PISA und IGLU stehen in engem Zusammenhang

Die ersten Ergebnisse der PISA-Studie aus dem Jahre 2006 sind bereits durchgesickert. Schon beginnt die Interpretation, und Erfolgsmeldungen von kultusministerieller Seite werden veröffentlicht. Der Blick auf die Tabellenplätze reicht jedoch nicht aus!

03.12.2007 Bremen Pressemeldung GEW Bremen

Die Steigerungen in Naturwissenschaften sind statistisch signifikant; die Verbesserungen im Lesen nicht. Der in Deutschland erzielte Lese-Wert von 495 Punkten liegt unter dem OECD-Durchschnitt (500 Punkte) und 70 Punkte vom Spitzenplatz (Korea: 565 Punkte) entfernt. Dies ist gravierend. Lesen bleibt weiterhin die entscheidende Kompetenz zur Teilhabe an Schule, Beruf und gesellschaftlicher Entwicklung. Dass die KMK die geringen Verbesserungen auf ihre Maßnahmen zurückführt, ist nicht begründbar. Wenn jemand gut war, dann die Lehrkräfte, die trotz schlechter Rahmenbedingungen das Niveau halten konnten. Bemerkenswert: Die Schulleistungen der Grundschulkinder (IGLU-Studie) sind im internationalen Vergleich deutlich besser. Dies zeigt, dass das integrative System der Grundschule erfolgreich arbeitet. Für die GEW stützt dies die Forderung für ein längeres gemeinsames Lernen auch in der Sekundarstufe.

Das Hauptproblem der deutschen Schulbildung besteht weiterhin in dem engen Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Dabei stehen die PISA-Zahlen (Die Akademikerkinder haben "nur noch" 2,7mal bessere Chancen auf ein Gymnasium zu kommen als andere) im Widerspruch zu den IGLU-Ergebnissen, die eine weitere Verschärfung der sozialen Abhängigkeit vom Zugang zum gymnasialen Bildungsgang ausmachten.

Unabhängig vom konkreten Zahlenvergleich gelten aber folgende Feststellungen:

  • Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern haben in Deutschland einen deutlichen Leistungsvorsprung vor Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern – dieser Abstand ist größer als im internationalen Mittel;
  • Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern müssen deutlich bessere Leistungen erhalten, um eine Gymnasialempfehlung zu bekommen.

Die GEW fordert die Kultusministerien auf, die Ergebnisse nicht besser zu reden als sie sind. Vielmehr gilt es, sich der Aufhebung des Zusammenhangs von sozialer Herkunft und Bildungserfolg zielstrebiger zu widmen. Wichtige Maßnahmen dafür sind u.a.

  • keine Aufteilung der Schülerinnen und Schüler nach Klasse 4 in unterschiedliche Bildungsgänge und
  • Verbesserung der personellen Ausstattung aller Bildungseinrichtungen, um eine "individuelle Förderung" auch Wirklichkeit werden zu lassen.

Die aktuellen Untersuchungsergebnisse zeigen, dass es gerade in einem Bundesland mit der Sozialstruktur Bremens besonderer bildungspolitischer Anstrengungen bedarf, um für alle Kinder und Jugendlichen gleiche Bildungschancen zu realisieren.

Ansprechpartner

GEW Bremen

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