Bayern

Mittelschulen brauchen Hilfe und keinen Honig

"Lehrerinnen und Lehrer an Mittelschulen haben es satt, dass ihnen ständig auf die Schultern geklopft und Honig ums Maul geschmiert wird. Sie brauchen keine verwirrenden Zahlen, sondern mehr Lehrerstunden, kleine Gruppen und viel Zeit für individuelle Förderung". Mit dieser kritischen Aussage hat der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, auf die von Kultusminister Spaenle in dieser Woche dargestellten Zahlen zur aktuellen Schüler und Absolventenprognose vom Mai 2012 reagiert.

18.05.2012 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Zu behaupten, die Mittelschule wäre wieder gefragt und die Schülerzahlen würden steigen, ist nicht korrekt", erklärte Wenzel heute in München. Hier werde ein Bild gezeichnet, das mit der Realität nicht übereinstimmt. Von einer Trendwende für die bayerischen Mittelschulen könne leider nicht die Rede sein. Vielmehr werde mit seit Jahren nach unten korrigierten Prognosen ein falscher Eindruck erweckt, der weder Schülern und Eltern noch den Lehrerinnen und Lehrern helfe.

"Wer genau hinschaut, erkennt, dass die Statistiker des Kultusministeriums beim Erstellen von Prognosen die Schülerzahlen an Hauptschulen seit Jahren nach unten korrigieren", sagte Wenzel. "Zunächst gehen sie von einer unrealistisch niedrig angesetzten zu erwartenden Schülerzahl aus, um dann die tatsächlich höhere Quote als schulpolitischen Erfolg darzustellen." So habe das Kultusministerium innerhalb von zwei Jahren die eigenen Prognosen zur Entwicklung der Schülerzahlen an Haupt- bzw. Mittelschulen um 9.600 reduziert. "Deshalb konnte die faktische Zahl um 5.600 Schüler über der aktuellen Prognose liegen."

Fakt sei, so der BLLV-Präsident, dass die Übertrittsquote in Haupt- bzw. Mittelschulen im Jahr 2008 in Jahrgangstufe 5 noch bei 37,7% lag und in den Folgejahren kontinuierlich gesunken ist. Für das Schuljahr 2011/12 wurde sie mit 31,8% prognostiziert, faktisch lag sie bei 32,6%. Sie hat damit also um mehr als 5% abgenommen. Der demografische Schülerrückgang ist bei diesen Berechnungen bereits berücksichtigt. In absoluten Zahlen bedeutet dies, im Schuljahr 2008/09 besuchten 47.600 Schüler die Jahrgangsstufe 5 der Hauptschulen, 2011/12 waren es noch 38.400; 9200 Schüler weniger (etwa minus 20%).

Außer Acht gelassen würden bei den fragwürdigen Darstellungen des Ministeriums auch Faktoren wie die Entwicklung der Schülerzahlen in Bayern insgesamt oder etwa die Frage, wie viele Schüler von Realschulen und Gymnasien auf Haupt- bzw. Mittelschule in Jahrgangsstufe 6 bis 9 zurückgekehrt seien oder wie sich Wiederholerzahlen entwickelten. Wenzel kritisierte die Vorgehensweise des Ministeriums: "Hier wird der Eindruck erweckt, die Mittelschule würde von Eltern und Schüler überraschend gut angenommen und akzeptiert werden - das ist aber nicht der Fall. Was Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern benötigen, sind genügend personelle und finanzielle Ressourcen, damit alle Jugendlichen die Schule mit einem attraktiven Schulabschluss verlassen können."


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