Modellprojekt "Mehr Selbstständigkeit für Schulen" belegt: Stärkung der Einzelschule führt zu mehr Qualität

Das Bildungsministerium und die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern ziehen eine positive Bilanz des Modellprojekts "Mehr Selbstständigkeit für Schulen". Die Selbstständigkeit verbessert Unterrichtsqualität, erhöht die Arbeitszufriedenheit der Lehrer und steigert ihre Leistungsbereitschaft, das sind einige der Ergebnisse aus dem Modellvorhaben, das drei Jahre lang an 20 Schulen des Landes durchgeführt wurde.

27.06.2007 Mecklenburg-Vorpommern Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung Mecklenburg-Vorpommern

Dieses Modellprojekt ist auf Initiative des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur im Schuljahr 2004/05 und dem Landesinstitut für Schule und Ausbildung gestartet. Wissenschaftlich begleitet wurde es von der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Der Arbeitgeberverband NORDMETALL hat dazu ein Weiterbildungsprogramm für die Schulleiter der Modellschulen finanziert, das vom Bildungswerk der Wirtschaft durchgeführt wurde. Innerhalb des Projektes hatten die Schulen vier Arbeitsfelder auszugestalten:

  • Unterrichtsorganisation/-gestaltung
  • Personalmanagement
  • Mittelbewirtschaftung
  • Partnerschaften.

Folgende Ergebnisse lassen sich bilanzieren:

Ergebnisse bei der Unterrichtsorganisation/-gestaltung

Die Schulen haben sich jeweils ein Konzept für die Unterrichtsentwicklung erarbeitet und dabei Schwerpunkte gesetzt. Der Unterricht konnte dadurch nachweislich verbessert werden. Vor allem auch dadurch, dass die Stärken der Schüler gefunden und gefördert sowie die Schwächen abgebaut wurden. Lehrer arbeiten im Team jahrgangs- und fächerübergreifend erfolgreicher und zufriedener zusammen.

Ergebnisse auf dem Arbeitsfeld Personalmanagement

Die Schulleiter tragen erhöhte Verantwortung im Bereich Führung und Management in ihrer Schule. In Mitarbeitergesprächen werden mit einzelnen Lehrern Aufgaben und Fortbildungsmaßnahmen abgestimmt und Schwerpunkte in der Unterrichtsentwicklung besprochen. Gegenseitige Hospitationen dienen zum Austausch und liefern Impulse für Veränderungen im Unterricht. Die Schulleiter haben unter Einbeziehung des örtlichen Personalrates den Beschäftigungsumfang der Lehrkräfte festgelegt und Arbeitsverträge abgeschlossen.

Ergebnisse auf dem Arbeitsfeld Mittelbewirtschaftung

Die Möglichkeiten einer selbstständigen Mittelbewirtschaftung werden vor allem in Bezug auf Lehr- und Lernmittel genutzt. Dabei haben 62 % der Schulen eine Vereinbarung mit ihren Schulträgern geschlossen, die ihnen einen selbstständigeren Umgang mit einem Schulbudget ermöglicht. Vorbildfunktion haben die Schulen im Landkreis Ludwigslust. Schüler engagieren sich hier z. B. im Gymnasium Wittenburg für ein ökonomisches Heizen. Gesparte Kosten kommen wiederum der Schule zugute.

Ergebnisse auf dem Arbeitsfeld inner- und außerschulische Partnerschaften

Die 20 Schulen setzen verstärkt auf Kooperationen mit außerschulischen Partnern und begreifen Partizipation als Potenzial zur Schulgestaltung. Das Angebot in der Schule kann durch Bindung vieler Vereine, Stiftungen, Unternehmen breiter, aber auch qualitativ hochwertig gestaltet werden.

Fortbildung

Mehr Selbstständigkeit in Schulen stellt erweiterte Anforderungen an den Schulleiter. Er wird zum Manager, der neben dem Unterricht auch eine erweiterte Verantwortung für seine Lehrer hat. Auf diese Aufgaben wurden die Schulleiter in einem Fortbildungsprogramm vorbereitet. Dieses Fortbildungsprogramm hat das Bildungswerk der Wirtschaft M-V e.V. durchgeführt und wurde dabei von NORDMETALL mit rund 300 000 Euro finanziell unterstützt.

Die Lehrer- und Schülerbefragungen über die Wirkung der eingeleiteten Maßnahmen nehmen noch einen längeren Zeitraum in Anspruch. Derzeit wird die zweite Lehrer- und Schülerbefragung ausgewertet, eine dritte Erhebung ist für das Jahr 2009 vorgesehen. Diese Dauerbeobachtung der Schulentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern soll helfen, die Erfahrungen als selbstständige Schulen in die Breite zu tragen.

Insgesamt bewertet Bildungsminister Henry Tesch dieses Modellprojekt als einen Erfolg: "Es ist eine Schulkultur entstanden, die durch Eigenverantwortung, Partizipation und Vertrauen zwischen Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schüler, Eltern und Erziehungsberechtigen und Partnern in der Region geprägt sind. Diese Form der Kooperation ist eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Schule. Ich danke allen Lehrerinnen und Lehrern in den Modellschulen für ihre vielfältigen Aktivitäten, die nur durch ein besonderes Engagement erfolgreich umgesetzt werden konnten. Sie alle haben damit nicht nur an den Modellschulen einen großartigen Erfolg erreicht. Sie haben auch eine Signalwirkung für das Land erzielt. Diese Erfahrungen aus dem Modellversuch gilt es nun zu verallgemeinern. Dabei ist die Stärkung der Selbständigkeit der Einzelschule das Leitbild der Schulentwicklung."

Der bisherige Partner NORDMETALL kündigte seine weitere Unterstützung an. Peter Golinski, stellvertretender Geschäftsführer Bildungspolitik bei NORDMETALL sagte: " NORDMETALL will dazu beitragen, den Unterricht an Schulen in Mecklenburg-Vorpommern zu verbessern. Die Selbstständigkeit der Schulen ist der Schlüssel dazu. Wenn Menschen auf ihre Arbeit selbst Einfluss nehmen können, dann steigt die Motivation. Und wer mehr Verantwortung übernehmen darf, der wird auch kreativer und effektiver. Das gilt in Unternehmen genauso wie in Schulen." Den 20 Modellschulen wird der Titel "Selbstständige Schule" verliehen, was auf einer Tafel am Schulgebäude ersichtlich sein wird. Sie werden ihre Selbstständigkeit künftig weiter ausbauen und ihre Erfahrungen für die Schulentwicklung im gesamten Land mit einbringen.

Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur bereitet nächste Schritte zur Einführung weiterer selbstständiger Schulen in Mecklenburg-Vorpommern für das Schuljahr 2008/2009 vor, d. h. alle Schulen des Landes sollen mehr Selbstständigkeit und größeren Gestaltungsraum erhalten. Das gestärkte eigenverantwortliche Handeln diene dem gemeinsamen Ziel, die Qualität schulischer Arbeit zu verbessern, so Minister Tesch.

Diese Vorbereitung erfolgt in zwei Stufen:

  1. Im Schuljahr 2007/08 wird allen Schulleitern eine erste Fortbildung angeboten, die sie mit den konkreten neuen Leitungsaufgaben in einer selbstständigen Schule vertraut macht.
  2. Im Schuljahr 2008/2009 beginnt parallel eine umfangreiche Schulleiter-Qualifizierung mit dem Ziel, die Kompetenzen bei Führung, Management, Beratung, Moderation in einem mehrjährigen Qualifizierungsprogramm weiterzuentwickeln.

Es wird eines der umfangreichsten Programme bei der Schulentwicklung werden, das eine Laufzeit bis zum Jahr 2012 vorsieht. Die schulorganisatorischen und finanziellen Voraussetzungen dafür werden derzeit mit allen beteiligten Partnern vorbereitet. So wird z. B. zum Schuljahr 2008/09 die Vollbeschäftigung der Schulleiter und ihrer Stellvertreter angestrebt, die derzeit entsprechend des Lehrerpersonalkonzeptes in Teilzeit arbeiten. Für diese umfangreichen Aufgaben auf dem Weg zur selbstständigen Schule sollen die Schulleitungen insgesamt gestärkt werden. Das Landesinstitut für Schule und Ausbildung L.I.S.A. wird die inhaltliche Ausbildung weiter betreuen. In den kommenden Monaten wird ein Dozentenpool zusammengestellt, zu dem insbesondere Lehrkräfte aus den Modellschulen, aber auch aus anderen innovativen Schulen gehören sollen.

Merkmale einer selbstständigen Schule im Schuljahr 2008/2009

  1. Die selbstständigen Schulen schreiben ihr Schulprogramm fort, um die Qualitätsentwicklung von Unterricht und Schule systematisch zu gestalten.
  2. Die Schulen entwickeln ihren Unterricht auf Grund gewonnener Erkenntnisse systematisch weiter. Sie entscheiden weitgehend selbst, wie gelehrt und gelernt wird. Dabei berücksichtigen sie die jeweilige schulische Situation und die besonderen Rahmenbedingungen der eigenen Schülerschaft.
  3. Sie entwickeln ein systematisches schulinternes Qualitätsmanagement und lassen sich bei ihrer Arbeit von externen Spezialisten, von Mitarbeitern des Landesinstituts und den Staatlichen Schulämtern beraten.
  4. Die erwarteten Ergebnisse schulischer Arbeit sind in Bildungsstandards formuliert. Mit Hilfe von extern gesteuerten Tests werden die Lernstände der Schülerinnen und Schüler überprüft. So gewinnen die Schulen gesicherte Erkenntnisse über die Arbeitsqualität ihrer Lehrkräfte.
  5. Die Arbeit an den Schulen wird regelmäßig durch eine externe Evaluation überprüft. Sie berichtet der Schule über die Ergebnisse. Die Schule wird beraten, wie sie ihre Ergebnisse optimieren kann.
  6. Die selbstständige Schule wird durch das zuständige Staatliche Schulamt über Ziel- und Leistungsvereinbarungen gesteuert. Auf dieser Grundlage hat die Schule Rechenschaft abzulegen - gegenüber der Schulaufsicht und den innerschulischen Gremien.
  7. Den Schulen sollen im Rahmen der Bestimmungen des Lehrerpersonalkonzepts mehr Freiräume bei Auswahl und Einsatz der Lehrkräfte gegeben werden.
  8. Die selbstständigen Schulen erhalten die Unterstützung durch das Bildungsministerium, so dass sie mit dem jeweiligen Schulträger Leistungsvereinbarungen über die selbstständigen Sachmittelbewirtschaftung abschließen können.
  9. Die Ergebnisse schulischer Arbeit werden öffentlich gemacht, damit sich alle an den Erfolgen anderer Schulen orientieren und so von den Besten lernen können.
  10. Die Entwicklung zur selbstständigen Schule wird schrittweise unter Berücksichtigung der besonderen Bedingungen jeder einzelnen Schule vollzogen.

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