptschullehrer/innen wie die Pädagogen an den Realschulen zu bezahlen. "Unsere Hauptschulen sind keine schlechten Schulen, im Gegenteil. An den baden-württembergischen Hauptschulen wird unter sehr schwierigen Bedingungen von den Lehrerinnen und Lehrern eine überdurchschnittlich engagierte Arbeit geleistet. Aber nur noch 12 bis 18 Prozent der Lehramtsstudierenden wollen an die Hauptschule", so Dahlem.

Die GEW befürchtet, dass in den nächsten Jahren mindestens 300 Hauptschulen von der Schließung bedroht sind und schlägt deshalb neue integrative Gemeinschafts- oder Regionalschulen vor, die in der ersten Phase als Modellschulen gestartet werden könnten.

Übertrittsquoten - Mindestschülerzahl an 309 Schulen unterschritten

Die Übertrittsquote von der Grund- auf die Hauptschule hat im Jahr 2006 einen historischen Tiefstand von 28 Prozent erreicht. Im Schuljahr 2005/06 besuchten 194.400 Schüler/innen die 1.202 Hauptschulen in Baden-Württemberg, im Schuljahr 2012/13 sollen es nur noch 163.670 sein.

38.000 Lehrer/innen an Grund- und Hauptschulen

An den rund 1.200 Grund- und Hauptschulen arbeiten über 38.000 Lehrer/innen. Etwa 20.000 sind Hauptschullehrer/innen.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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