Baden-Württemberg

Nach Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung: Übergänge auf Werkreal-/Hauptschulen sinken auf knapp 16 Prozent

Mit der Änderung des Schulgesetzes im Dezember 2011 ist die Grundschulempfehlung 2012 zum ersten Mal nicht mehr verbindlich gewesen. Gleichzeitig gab es mit der Einführung der neuen Schulart "Gemeinschaftsschule" an 42 Standorten und der Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasialzuges an 22 Standorten weitere Wahlmöglichkeiten beim Schulartwechsel auf weiterführende Schulen.

29.01.2013 Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Wie das Statistische Landesamt mitteilt, haben sich die bisherigen Trends bei den Übergängen unter den neuen Rahmenbedingungen weiter verstärkt: So sind nur noch 15,8 Prozent der knapp 94 800 Viertklässler1) von den Grundschulen in Baden-Württemberg zum Schuljahr 2012/13 auf eine Werkreal-/Hauptschule gewechselt; dies waren 8 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Die Übergänge auf Realschulen stiegen dagegen auf 37,1 Prozent an (Vorjahr: 34,2 Prozent) und auch die Gymnasien konnten ihre vorherrschende Stellung noch weiter ausbauen auf 43,9 Prozent (Vorjahr 40,9 Prozent). Auf die Sekundarstufe I einer Gemeinschaftsschule waren 1,7 Prozent der Viertklässler übergegangen. Weitere 1,6 Prozent der Viertklässler wechselten auf andere Schularten, wiederholten oder hatten keine Grundschulempfehlung erhalten.

Damit weicht das Übergangsverhalten stark von den im März 2012 erteilten Grundschulempfehlungen ab. Eine Empfehlung zum Besuch der Orientierungsstufe an der Werkreal-/Hauptschule hatten nämlich 25,7 Prozent der Viertklässler erhalten. 28,2 Prozent hatten eine Empfehlung zum Besuch der Orientierungsstufe an der Realschule, 45,8 Prozent am Gymnasium. 0,3 Prozent der Viertklässler hatten keine Grundschulempfehlung erhalten. Für die Gemeinschaftsschule wurde keine gesonderte Empfehlung ausgesprochen.

Im Vorjahr (März 2011) hatten 24,5 Prozent der Viertklässler eine Empfehlung für die "Werkrealschule, Hauptschule" erhalten und 24,8 Prozent für den Besuch der "Werkrealschule, Hauptschule oder Realschule". 50,4 Prozent hatten eine Empfehlung bekommen, die den Besuch des Gymnasiums ermöglicht hätte. 0,3 Prozent der Viertklässler hatten keine Empfehlung erhalten.

Fast alle Übergänger (95 Prozent) auf eine Werkreal-/Hauptschule zum Schuljahr 2012/13 hatten auch eine Empfehlung für diese Schulart. Auf eine Realschule wechselten dagegen nur 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit einer Realschul-Empfehlung. Gut 23 Prozent hatten eine Empfehlung für die Werkreal-/Hauptschule und 17 Prozent für das Gymnasium. Von den Übergängern auf ein Gymnasium hatten 89 Prozent eine entsprechende Empfehlung. 10 Prozent hatten stattdessen eine Empfehlung für die Realschule. An die Sekundarstufe der neuen Schulart Gemeinschaftsschule waren knapp 60 Prozent mit einer Empfehlung für die Werkreal-/Hauptschule, 28 Prozent mit einer Empfehlung für die Realschule und 12 Prozent mit einer Empfehlung für das Gymnasium gewechselt.

Ausländische Kinder wechselten zum Schuljahr 2012/13 wesentlich häufiger auf Realschulen und Gymnasien als in früheren Jahren. So entschieden sich von den insgesamt knapp 8 500 ausländischen Viertklässlern gut 28 Prozent für eine Werkreal-/Hauptschule, knapp 38 Prozent für eine Realschule und 30 Prozent für ein Gymnasium. Weitere 4 Prozent wechselten auf eine Gemeinschaftsschule oder eine andere Schulart, wiederholten oder hatten keine Grundschulempfehlung erhalten. Im Vorjahr (zum Schuljahr 2011/12) waren noch 48 Prozent der ausländischen Viertklässler auf eine Werkreal-/Hauptschule übergegangen, 27 Prozent auf eine Realschule und gut 23 Prozent auf ein Gymnasium. Gut 1 Prozent besuchte eine andere Schulart oder wiederholte.2)

Damit haben sich die Unterschiede beim Übergangsverhalten zwischen deutschen und ausländischen Schülern zwar spürbar verringert, es bestehen aber weiterhin deutliche Unterschiede. Denn von den rund 86 300 deutschen Viertklässlern wechselten mit knapp 15 Prozent anteilsmäßig fast nur halb so viele auf eine Werkreal-/Hauptschule wie von den ausländischen. Die Übergangsquoten auf die Realschule liegen bei deutschen und ausländischen Viertklässlern auf ähnlichem Niveau (37 bzw. knapp 38 Prozent). Zum Besuch eines Gymnasiums haben sich gut 45 Prozent der deutschen Viertklässler entschieden – der entsprechende Anteil der Ausländer beträgt 30 Prozent.

Auch zwischen den einzelnen Stadt- und Landkreisen bestehen weiterhin große Unterschiede bei den Übergangsquoten. Die Übergänge auf die Werkreal-/Hauptschulen zum Schuljahr 2012/13 streuen zwischen 5 Prozent im akademisch geprägten Stadtkreis Heidelberg und 25 Prozent im ländlichen Landkreis Rottweil. Die Realschul-Übergänge schwanken zwischen knapp 20 Prozent im akademisch geprägten Stadtkreis Freiburg und knapp 46 Prozent im mehrheitlich ländlichen Alb-Donau-Kreis. Am größten ist der Abstand zwischen den Übergangsquoten aber bei den Gymnasien: Während im überwiegend ländlichen Landkreis Waldshut gut 30 Prozent der Viertklässler auf ein Gymnasium wechselten, war der Anteil im Stadtkreis Heidelberg mit 61 Prozent etwa doppelt so hoch.

Durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung lag die Entscheidung, welche weiterführende Schule ihr Kind nach dem Besuch der vierten Klasse in Zukunft besuchen sollte, ganz bei den Eltern. Als weitere Orientierungshilfe neben eigenen Wahrnehmungen, Gesprächen mit Lehrkräften und der Grundschulempfehlung konnten die Eltern freiwillig auch am neu eingeführten, sogenannten "besonderen Beratungsverfahren" teilnehmen. Diese Beratung (und ggf. Testuntersuchungen) erfolgte durch eine speziell ausgebildete Beratungslehrkraft. Insgesamt haben rund 2 600 Eltern das Angebot wahrgenommen. In den meisten Fällen (gut 62 Prozent) hatten die zugehörigen Kinder vorher eine Grundschulempfehlung zum Besuch der Werkreal-/Hauptschule erhalten. Gut 27 Prozent der teilnehmenden Eltern hatten Kinder mit einer Grundschulempfehlung für die Realschule, stark 10 Prozent für das Gymnasium.

1) Anzahl der Viertklässler zum Zeitpunkt der Vergabe der Grundschulempfehlung 2012.
2) Vorjahr ohne Berücksichtigung der ausländischen Schüler ohne Grundschulempfehlung (nicht erhoben).

Schaubilder und Tabellen zur Meldung siehe unter www.statistik-bw.de/Pressemitt/2013027.asp


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