Lehrkräfte - Packesel der Bildungspolitik?!
Auf seiner Bundesvorstandssitzung am 5./6. Dezember 2014 in Münster/Westfalen übte der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) scharfe Kritik an der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte an den Schulen zahlreicher Bundesländer. Der VDR-Vorsitzende Jürgen Böhm äußerte während der Veranstaltung gegenüber der Presse: "Kultusministerien und –behörden bürden Kolleginnen und Kollegen immer neue Aufgaben auf, ohne hinreichende Unterstützungssysteme vorzuhalten oder an anderer Stelle ausreichende Entlastungsmöglichkeiten zu schaffen."
08.12.2014 Pressemeldung Verband Reale BildungDies gelte, konkretisierte Böhm an Beispielen aus der Schulpraxis, für die Mammutaufgabe der Inklusion, den rasanten medientechnischen Wandel in der Didaktik und Methodik der Unterrichtsfächer, die Individualisierung von Lernangeboten und für die weiterentwickelten Formen der Beurteilung und Bewertung schulischer Leistungen gleichermaßen. Bildungspolitisch Verantwortliche zeigten, sobald sie exekutive Verantwortung übernähmen, keinerlei Hemmungen, neue Aufgaben ohne ausreichende Rücksichtnahme auf die Rahmenbedingungen in den Schulen ungebremst an die Kolleginnen und Kollegen weiterzuleiten.
Böhm deutete in Münster den bundesweit zu beobachtenden Unmut in den Lehrerkollegien als ernst zu nehmendes Zeichen, dass Belastungsgrenzen endgültig erreicht und teilweise bereits überschritten worden seien. Von Münster geht die Warnung aus, dass gerade den Schularten der Mittleren Bildungsabschlüsse der und den differenzierten Bildungsgängen durch Gedankenlosigkeit und Praxisferne bei der Implementierung immer neuer sogenannter Reformen mit häufig ungewissen Folgen schwerer Schaden zugefügt wird. Aktuelle Entwicklungen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg untermauern diesen bedenklichen bundesweiten Trend. Gesellschaft und Wirtschaft seien zwingend darauf angewiesen, dass die vom VDR vertretenen differenzierten Schulformen mit dem Kernstück der Realschulbildung junge Menschen in eine berufliche Ausbildung oder weiterführende Schulen entließen, die den dort zu erfüllenden Anforderungen einschränkungslos gewachsen seien. Böhm schloss sein Statement mit dem Appell: "An allen Schulen müssen bundesweit den Lehrkräften dieselben Chancen und Bedingungen eingeräumt werden, wie sie oft für die politisch gewünschten integrativen Systeme künstlich geschaffen werden!"
Der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) – Verband der Lehrer und Lehrerinnen an Schulen im Sekundarbereich – ist der Dachverband der ca. 20.000 Mitglieder zählenden Lehrerverbände des Realschulwesens und verwandter Schulformen in den Bundesländern. Er setzt sich für die Förderung und Weiterentwicklung eines vielfältig organisierten Schulwesens in der Sekundarstufe I ein und widmet vor allem der bildungspolitischen Mitte, also den Mittleren Bildungsgängen und Perspektiven sowohl für den beruflichen Einstieg wie auch für studienorientierte Bildungsabschlüsse seine besondere Aufmerksamkeit. Der VDR ist Diskussionsplattform, Sprachrohr und Dienstleister für seine Landesverbände und ihre Mitglieder.
Verband Deutscher Realschullehrer (VDR), Dachauer Str. 44 a, 80335 München, Tel. 089 / 55 38 76, Fax 089 / 55 38 19,
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