Bayerischer Lehrerverband

Mit Aktionismus werden Probleme nicht gelöst

Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, hält die erneut aufflammende Diskussion um ein acht- oder neunjähriges Gymnasium für nicht Ziel führend. "Jetzt wird wieder eine quantitative Diskussion geführt, anstatt die dringend erforderliche qualitative", sagte er heute in München.

15.04.2013 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Solange das Kultusministerium keine grundlegende Reform des missglückten G8 wagt, sei die Gefahr zudem groß, dass die Debatte aus dem Ruder laufe. Er warf dem Kultusminister vor, mit allen Korrekturen am G8 lediglich aktionistisch zu agieren und zielsicher die wesentlichen Fragen auszuklammern. Der BLLV fordert eine ehrliche Bestandsaufnahme der tatsächlichen Probleme. "Es darf nicht sein, dass während eines Landtagswahlkampfes Tatsachen geschaffen werden, die zu Lasten der Lehrer und der Schüler gehen." Das sei keine sinnvolle Reformpolitik.

Vom "Flexibilisierungsjahr" hält Wenzel nichts: "Es handelt sich hier um einen weiteren ´Rettungsversuch´, der zum Scheitern verurteilt ist. Ich vermute, dass es kaum beansprucht werden wird." Vielmehr sei eher damit zu rechnen, dass das Flexibilisierungsjahr noch mehr Unruhe an den Schulen auslöse. "Auch die Belastung der Lehrerschaft wird sich weiter erhöhen."

Dem bayerischen Gymnasium könne nur geholfen werden, wenn es sich für tiefgreifende Reformen öffnen dürfe. "Dazu gehört u. a. eine Neudefinition des überholten Lern- und Leistungsverständnisses und ernst zu nehmende Maßnahmen für mehr individuelle Förderung aller Schüler. Beides lässt sich aus dem Sammelsurium der kürzlich vorgestellten Ideen des Kultusministeriums nicht erkennen." Immerhin erkenne der Kultusminister an, dass die Schülerschaft an den Gymnasien deutlich heterogener geworden sei und er entsprechend darauf reagieren müsse - "nur leider gehen die bislang vorgestellten Maßnahmen am Kern vorbei." Solange Begriffe wie "Förderdiagnostik", "Diagnosekompetenz" oder "Frühwarnsystem" nur als inhaltsleere Worthülsen ohne klares Konzept und ohne Ressourcen zur Umsetzung in die Diskussion eingebracht werden würden, solange werde noch mehr Verwirrung gestiftet. Der BLLV-Präsident appellierte an Spaenle, auch die deutlichen Worte der bayerischen Schülerschaft nicht zu überhören. "Sie haben sich heute mit einer Pressemitteilung sehr ablehnend zum Flexibilisierungsjahr geäußert. Ihre Argumente müssen ernst genommen und nicht einfach übergangen werden."


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