PISA-Feiern sind nicht angesagt

"Es darf im allgemeinen KMK-Jubel nicht untergehen, dass die internationalen OECD-Bildungsforscher Deutschland große Defizite bezüglich der Chancengleichheit bescheinigen", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft VBE NRW. "Dass die Bildungssituation von Kindern mit Migrationshintergrund in Deutschland äußerst problematisch ist, ist auch kein Grund zum Feiern."

04.12.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Nach wie vor sind auch die Kompetenzunterschiede zwischen den Schulformen extrem hoch. Wenn 39,9% der Hauptschülerinnen und Hauptschüler im Bereich der Naturwissenschaften nur die unterste Kompetenzstufe erreichen oder sogar darunter bleiben, ist das kein Grund zur Freude. Es ist auch kein Grund zur Freude, dass die Leseleistungen in Deutschland mehr streuen als in jedem anderen getesteten Land.

"Die soziale Herkunft ist in Deutschland noch immer ein ganz entscheidender Faktor bezüglich der Bildungschancen", so Beckmann weiter. "Das hat kürzlich die IGLU-Studie belegt, und PISA belegt es erneut. Dieses Defizit werden wir nicht beseitigen, wenn wir nicht aufhören, Kinder im Alter von neun bzw. zehn Jahren auf hierarchisch gegliederte Schulformen zu verteilen. Wir werden es nicht beseitigen, ohne dass neben die innere Schulreform eine Schulstrukturreform tritt."

In diesem Zusammenhang hält der VBE NRW die seit Tagen lautstark geäußerte Forderung nach einem Rücktritt des OECD-PISA-Koordinators Andreas Schleicher für überzogen.

"Schleicher ist manchen Kultusministern zu unbequem, weil er den Finger in eine tiefe deutsche Wunde legt", so Beckmann weiter. "Der Umgang mit ihm erinnert an manche Kulturen der Antike, in denen man den Überbringer der schlechten Botschaft zu köpfen pflegte."


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