Philologen-Verband Nordrhein-Westfalen: Ärger über Schulbücher berechtigt – Qualität oft unzureichend!

Die Stiftung Warentest untersuchte 17 Biologie- und Geschichtsbücher für Gymnasien und fand gravierende sachliche Fehler sowie eine nicht zufrieden stellende didaktisch-methodische Aufbereitung.

27.09.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)

Der Philologen-Verband Nordrhein-Westfalen stützt diese Kritik. Er weist insbesondere darauf hin, dass viele Verlage aus wirtschaftlichen Gründen noch vor der offizieller Fertigstellung neuer Lehrpläne unter extrem hohem Zeitdruck Schulmaterialien erstellen. Darunter leidet die Qualität! Zudem haben Kommunen wie auch Verlage ein erhebliches Interesse daran, dass Bücher möglichst lange von Schülerinnen und Schülern benutzt werden und damit die Laufzeit nicht zu kurz ausfällt.

"Es ist aber nicht hinnehmbar, dass der Konkurrenzdruck unter den Verlagen zu hohen Fehlerquoten, schwer verständlichen Texten und benutzerunfreundlicher Aufbereitung von Schulwerken führt. Hier hat auch das Kontrollsystem des Schulministeriums versagt!" ärgert sich Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes.

Es ist nachzuvollziehen, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse insbesondere in den naturwissenschaftlichen Fächern nicht unmittelbar in Schulwerken Eingang finden. Allerdings hat der Philologen-Verband kein Verständnis dafür, dass viele Schulbücher seitenlange, sehr verdichtete, in wissenschaftlicher Sprache abgefasste Textwüsten abdrucken, die sich auch bei mehrmaligem Lesen den Schülerinnen und Schülern kaum erschließen. Schwerpunktsetzungen finden selten statt. Wesentliche Aussagen müssen von den Schülern erst herausgearbeitet werden, wobei die Texte oft eine große Informationsfülle beinhalten. Eine schülergemäße Aufbereitung bieten viele Schulbücher nicht. Daher sehen sich auch viele Lehrkräfte herausgefordert, eigene zusätzliche Unterrichtsmaterialien zu erstellen.

Bereits nach der ersten PISA-Studie hatte der Philologen-Verband Nordrhein-Westfalen darauf hingewiesen, dass Schulbücher überprüft werden müssen, ob sie dem sinnentnehmenden Lesen förderlich sind. "Viele Werke verstärken nicht die Lust am Lernen, sie sind geradezu abschreckend", kritisiert Peter Silbernagel.

Es ist unpädagogisch, komplexe, enzyklopädische Darstellungen wiederzugeben und dabei die altersgemäße Aufbereitung auszublenden. Der Philologen-Verband rät den schulpolitisch Verantwortlichen dringend, sich ernsthafter als bisher mit der Qualität von Schulbüchern zu befassen. Der Ruf nach bundeseinheitlichen Schulbüchern löst dabei kein Problem, solange keine bundeseinheitlichen Standards in allen Fächern vorliegen. Diese Diskussion lenkt nur von der Qualitätskontrolle ab.

Vielleicht sollten, so Peter Silbernagel, kleinere, überschaubare, zeitlich schneller ablösbare und damit auch kostengünstigere Materialien in Zukunft erstellt werden. Damit könnten auch Kontrollen effizienter und Genehmigungsverfahren schneller erfolgen. Keinesfalls aber dürfen sich Schulbücher einem medial geförderten Seh- und Leseverhalten unterwerfen, das auf Verkürzung, Kurzweiligkeit und Animation ausgerichtet ist.


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden