Nordrhein-Westfalen

Noch viele offene Baustellen zum neuen Schuljahr

Noch eine Woche haben die Kinder in NRW Ferien – dann beginnt wieder der Schulalltag. Doch kurz vor Start des neuen Schuljahres ist nicht alles eitel Sonnenschein, sagt Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) NRW. "Die Landesregierung muss noch eine Menge tun, damit die Rahmenbedingungen für Kinder und Lehrer so sind, dass mehr Bildungsgerechtigkeit entsteht", so Beckmann.

14.08.2012 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Auf der To-Do-Liste stehen auch die Sekundarschulen, mahnt der VBE-Vorsitzende. 42 Sekundarschulen gehen an den Start, "das ist ein gutes Zeichen", so Beckmann, "aber dass die Klassengröße bei maximal 30 Schülern liegen darf, ist eine Zumutung. Für die Gemeinschaftsschule waren 25 als Höchstgrenze gesetzt – das sollte auch für Sekundarschulen gelten, alles andere ist auf Grund der besonderen Herausforderungen inakzeptabel." Die Aussage der Schulministerin, Sylvia Löhrmann, es würde noch Veränderungen geben, diese würde aber von Jahr zu Jahr entschieden, bedeutet nichts weiter als eine Aufschiebung des Problems "zu große Klassen, und zwar an allen Schulformen", macht Beckmann klar.

Außerdem müsste auch die Schulaufsicht in der Sekundarstufe I dringend neu geregelt werden: "Die Schüler der neuen Sekundarschule kommen hauptsächlich von Haupt- und Realschulen – die Schulaufsicht liegt aber bei der Gesamtschule. Diese Entscheidung ist offenbar am grünen Tisch getroffen worden – mit der Realität der schulischen Praxis hat das nichts zu tun", sagt Beckmann und fordert eine neu zu schaffende Schulaufsicht ´Sekundarstufe I`: "Die bestehende Schulaufsicht von Haupt- und Realschule sowie der zukünftigen Sekundarschule müssen zusammengefasst werden. Das ist die logische Konsequenz aus dem schrittweisen Aufgehen von Haupt- und Realschule in der Sekundarschule."

Auch die Bezahlung der Lehrer gehört im Rahmen der neuen Dienstrechtsreform endlich auf den Prüfstand. "Alle Lehrer, egal ob sie an Grundschulen oder Gymnasien arbeiten, haben zukünftig dasselbe Studium und denselben Masterabschluss als Mindestanforderung, um überhaupt lehren zu dürfen. Bezahlt werden sie aber unterschiedlich – das darf nicht sein", so Beckmann, "Bildungsgerechtigkeit gilt nicht nur für Schüler, sondern auch für Lehrer – hier muss die Landesregierung dringend nachbessern. Das Motto muss lauten: Gleiche Arbeit – gleicher Lohn!" Auch die Heraufsetzung der Verbeamtungsgrenze muss ein weiterer Schritt sein, um Gerechtigkeit im Lehrerberuf zu schaffen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die zeitnahe Umsetzung der Inklusion, des gemeinsamen Lernens von behinderten und nicht-behinderten Kindern. "Diskutable Ansätze sind da", sagt Beckmann, "allerdings sagt die Landesregierung bisher nicht, wie Inklusion genau sächlich, personell und finanziell umgesetzt werden soll. So wie es jetzt aussieht, bleiben die notwendigen Rahmenbedingungen auch bei der Umsetzung der UN-Konvention zum Schuljahr 2013/2014 ein frommer Wunsch", moniert Beckmann.

Nicht vernachlässigt werden darf für den VBE aber auch die Entwicklung der Grundschule: In den vergangenen zehn Jahren wurden NRW-weit wegen zurückgehender Schülerzahlen 321 Schulstandorte geschlossen. "Hier gilt es schnell zu handeln", stellt Beckmann klar, "Grundschulen müssen nach der Devise ´Kurze Beine – kurze Wege` weiter wohnortnah vorhanden sein." Über Teilstandorte könne man reden, aber nur als zweitbeste Lösung und wenn die Rahmenbedingungen stimmen, so der VBE-Vorsitzende: "Es muss mindestens ein Konrektor pro Teilstandort vorhanden sein, damit die Schule weitgehend eigenständig agieren kann."

"Zudem müssen zusätzlich Anreize geschaffen werden, damit offene Schulleiter-Stellen zügig besetzt werden und nicht bis zu fünf Mal ausgeschrieben werden müssen", fordert Beckmann.


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