Platz 4 bei Pisa - Grund zum Jubeln?

Die Kultusminister haben sich kurz vor der Sommerpause und dem Bundestagswahlkampf noch schnell vorab einige Ergebnisse der des neuesten Pisa-Ländervergleichs präsentieren lassen. Einige werden sich wieder mit dem erreichten Platz brüsten, andere nach Entschuldigungen oder Schuldigen suchen. Obwohl die Auswertung durch die OECD erst im Herbst fertig ist, wurden vorab einige Ergebnisse veröffentlicht. Wobei die Veröffentlichung solcher halbfertigen Zwischenergebnisse wissenschaftlich zumindest bedenklich ist.

14.07.2005 Thüringen Pressemeldung GEW Thüringen

Getestet wurde in dieser Pisa-Staffel vorrangig die Leistungen der 15-jährigen Schüler in Mathematik, Naturwissenschaften und Problemlösen. Was viele vermutet haben, wird durch den Vorabbericht bestätigt. Bayern ist vorn und Thüringen wohl in allen Kategorien an vierter Stelle. Im hinteren Drittel finden sich die Bundesländer, die auch beim letzten Test dort waren. Kein Wunder, denn auch das Lösen komplexer naturwissenschaftlicher oder mathematischer Aufgaben gelingt nur, wenn Schüler auch den Sinn der dazu zu lesenden Texte erfassen können. Nach den bisher bekannt gewordenen Verlautbarungen ist Deutschland beim verstehenden Lesen seit Pisa 1 noch nicht so toll vorangekommen.

Was bedeutet nun der Platz 4 für Thüringen? Hoffentlich nicht weiteres Beharren im verkrusteten Bildungssystem und weitere Verschärfung der bildungspolitischen Kleinstaaterei.

"Wenn der Platz 4 von Thüringen ein Erfolg ist, dann ist es ein Erfolg der engagierten Arbeit von Lehrern und Erziehern in Kindergärten und Schulen. Trotz ständig zunehmender Aufgabenverdichtung und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen steht bei den Thüringer Pädagogen das Wohl des Kindes an erster Stelle", erklärte der GEW Landesvorsitzende Jürgen Röhreich. "Es ist schon erstaunlich, was die Kolleginnen und Kollegen täglich leisten, obwohl sie in den Augen der Landesregierung nur unliebsame Kostenstellen in einem bankrotten Haushalt sind", so Röhreich weiter.

Offenbar wird der Thüringer Landesregierung an der deutschen Pisa-Spitze aber schwindlig. Wie sonst ist es zu erklären, dass bewährte Systeme, wie die Verbindung von Grundschule und Hort oder das derzeitige Kindertagesstättennetz kaputtgespart werden sollen.

Bei aller möglichen Euphorie der Gewinner-Minister sollte eins nicht vergessen werden. Deutschland hat nach wie vor das sozial ungerechteste Bildungssystem aller OECD Länder. Solange dies nicht überwunden ist, wird Deutschland in der internationale Spitzengruppe weiter fehlen, zum Nachteil unserer Kinder.

Ansprechpartner

GEW Thüringen

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