Nordrhein-Westfalen geht neue Wege in der sonderpädagogischen Förderung

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat grünes Licht für grundsätzlich neue Wege in der sonderpädagogischen Förderung gegeben. Das Kabinett billigte Eckpunkte für eine Pilotphase zum Ausbau von Förderschulen zu Kompetenzzentren für sonderpädagogische Förderung, wie sie erstmals im Schulgesetz verankert wurden.

30.10.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

In den kommenden drei Schuljahren sollen auf Antrag von Schulträgern bis zu 20 solcher Kompetenzzentren entstehen. Wir wollen erreichen, dass Kinder früher, unbürokratischer und bedarfsgerechter gefördert werden. Deshalb sollen noch mehr Kinder als bisher möglichst wohnortnah und präventiv in allgemeinen Schulen gefördert werden," erklärte Schulministerin Barbara Sommer. Mit der zum kommenden Schuljahr beginnenden Pilotphase sollen an mehreren Standorten und mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten die Voraussetzungen für ein neues Konzept der sonderpädagogischen Förderung erarbeitet werden, das dann – sofern die Schulträger es wollen – auf ganz Nordrhein-Westfalen übertragen werden könnte. Nordrhein-Westfalen gehört mit diesem Konzept bundesweit zu den Vorreitern.

Mit dem Schulgesetz hat die Landesregierung den Schulträgern die Möglichkeit gegeben, Förderschulen zu Kompetenzzentren für sonderpädagogische Förderung auszubauen (§ 20 Abs 5 SchulG). Sie sollen die Systeme Förderschule und Gemeinsamer Unterricht in einem örtlichen oder regionalen Netzwerk von Schulen zu einem Gesamtsystem sonderpädagogischer Förderung zusammenführen. Konkret heißt das: eine Förderschule, die zum Kompetenzzentrum ausgebaut wird, soll ein breites Spektrum sonderpädagogischer Förderung – zum Beispiel den gesamten Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen (Lernen, emotionale und soziale Entwicklung, Sprache) abdecken und Schülerinnen und Schüler sowohl innerhalb des Kompetenzzentrums als auch in den mit ihm in einem festen Netzwerk verbundenen allgemeinen Schulen fördern. Dies entspricht einer langjährigen Forderung aus dem Bereich der Sonderpädagogik, welche die Landesregierung – nach intensiver fachlicher Vorerörterung – umsetzen möchte. Die Schulträger sollen möglichst auch weitere Unterstützungsangebote (z. B. Schulpsychologische Beratungsstellen, Familien- und Erziehungsberatung, medizinische Unterstützung) mit dem Kompetenzzentrum vernetzen.

Ziel dieses Konzeptes ist es auch, insbesondere im Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen, der nahezu 70 Prozent aller sonderpädagogisch geförderten Kinder und Jugendlichen ausmacht, durch frühzeitige Förderung präventiv dazu beizutragen, dass sich Unterstützungsbedarfe nicht erst zu einem sonderpädagogischen Förderbedarf verfestigen. Gerade in diesem – oftmals auch auf soziale Einflüsse zurückzuführenden Bereich der sonderpädagogischen Förderung - ist der Anteil der Schülerinnen und Schüler in den vergangen Jahren deutlich gestiegen.

Aufgrund der mit diesem Konzept verbundenen grundlegenden Änderung der sonderpädagogischen Förderung in örtlichen bzw. regionalen Kontexten sowie vieler damit zusammenhängender haushaltsrechtlicher, dienst- und personalrechtlicher sowie schulfachlicher Fragestellungen, sollen zunächst im Rahmen einer dreijährigen Pilotphase Erfahrungen in der Praxis gesammelt werden. Schulträger sollen sich um die Teilnahme an dieser Pilotphase, die zum kommenden Schuljahr 2008/2009 beginnt, bis Ende Januar bewerben. Eine Grundlage dafür bilden die heute vom Kabinett gebilligten Eckpunkte, die nun zunächst den Verbänden zur Stellungnahme übersandt werden


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