Hamburg

Mehr Schüler – bessere Chancen

"Hamburgs Schülerinnen und Schüler starten mit besseren Chancen in das neue Schuljahr. Es gibt kleine Klassen, mehr Ganztagsschulen, mehr Oberstufenangebote, kostenlose Lernförderung und besseren Unterricht für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Das sind Schritte in die richtige Richtung. Weitere werden folgen", sagte Schulsenator Ties Rabe anlässlich des Schuljahresbeginns 2011/12.

09.08.2011 Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)

Rabe weiter: "Hamburgs Schulen entscheiden über die Chancen unserer Kinder und unserer Stadt. Wir brauchen deshalb bessere Schulen – aber wir müssen uns in der Schulpolitik künftig mit Augenmaß und ohne Hektik auf das Wesentliche und Machbare konzentrieren. Die Kämpfe um die Schulstruktur sind beendet. Das gibt den nötigen Spielraum, um klug zu handeln. Wir werden mehr Ganztagsschulen schaffen, denn dort lernen Kinder besser. Wir werden die Qualität im Schulsystem steigern und dazu Schule und Unterricht von innen besser machen. Wir werden Sonder- und Förderschülern bessere Chancen eröffnen durch den Besuch der allgemeinen Schulen. Wir werden die Stadtteilschule noch attraktiver machen, zum Beispiel durch eine bessere Berufsorientierung. Und wir werden Schülerinnen und Schülern bessere Chancen beim Übergang von der Schule in den Beruf eröffnen: Jeder, der nicht das Abitur macht, soll eine Berufsausbildung machen."

Mehr Ganztagsschulen

Zum neuen Schuljahr wurden insgesamt 28 neue Ganztagsschulen auf den Weg gebracht, darunter 22 Grundschulen und 6 Stadtteilschulen. Rabe: "Die Ganztagsschule löst gleich mehrere Probleme. Sie bietet zusätzliche Lern- und Freizeitangebote, sie ermöglicht soziale Kontakte und soziales Lernen und erleichtert es den Eltern, Familie und Berufstätigkeit verantwortungsvoll zu vereinbaren." Senator Rabe will deshalb in den nächsten drei Jahren alle 54 Stadtteilschulen zu Ganztagsschulen entwickeln und auch den Grundschulen neue Perspektiven eröffnen.

Bessere Unterrichtsangebote

Ties Rabe weiter: "Wir wollen durch innere Entwicklung Schule und Unterricht weiter verbessern und damit Schülern auf allen Leistungsebenen neue Chancen eröffnen. In einem ersten Schritt haben wir den Schulen 7,8 Millionen Euro für zusätzliche Lernförderung zur Verfügung gestellt. Das ist der richtige Weg, um nach Abschaffung des Sitzenbleibens die Leistung der Schüler zu verbessern. Für jede Hamburger Schulklasse von Klasse 1 bis 13 können wöchentlich zwei zusätzliche Förderstunden erteilt werden. Die Schulen werden jetzt zügig die entsprechenden Angebote aufbauen. Im kommenden Schuljahr wollen wir weitere Vorschläge zur Steigerung der Schul- und Unterrichtsqualität entwickeln."

Neue Chancen für Schüler/-innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf

Seit dem Schuljahr 2010/11 können Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf die allgemeinen Schulen besuchen. Dieses neue Angebot wird unerwartet stark angenommen. Im Schuljahr 2011/12 stieg die Zahl der inklusiv beschulten Kinder und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Jahrgängen 1 und 5 erneut an. Waren es im letzten Schuljahr in beiden Jahrgängen zusammen noch 746 Schülerinnen und Schüler, so sind es nun zusammen 1.139 Kinder im neuen Jahrgang 1 und 5. An insgesamt 204 Schulen (Zunahme um 45 Schulen) werden Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf inklusiv beschult (135 Grundschulen, 52 Stadtteilschulen, 17 Gymnasien).

Ties Rabe: "Damit die allgemeinen Schulen auf diesen Ansturm besser vorbereitet sind, habe ich zum neuen Schuljahr 4,8 Millionen Euro für 108 weitere Sozialpädagogen und Erzieher bereitgestellt. Mit dieser zusätzlichen Förderung liegen Hamburgs Schüler nach wie vor weit über dem Bundesdurchschnitt. Im nächsten Jahr werden wir uns um die große Aufgabe kümmern, die vier unterschiedlichen Fördersysteme an Hamburgs Schulen zu einem neuen Förderkonzept zusammenzufassen und endlich eine tragfähige Grundlage für die Inklusion zu schaffen."

Grundlagen für Hamburgs Schulen geschaffen

Rabe betonte, dass die neue Regierung in den vergangenen vier Monaten die Grundlagen des Hamburger Schulsystems neu legen musste. Rabe: "Mit dem Volksentscheid im Juli 2010 hatten zentrale Bereiche des Schulwesens ihre Gültigkeit verloren: die Stundentafel (regelt die Zahl der Unterrichtsstunden pro Fach und Jahrgang), die Bildungspläne (regeln die Ziele und Inhalte des Unterrichts) und die Ausbildungs- und Prüfungsordnung (regelt Noten und Zeugnisse). Leider hatten es die Vorgängerregierungen versäumt, diese dringenden Aufgaben zu erledigen. Deshalb mussten diese umfangreichen Aufgaben unter hohem Zeitdruck erledigt werden. Ich bin froh, dass uns das gelungen ist und Hamburgs Schulen jetzt wieder eine klare Grundlage haben. Wir haben bei der Überarbeitung eine Reihe von Änderungen vorgenommen mit dem Ziel, den Deutsch- und Mathematikunterricht in der Grundschule zu stärken und an den weiterführenden Schulen das bisherige Notensystem zu bewahren und nicht zugunsten neuer Punktesysteme abzuschaffen."

Mehr Schüler, kleinere Klassen

Auffällig: Anders als in fast allen anderen Bundesländern steigen Hamburgs Schülerzahlen. Zum Schuljahresbeginn meldeten sich in allen Schulformen insgesamt rund 2.500 Schülerinnen und Schüler mehr an als im Vorjahr (+ 1,1%). Das gilt besonders für die Vorschule (+ 1.500 oder 23%), die 1. Klassen (+900 oder 6%) und die 5. Klassen der Stadteilschule (+ 1.200 oder 22%). Hamburgs Schulklassen werden trotzdem weiter zügig verkleinert:

1. Klassen (Sozialindex 1-2): 18,4 Schüler/-innen pro Klasse (Vorjahr: 18,6)

1. Klassen (Sozialindex 3-6): 21,6 Schüler/innen (Vorjahr 22,0)

1. Klassen (ohne Berücksichtigung der Sozialindices): 20,5 (Vorjahr 20,7)

5. Klassen Gymnasium : 27,6 Schüler/-innen (Vorjahr: 26,4)

5. Klassen Stadtteilschulen: 23,1 Schüler/innen (Vorjahr: 24,1)

Aufgrund der nochmals gestiegenen Anmeldezahlen zum Gymnasium (+ 1%) steigt die Klassenfrequenz der 5. Klassen dort leicht an.

Mehr Schüler/-innen an ihren Wunschschulen

97,2% der Schüler/-innen konnten an der Grundschule ihrer Wahl angenommen werden (Vorjahr 95,0%). Bei den Gymnasien konnten 98,1% an ihrer Wunschschule aufgenommen werden (96,8%), bei den Stadtteilschulen 93,3% (Vorjahr 93,2%). Schulsenator Rabe: "Wenn im Schnitt 96% aller Schülerinnen und Schüler an die Schule ihres Erstwunsches kommen, ist das ein hervorragendes Ergebnis".

Herausforderungen beim Schulbau

Besondere Herausforderungen stellen sich beim Schulbau. Senator Rabe: "Mehr Schüler, kleinere Klassen und eine Konzentration der Schüler auf die größeren Schulen führen zu einem erheblichen Baubedarf. Allein die Verkleinerung der Schulklassen schafft perspektivisch in Hamburg 200 bis 240 zusätzliche Klassen, das entspricht ungefähr der Größe von 13-15 kompletten Schulen. Neue Ganztagsschulen, der Wechsel von Sonderschülern an die allgemeinen Schulen und die Auflösung vieler früherer Haupt- und Realschulen verschärft die Probleme, weil die Schülerzahlen in kleinen Schulen abnehmen und in großen Schulen zunehmen. Schulbau dauert mindestens drei Jahre, so dass wir für eine Übergangszeit an vielen Stellen mobile Klassenräume aufstellen müssen."

Aufgaben für das kommende Schuljahr

Im kommenden Schuljahr will Senator Rabe zentrale Reformvorhaben umsetzen: Eine Qualitätsoffensive für Unterricht und Schule, mehr Ganztagsschulen, ein neues Konzept zur Integration von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf, Verbesserungen für die Stadtteilschulen und eine Jugendberufsagentur zur Verbesserung des Übergangs von der Schule in den Beruf. Darüber hinaus soll ein neuer Schulentwicklungsplan erstellt werden, um Hamburgs Schulen eine sichere Perspektive zu geben.


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