Studie

Nachhilfe nützt wenig

(red/pm) Nachhilfeunterricht wirkt sich kaum positiv auf die Schulnoten aus. Dies zeigt jetzt eine repräsentative Schweizer Studie. Und: Während sich bei privater Nachhilfe noch die Methodenkompetenz verbessert, verringert sich diese Kompetenz bei der institutionellen Nachhilfe.

12.09.2013 Artikel

Wie verbreitet ist Nachhilfeunterricht, und verbessert er die Noten? Um diese Fragen zu beantworten, hat ein Team um den Erziehungswissenschaftler Hans-Ulrich Grunder von der Universität Basel und der Pädagogischen Hochschule FHNW eine Erhebung bei über 10 000 Schülerinnen und Schülern der 5. bis 9. Klassen in der Deutschschweiz durchgeführt. Im Abstand von drei Monaten wurden die Noten und die Kompetenzen verglichen.

Mathe-Nachhilfe für Mädchen – Sprachen-Nachhilfe für Jungen

Von den Befragten bezogen 17 Prozent Nachhilfe. Diese Zahl ist leicht niedriger als in anderen europäischen Staaten. Dabei nutzten Mädchen häufiger Nachhilfestunden als die Jungen (19 bzw. 16 Prozent, am ausgeprägtesten in der Primarschulstufe (21 bzw. 17 Prozent)). Der Grund: Am meisten Nachhilfe wird in Mathematik (69%) erteilt. Hier sind drei Viertel der Nutzer Mädchen. In den Sprachfächern erhalten die Jungen mehr Nachhilfe.

Kinder aus ökonomisch und sozial gut gestellten Elternhäusern beanspruchen häufiger von Lerninstituten angebotene Nachhilfe. Demgegenüber beziehen Kinder, deren Familie einem tieferen sozioökonomischen Status angehört, häufiger Nachhilfe von Privatpersonen. Die institutionelle Nachhilfe kostet durchschnittlich 48 Franken pro Stunde, die private 25 Franken.

Das von den Befragten am häufigsten genannte Motiv für den Nachhilfebesuch war die Verbesserung der Noten; es folgten das erhöhte Sicherheitsgefühl, die allgemeine Leistungsförderung und der elterliche Wunsch, Nachhilfe zu belegen. Während der Nachhilfestunden bereiten sich die Befragten am meisten auf Prüfungen vor und bearbeiten Hausaufgaben. Das Bedürfnis nach Lehrstoffwiederholung mit individuell angepasstem Arbeitstempo ist verbreitet.

Die Mehrheit der Befragten gab an, ihre Leistungen hätten sich in den Nachhilfefächern verbessert. Zwar ergibt sich für die Fächer Mathematik, Deutsch und Französisch ein verbesserter Noteneffekt, doch ist dieser äußerst gering. Eine fächerübergreifende Wirkung des Nachhilfeunterrichts ist nicht festzustellen. Bei privater Nachhilfe verbessert diese Methodenkompetenz, also die Fähigkeit, überlegt an Aufgaben heranzugehen und sie methodisch strukturiert zu lösen. Bei der institutionellen Nachhilfe verringert sich diese Kompetenz.

Forderung: Mehr Ganztagsschulen

Aufgrund dieser Ergebnisse regt Hans-Ulrich Grunder an, den Status des Nachhilfeunterrichts zu überdenken. Er wäre nicht länger nötig, wenn Kinder und Jugendliche systematisch in Ganztagsschulen unterrichtet würden, wo sie die so genannten Hausaufgaben am Ende des Schultags erledigten. Dass überhaupt Nachhilfeunterricht erteilt werde, zeige, dass die Schule ihrem Auftrag, bei den Kindern Lernprozesse zu initiieren und sie zu begleiten, nicht vollumfänglich nachkomme.

H.-U. Grunder, N. Gross, A. Jäggi, M. Kunz: Nachhilfe. Eine empirische Studie zum Nachhilfeunterricht in der deutschsprachigen Schweiz. Klinkhardt-Verlag, Bad Heilbrunn 2013. 218 S.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden