Offener Brief des Bayerischen Realschullehrerverbands an den Präsidenten des Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Klaus Wenzel
Sehr geehrter Herr Wenzel, als Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbandes (brlv) wende ich mich mit diesem Offenen Brief an Sie, um öffentlich das Missfallen der Mitglieder des Realschullehrerverbandes zu Ihren Aktivitäten auszudrücken. Ihre ständigen Negativäußerungen bringen das bayerische Schulwesen fortwährend in Misskredit.
10.07.2009 Pressemeldung Verband Reale BildungWeil Ihre Argumente immer mehr als größtenteils falsch eingestuft werden, scheuen Sie nicht davor zurück, jene persönlich zu diskreditieren, die sich für den Erhalt eines begabungsgerechten Bildungssystems einsetzen. Jüngstes Beispiel Ihrer überaus fragwürdigen Aktivitäten sind die Äußerungen in spiegel.de vom 6. Juli 2009 "Bayern lässt die Hauptschule qualvoll sterben". Darin werden Sie u. a. mit folgenden Aussagen zitiert:
"SPIEGEL ONLINE: Herr Wenzel, die Mutter aller Hauptschulen, die Hauptschule des Pisa-Primus Bayern, soll verschwinden. Was bedeutet das für Deutschlands Schulsystem? Wenzel: Manchmal stirbt eine alte Bekannte, so ist das Leben. Aber glauben Sie mir, es sind keine großen Trauerfeierlichkeiten nötig, wenn es die bayerische Hauptschule erwischt. Ich befürchte nur, dass die Staatsregierung sie nur langsam und qualvoll sterben lassen wird."
Ein Repräsentant der bayerischen Hauptschule würde besser daran tun, die Hauptschule zu stärken, als ihr Totenglöckchen zu läuten. Das erwarten eigentlich Zigtausende engagierter Lehrkräfte und Schulleiter, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern an den vielen starken und anerkannten Hauptschulen, in denen sehr gute Bildungs- und Erziehungsarbeit geleistet wird. Im Übrigen sollten Sie wissen, dass aktive Sterbehilfe in allen Bereichen ethisch verwerflich ist.
"SPIEGEL ONLINE: Warum legt Bayern die Haupt- und die Realschule eigentlich nicht gleich zusammen? Wenzel: Es gibt eine starke Realschulvertretung. Die hat zwar ein problematisches Menschenbild, weil sie die Realschule frei von Hauptschülern halten will. Diese Lobby hat aber auch viel Einfluss."
Mit Ihrer Aussage "problematisches Menschenbild" formulieren Sie einen Vorwurf an den Realschullehrerverband, den wir entschieden zurückweisen. Ferner stellen Sie durch diese Äußerung selbst fest, dass Sie trotz gegenteiliger anmaßender Behauptungen in keiner Weise die Realschule und ihre Lehrkräfte vertreten. Ansonsten würde der unhaltbare Vorwurf auf Sie zurückfallen.
Wir fordern Sie hiermit dazu auf, mit Ihren Äußerungen auf die Sachebene zurückzukehren und die ungeheuerlichen Vorwürfe einer Ausgrenzung von Schülern den Befürwortern des gegliederten Schulwesens gegenüber zu unterlassen. Wir wissen aus vielen persönlichen Gesprächen, dass die Basis an der Hauptschule Ihre Handlungsweise nicht nur nicht versteht, sondern mittlerweile ablehnt. Deshalb sehen wir das Verhältnis zu den Lehrkräften an den Hauptschulen nicht belastet, obwohl die Funktionärsebene auch hier einen Keil zwischen die Lehrkräfte der verschiedenen Schularten treiben möchte. Zur Funktionärsebene des BLLV stellen wir jedoch mittlerweile unüberbrückbare Gegensätze fest, die eine konstruktive Zusammenarbeit in Dachverbänden annähernd unmöglich macht. Mit freundlichem Gruß Anton Huber Vorsitzender
Vorsitzender: Anton Huber, Handy 0171/8 29 01 93, brlv-Presse: Stefanie Kretzschmar, Handy 0177 / 8 23 83 37, Karin Springl, Handy 0160 / 7 17 85 66
Weiterführende Links
- SPIEGEL: "Bayern lässt die Hauptschule qualvoll sterben"
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