Nordrhein-Westfalen

Lehrerausbildung: Die Zeit ist zu knapp

Die neue Lehrerausbildung in NRW hat aus Sicht von lehrer nrw Licht und Schatten. Positiv ist zum Beispiel das Coaching. Dieser personenbezogene Ansatz kann eine Bereicherung für die Ausbildung sein – wenn denn die entsprechenden (zeitlichen) Ressourcen bereitgestellt werden.

13.05.2014 Pressemeldung lehrer nrw

"Als problematisch erweist sich in der Praxis jedoch die Verkürzung des Vorbereitungsdienstes von 24 auf 18 Monate", kritisiert Brigitte Balbach, Vorsitzende von lehrer nrw. "Das verdichtet die Arbeit enorm – sowohl für die Lehramtsanwärter als auch für die Fachleiter, die sie als Bindeglied zwischen Universität und Schule betreuen." Das fehlende halbe Jahr im Vorbereitungsdienst soll durch das neue Praxissemester an der Uni aufgefangen werden. Ob das gelingt, lässt sich derzeit nicht abschätzen, zumal viele Teilnehmer des verkürzten Vorbereitungsdienstes noch gar kein Praxissemester hatten, weil die Unis es erst ab dem kommenden Schuljahr flächendeckend anbieten können. Die zeitliche Dimension wurde bei der heutigen Pressekonferenz auch von Prof. Dr. Mareike Kunter von der Goethe-Universität Frankfurt als kritischer Faktor benannt.

Aktuell stellt sich die Situation so dar, dass die Referendare fast ohne Unterrichtspraxis an die Schulen kommen, wo sie durch die Verkürzung des Vorbereitungsdienstes schon nach kürzester Zeit in den bedarfsdeckenden Unterricht müssen. Das überfordert sehr viele. Einige Schulen sorgen deshalb eigenständig für Entlastung, zum Beispiel indem sie die angehenden Lehrkräfte nicht in vollem Umfang für den bedarfsdeckenden Unterricht einteilen und ihnen stattdessen Ausbildungslehrer zur Unterstützung an die Seite stellen. Ob sich die Situation bessert, wenn das Praxissemester flächendeckend angelaufen ist, beurteilt lehrer nrw skeptisch. Denn die Universitäten haben sich bisher nicht durch besondere Qualitäten in der Praxisanbindung hervorgetan.

"Fakt ist: Wir wollen junge Menschen darauf vorbereiten, gute Lehrkräfte zu werden. Dafür hat man uns ein halbes Jahr gestohlen. Wir können nicht die gleichen Inhalte in 25 Prozent weniger Zeit vermitteln", so Balbach. "Wir müssen noch einmal in die Diskussion um die Länge des Vorbereitungsdienstes einsteigen."

Ein gravierender Kritikpunkt bleibt die Geringschätzung der Arbeit der Fachleiter. Deren Zulage ist zwar im vergangenen Jahr auf 150 Euro pro Monat erhöht worden, doch das geht einher mit einer Verdichtung der Arbeit und einer Zunahme von Aufgaben. Resultat: Es wird immer schwieriger, Lehrkräfte für die verantwortungsvolle Fachleiter-Aufgabe zu gewinnen bzw. bei der Stange zu halten. Mittelfristig wird das die Qualität der Lehrerausbildung gefährden. lehrer nrw fordert daher ein Funktionsamt für Fachleiter im Sekundarbereich I, das im Sek II-Bereich längst selbstverständlich ist.

Siehe auch: Evaluation des neuen 18-monatigen Vorbereitungsdienstes vorgestellt

Ansprechpartner

lehrer nrw

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