Neues Zentralabitur mit 2,45 bestanden
Hamburgs Schülerinnen und Schüler haben 2014 erstmals in fast allen Fächern ein Zentralabitur geschrieben. In Deutsch, Mathematik und Englisch wurden zudem Abituraufgaben eingesetzt, die gleichzeitig in fünf anderen Bundesländern verwendet wurden.
03.09.2014 Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)Schulsenator Ties Rabe präsentierte jetzt eine Auswertung des neuen Abiturs. 9.017 Schülerinnen und Schüler haben das neue Abitur erfolgreich bewältigt, die meisten an den staatlichen Gymnasien (5.042) und Stadtteilschulen (2.508). Wie in anderen Bundesländern ist die Zahl der Abiturientinnen und Abiturienten weiter gestiegen (Vorjahr 8.592). Der Notendurchschnitt an den staatlichen Schulen ist mit 2,45 (Vorjahr 2,46) kaum verändert. Ties Rabe: "Das Abitur 2014 ist in mehrfacher Hinsicht verbessert worden. So haben wir die schriftlichen Prüfungen von Januar/Februar nach April/Mai verschoben und so den Unterrichtsausfall erheblich verringert. Mit dem neuen hamburgweiten Zentralabitur und den erstmals eingesetzten länderübergreifenden Aufgaben haben wir hohe und einheitliche Qualitätsmaßstäbe gesetzt. Diesen Weg werden wir fortsetzen, auch wenn er anstrengend ist. Das Hamburger Abitur muss zeigen, dass es im Bundesvergleich gut dasteht."
Neu: Zentrale Prüfungen in allen Fächern und gemeinsam mit fünf Bundesländern
Bis 2013 bekamen die Schülerinnen und Schüler nur in Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen hamburgweit die gleichen Abituraufgaben, in allen anderen Fächern stellte jede Schule eigene Aufgaben. Dadurch waren die Abiturprüfungen in den Schulen, ja sogar auch in einzelnen Kursen derselben Schule sehr unterschiedlich. Durch das 2014 eingeführte Zentralabitur sind die Abiturprüfungen in 27 Unterrichtsfächern in allen Hamburger Schulen erstmals gleich schwer. Zusätzlich wurden in Deutsch, Mathematik und Englisch Prüfungsteilaufgaben eingesetzt, die exakt so auch in den Abiturprüfungen in Bayern, Sachsen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern verwendet wurden. Ties Rabe: "Hamburgs Schülerinnen und Schüler haben die neuen Abituraufgaben gut bewältigt. Damit ist die Grundlage gelegt, um jetzt Schritt für Schritt das Hamburger Abitur aufzuwerten. Dazu werden wir unter anderem die Prüfungsaufgaben anderer Bundesländer analysieren und unser Abitur entsprechend weiterentwickeln."
Oberstufennoten besser als bei schriftlichen Abiturarbeiten
Die Abiturnote besteht zu zwei Dritteln aus den im Oberstufenunterricht erzielten Noten und zu einem Drittel aus den Noten der Abiturprüfung. Die Analyse der zentralen Prüfungen zeigt, dass die Noten im Oberstufenunterricht (Notendurchschnitt 2,56) durchweg besser sind als die Noten in den schriftlichen Abiturarbeiten (Notendurchschnitt 2,86). An den Gymnasien ist die Abweichung geringer (0,20 Notenabstand) als in den Stadtteilschulen (0,47 Notenabstand). Einzelne Schulen, Kurse und Fächer weisen zum Teil erhebliche Differenzen auf, andere hohe Übereinstimmungen. Selbst innerhalb einer Schule gibt es bei verschiedenen Kursen ein unterschiedliches Bild. Schulsenator Ties Rabe: "Die Analyse zeigt grundsätzlich plausible Übereinstimmungen zwischen Vornote und Abiturnote. Dennoch gibt es Hinweise, dass in einigen Schulen und Kursen die Schülerinnen und Schüler im Unterricht vermutlich zu gut bewertet wurden. Hier werden wir Gespräche mit einzelnen Schulen führen. Das Ziel ist, dass auch die Leistungen im Unterricht in allen Hamburger Schulen nach den gleichen Maßstäben bewertet wird."
Einheitliche Maßstäbe in Mathematik sicherstellen
Besonders auffällig sind die Differenzen in den Fächern Mathematik und Physik an vielen Stadtteilschulen. Gerade im Kernfach Mathematik sind die im Unterricht vergebenen Noten (Notendurchschnitt 2,73) erheblich besser als die Noten im schriftlichen Abitur (Notendurchschnitt 3,63). Ties Rabe: "Der deutliche Unterschied zwischen Vor- und Prüfungsnote zeigt, dass die Mathematiknoten im Unterricht an vielen Stadtteilschulen zu gut ausfallen. Offensichtlich haben viele Stadtteilschülerinnen und –schüler in Mathematik größere Lernrückstände. Wir werden deshalb einerseits darauf achten, dass im Mathematik-Unterricht die Noten nach einheitlichen Maßstäben vergeben werden. Die in Hamburg mehrfach nachgewiesenen Mathematik-Probleme lassen sich allerdings nur mit einer umfassenden Strategie beheben, die den gesamten Unterricht von Grund-, Mittel- und Oberstufe in den Blick nimmt. Deshalb werden wir in den nächsten Wochen mit Expertinnen und Experten sprechen und Verbesserungen für den Mathematik-Unterricht erarbeiten."
Stadtteilschulen führen viele Schülerinnen und Schüler ohne Gymnasialempfehlung zum Abitur
Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Stadtteilen oder bildungsfernen Elternhäusern schneiden in den schriftlichen Abiturprüfungen schlechter ab. Der Notendurchschnitt an Schulen in sozial benachteiligten Stadtteilen (Notendurchschnitt 3,33 an Schulen mit Sozialindex 1 oder 2) liegt deutlich unter dem Notendurchschnitt an Schulen in sozial bevorzugten Stadtteilen (Notendurchschnitt 2,63 an Schulen mit Sozialindex 5 oder 6). Dies erklärt auch, warum die Schülerinnen und Schüler der Gymnasien in den schriftlichen Abiturprüfungen grundsätzlich etwas bessere Noten (Notendurchschnitt 2,67) erzielen als die Schülerinnen und Schüler der Stadtteilschulen (Notendurchschnitt 3,16). Vergleicht man nämlich nur Gymnasien und Stadtteilschulen mit ähnlicher Sozialstruktur, so reduziert sich der Unterschied zwischen den Schulformen von 0,5 auf nur noch 0,1. Ties Rabe: "Vor diesem Hintergrund ist es eine großartige Leistung der Stadtteilschulen, dass sie viele Kinder ohne Gymnasialempfehlung so zum Abitur führen, dass sie auch die neuen zentralen Prüfungen gut bestehen."
Abiturnote nach Schule und Schulform
In den besten staatlichen Gymnasien erreichen die Abiturientinnen und Abiturienten durchschnittlich die Abiturnote 1,92 (Helene-Lange-Gymnasium), 2,08 (Gymnasium Buckhorn) und 2,10 (Charlotte-Paulsen-Gymnasium). Die Bandbreite über alle staatlichen Gymnasien liegt zwischen den Notendurchschnitten 1,92 und 2,75. An den besten staatlichen Stadtteilschulen erreichen die Abiturientinnen und Abiturienten durchschnittlich die Abiturnote 2,28 (Stadtteilschule Winterhude), 2,31 (Max-Brauer-Schule) und 2,39 (Stadtteilschule Walddörfer). Die Bandbreite liegt zwischen 2,28 und 3,13. Besonders viele Abiturienten gab es an den Gymnasien Gymnasium Grootmoor (158) und Christianeum (148) sowie an den Stadtteilschulen Goethe-Schule-Harburg (128) und Julius-Leber-Schule (125). Zum ersten Mal führten die Geschwister-Scholl-Stadtteilschule, Stadtteilschule Altrahlstedt, Stadtteilschule Oldenfelde und die Stadtteilschule Lurup Schülerinnen und Schüler zum Abitur. Entscheidend: Potenziale der Schülerinnen und Schüler fördern Schulsenator Ties Rabe: "Die Abiturnote sagt nichts über die Qualität einer Schule aus. Entscheidend ist, wie gut eine Schule das Potenzial der Schülerinnen und Schüler fördert. Eine Schule mit sehr guten Abiturnoten kann trotzdem eine schlechte Schule sein, wenn sie das Potenzial ihrer Schülerinnen und Schüler nicht ausschöpft. Umgekehrt kann eine Schule mit weniger guten Abiturnoten eine gute Schule sein, wenn sie das Potenzial ihrer Schülerinnen und Schüler optimal ausschöpft."
Die Analyse ergab auch, dass das neue Verfahren der Zweitkorrektur aller Abiturarbeiten im Endergebnis kaum Veränderungen der Noten bewirkt hat. Bis 2013 fand die Zweitkorrektur anonym an einer zweiten Schule statt, seit 2014 findet sie ohne Anonymisierung durch eine zweite Lehrkraft an der Prüfungsschule statt. Schulsenator Ties Rabe: "Beim früheren Verfahren waren die Zweitkorrekturnoten zwar im Schnitt etwas schlechter (Notenabstand Erst- und Zweitkorrektur 0,2 Notenabstand) als beim neuen Verfahren (Notenabstand 0,03). Diese größeren Differenzen wurden in der Vergangenheit aber durch die notwendigen Drittkorrekturen wieder aufgehoben, so dass das frühere Verfahren unterm Strich kaum andere Ergebnisse brachte (Differenz Erstkorrektur / Endnote altes Verfahren 0,02 Notenabstand, neues Verfahren 0,01)." Rabe: "Wir haben das neue Verfahren eingeführt, weil wir für unser gemeinsames Abitur mit Bayern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gleiche Bedingungen schaffen wollten. Auch dort findet die Zweitkorrektur an der Prüfungsschule statt."
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