Orientierungsarbeiten in Klasse 2: Schwache Leser werden besser Eltern werden jetzt über Ergebnisse ihrer Kinder informiert

Die diesjährigen Vergleichsarbeiten in Klasse 2 sind ausgewertet. Auch die Schulen haben die Ergebnisse mittlerweile erhalten. Neu ist: Alle Eltern, deren Kinder in der 2. Jahrgangsstufe an den Orientierungsarbeiten teilgenommen haben, erhalten einen detaillierten Auswertungsbogen, aus dem das Abschneiden ihres Kindes im Klassen-, Schul- und Bezirksvergleich erkennbar wird.

02.06.2005 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Zum Aufbau der Orientierungsarbeiten

Die Orientierungsarbeiten gliederten sich in zwei Teilbereiche. So wurde im Testteil "Leseverständnis" ein kurzer, altersgemäßer Text eingesetzt, zu dem die Kinder 12 Verständnisfragen beantworten mussten.

Im Testteil "Lesegeschwindigkeit" wurde gezählt, wie viele Wörter innerhalb von vier Minuten gelesen und den passenden Bildern aus einer Reihe von vorgegebenen Bildern zugeordnet werden können.

Beide Testteile sind im Internet unter www.senbjs.berlin.de einsehbar.

Schwache Leser - starke Leser: zur Methodik der Auswertung

Neben der Ermittlung von Mittelwerten haben die Statistiker die Schülerinnen und Schüler im Textteil "Leseverständnis" auf drei sogenannte "Kompetenzgruppen" aufgeteilt ("schwache Leser", "durchschnittliche Leser", "starke Leser" / vgl. auch S. 2 Fußnote 3 und Seite 5 der pdf.Datei). Beim Testteil "Lesegeschwindigkeit" wurden die Kinder in Kompetenzgruppen "langsame Leser", "durchschnittliche Leser" und "schnelle Leser" unterteilt.

Dieses Verfahren wurde auch im Vorjahr angewendet, so dass nun eine Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Gruppen in verschiedenen Bundesländern hergestellt werden kann.

Die Auswertung

An den Orientierungsarbeiten im Fach Deutsch am 3. Mai 2005 haben fast 24 000 Schüler an 432 Schulen mit insgesamt 1 197 Klassen der Jahrgangsstufe 2 teilgenommen.

Zu den Ergebnissen:

1. Die Gruppe der "schwachen Leser" hat sich deutlich verringert und bildet nunmehr die kleinste Gruppe (Leseverständnis 2004: 34,3 Prozent auf 2005: 27,4 Prozent). Die schwächsten Leser sind also deutlich besser geworden, was sich auch am Zuwachs der nächstbesseren Gruppe der "durchschnittlichen Leser" ablesen lässt (2004: 33,7 Prozent zu 2005: 43,1 Prozent). Die Verringerung der Gruppe der schwachen Leser war in sozial belasteten Bezirken wie Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte besonders groß.

2. Auch die Gruppe der "langsamen Leser" ist kleiner geworden. (2004: 34,6 Prozent, 2005: 37,9 Prozent). Dafür wuchs die Gruppe der durchschnittlichen Leser um 5,2 Prozent auf nun 37,9 Prozent. Anders als bei den schwachen Lesern im Testteil 1 haben sich aber hier die Kinder in Bezirken mit einem besseren Leistungsbild (z.B. Steglitz-Zehlendorf, Pankow) am stärksten verbessert. Gleichwohl haben auch in den sozial belasteteren Bezirken die durchschnittlichen Leser zugenommen.

3. Besonders die Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache (ndH) haben sich verbessert. Nach 60 Prozent (2004) gehören 2005 nur noch 46,1 Prozent der Schüler ndH der Gruppe der schwächsten Leser an. Zum Vergleich: Schüler mit deutscher Herkunftsprache gehören nur zu 18,9 Prozent der Gruppe der schwächsten Leser an (2004: 23,2 Prozent). Der - immer noch deutliche - Abstand zwischen diesen beiden Schülergruppen hat sich also verringert. Dagegen hat sich die Gruppe der starken Leser leicht verschlechtert (-2,5 Prozentpunkte auf jetzt 29,5 Prozent.

4. Beim Leseverständnistest erreichen die Berliner Schüler mit 7,4 Punkten von 12 Punkten und erreichen damit nahezu das Vorjahresergebnis (7,5 Punkte). Beim Lesegeschwindigkeitstext haben die Schüler im Landesmittel 60,7 Wörter von 100 möglichen Wörtern richtig erkannt. Die Leistungen sind leicht verbessert (2004: 54,8 richtig erkannte Wörter).

Bildungssenator Böger: "Als erstes Fazit kann festgehalten werden, dass beim Lesen die Förderung in der Breite schon jetzt besser zu gelingen scheint. Wir werden aber auch untersuchen müssen, worin die leichte Verschlechterung in der Spitze begründet ist.

Ein positives Ergebnis ist in jedem Fall die hohe Motivation, mit der die Schulen an die Orientierungsarbeiten herangegangen sind. Auch die hohe Beteiligung von Sonderschulen und Privatschulen zeigt, wie aufgeschlossen sich die Schulen in der Stadt für die diagnostischen Tests zeigen.

Eine objektive Einschätzung des Leistungsstandards hilft allen auf dem Weg zu einer besseren Schule. Spracherwerb und sprachliches Können sind ein Schlüssel zur Bildung."

Transparenz bei den Ergebnissen

Schulen erhalten detaillierte Ergebnisse über das Abschneiden der Schule sowohl im Bezirksvergleich als auch der einzelnen Klassen einer Schule im Vergleich.

Allen Eltern der Zweitklässler werden ab Donnerstag die Ergebnisse ihres Kindes ausgehändigt. Sie können darauf erkennen, welche Aufgaben beim Leseverständnistext von ihrem Kind bewältigt (0=falsch, 1=richtig) und wie viele richtig bearbeitete Wörter bei der Lesegeschwindigkeits-Überprüfung ermittelt wurden.

Bildungssenator Böger: "Auf diesem Bogen erfahren Eltern, wie gut ihr Kind einen Text verstehen kann und wie flüssig es liest. Sie können auch ablesen, wie das Kind im Vergleich zu seiner Klasse, zu den Kindern seiner Schule, des Bezirks, ja ganz Berlins abgeschnitten hat. Auch so binden wir die Eltern stärker in die Schule ein. Meine Bitte an die Eltern ist, dass sie sich an der Diskussion der Ergebnisse in der Schule beteiligen: Denn gute Schule braucht engagierte Eltern."

Den ausführlichen Auswertungsbericht können Sie als pdf.Datei unter www.senbjs.berlin.de einsehen und herunterladen.


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