Lehrerausbildung muss besser werden
(bikl/ots) Fünf Jahre nach der Veröffentlichung der ersten Pisa-Studie in Deutschland haben sich zwei Pioniere der Untersuchung besorgt über die Ausbildung der deutschen Lehrer geäußert.
29.11.2006 Artikel"Alle Fachleute sind sich einig, dass es oftmals am Handwerkszeug und an durchdachter Erfahrung fehlt, um einen anspruchsvollen, lernförderlichen Unterricht zu gestalten", sagt Jürgen Baumert, Direktor des Max Planck Instituts für Bildungsforschung in Berlin, der ZEIT. Die Lehrkräfte seien aber entscheidend für die Qualität einer Schule. Aber die Politik ginge die Reform der Lehrerausbildung nur zögerlich an.
Nach Auffassung des ehemaligen Pisa-Beauftragten der Kultusministerkonferenz, Hermann Lange, ist ein Durcheinander in der Lehrerbildung Schuld an den Missständen. "Die Kultusminister wollten Ende der neunziger Jahre das Lehramtsstudium im Anschluss an die gegebenen Strukturen praxisnäher machen. Parallel dazu gingen die Wissenschaftsminister daran, die Studiengänge mit dem Bachelor- und Masterschema grundlegend neu zu gestalten und damit Strukturprobleme der Hochschulen zu lösen. Die spezifischen Probleme der Lehramtsstudiengänge standen dabei nicht im Mittelpunkt", sagt Lange.
Schulforscher Jürgen Baumert beklagt auch, dass Lehrer in verschiedenen Bundesländern sehr unterschiedlich ausgebildet würden: "Welche Form der Ausbildung die besseren Ergebnisse bringt, ist nicht erforscht."
Gleichzeitig warnte Lange in der ZEIT vor der vorschnellen Hoffnung, Schulqualiät würde sich automatisch durch ausgebildete Junglehrer erhöhen. „Die neuen Lehrer stellen an der Schule zunächst immer die Minderheit, und die Standards werden von der Mehrheit gesetzt. Ob an den Schulen eine Wende zu besserem Unterricht gelingt, hängt davon ab, wie man die jetzigen Lehrer dafür gewinnt und qualifiziert.“
Beide Experten sehen aber nach PISA deutliche Veränderungen in der Bildunsgpolitik. Es habe ein ein fundamentaler Wandel eingesetzt, bestätigt Lange. So werde nicht mehr über Ideologien gestritten, sondern über die Lösung konkreter Probleme. „Dass heute Bayern, Brandenburg und Berlin gemeinsam Prüfungsaufgaben und Schülertests entwickeln, hätte noch vor zehn Jahren keiner für möglich gehalten. Viele machen sich gar kein Bild davon, wie kraftraubend und sinnlos die verbissenen Kämpfe zwischen SPD- und Unions-Politikern in der Kultusministerkonferenz früher waren“, so der ehemalige PISA-Beauftragte.
Auch Jürgen Baumert sieht die Kultusminister „im Großen und Ganzen“ auf dem richtigen Weg. „Sie haben sich auf das regelmäßige Überprüfen der Schülerleistungen verständigt und betreiben Bildungspolitik nicht mehr im Blindflug. Sie führen nationale Bildungsstandards ein, setzen den Schulen also bundesweit einheitliche Ziele. Dafür haben sie Geld in die Hand genommen und das Institut für die Qualitätsentwicklung im Bildungswesen gegründet, das IQB in Berlin.“ Gleichzeitig dürften Schulen selbstständiger entscheiden, mehr Ganztagsschulen würden eingerichtet, Kinder würden früher gefördert, Programme zur Leseförderung würden aufgelegt. „Das sind alles vernünftige Schritte“, lautet seine Bilanz.
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- DIE ZEIT
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