Mehr Zeit für Musik und Kunst an Schulen

Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, hält eine Aufwertung der künstlerisch-ästhetischen Erziehung an allen Schulen für dringend erforderlich. "Das Unterrichtsfach Musik soll nicht länger Wahlfach, sondern für alle Schüler/innen verpflichtend sein", erklärte er heute in München. Wenzel bemängelte, dass im Schulalltag viel zu oft die Musikstunden ausfallen, vor allem dann, wenn aufgrund von Lehrermangel die Aufrechterhaltung der Unterrichtsversorgung schwierig wird und Stunden gestrichen werden müssen. "Über den Stellenwert des Musikunterrichts ist damit eigentlich schon alles gesagt."

03.06.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Er verlangte außerdem, dem Fach Musik in der Lehrerbildung größere Bedeutung zu geben: "An den Schulen gibt es zu wenig Experten, die mit hoher Kompetenz Musikunterricht erteilen können." Generell sei der Bereich der künstlerisch-ästhetischen Erziehung "unterentwickelt" und führe ein "Schattendasein." "Das muss anders werden. Wir können es uns nicht leisten, kreatives Potential junger Menschen brach liegen zu lassen." Modellversuche wie z. B. "Chorklassen an Grundschulen" - es wurde kürzlich vom Kultusministerium vorgestellt - verdienen Anerkennung. Allerdings kommen nur sehr wenige Kinder in den Genuss - in diesem Fall derzeit nur zwei Grundschulklassen in Schwaben.

Studien von Neurowissenschaftlern und Psychologen zeigen, dass sich Musik sehr positiv auf Emotion, Intellekt und Sozialverhalten auswirkt. "Es gibt Hinweise darauf, dass Kinder, die gemeinsam und spielerisch Musik machen, besser miteinander auskommen", so Wenzel. In Auswertungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung wird vom "Mozart-Effekt" gesprochen, wonach bei musizierenden Kindern in Mathematik und Deutsch bessere Noten zu erwarten sind. Wenzel: "Kinder lernen, Unerwartetes und Nichtgewohntes zu akzeptieren sowie Widersprüche gelten zu lassen, sie üben Ausdauer und Konzentration und sie lernen, auf andere Rücksicht zu nehmen. Das wiederum kann dazu beitragen, Vorurteile abzubauen - im Zeitalter der Globalisierung unerlässlich. Unbestritten ist Musik nicht nur bereichernd, sondern auch in hohem Maße fördernd. Deshalb ist dem künstlerisch-ästhetischen Bereich an Schulen generell ein höherer Stellenwert einzuräumen."

"Die Entwicklung kreativer und selbstbestimmter Verhaltensweisen ist angesichts der Veränderungen moderner Lebens- und Arbeitswelten wichtiger denn je", betonte Wenzel. "Um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können, müssen junge Menschen Lernbereitschaft, Offenheit und geistige Wendigkeit mitbringen. Die Schülerinnen und Schüler brauchen daher frühzeitig Möglichkeiten, ihr eigenes Kreativitätspotential zu entdecken und ausleben zu können. In den Fächern Kunsterziehung, Sport- oder Musik können solche Fähigkeiten trainiert und geschult werden."

"Bildung ist umfassend und klammert den künstlerisch-ästhetischen Aspekt nicht aus. Die Schulen sind jedoch mehr und mehr dazu gezwungen, gerade ihn zur Privatangelegenheit zu erklären, weil es keine Zeit oder kein Personal für entsprechende Angebote gibt. Das ist eine unbefriedigende Situation, die wir uns nicht länger leisten können." Wenzel forderte Verbesserungen in der Musikausbildung sowie verbesserte Fortbildungsangebote. "Lehrerinnen und Lehrer werden nur entweder in Kunst, Musik oder Sport ausgebildet, ansonsten werden lediglich Basiskompetenzen vermittelt. Erforderlich ist aber, dass angehende Pädagogen Möglichkeiten vorfinden, in allen drei Fächern auf hohem Niveau unterrichten zu können." Er sprach sich zudem für die Schaffung entsprechender Anreize aus, um mehr qualifiziertes Fachpersonal für die Schulen zu gewinnen.

"Das Hauptproblem, das Pädagogen an Schulen haben, ist aber der Mangel an Zeit. Bei überquellenden Lehrplänen und extrem hohem Leistungs- und Prüfungsdruck werden Fächer wie Musik, Kunst und Sport eher ´geopfert´ als Mathematik oder Deutsch."


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