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Mehr als Politikunterricht: Praktische Perspektiven auf Demokratiebildung

Ob Schule, Gedenkstätte oder Ausbildungsbetrieb: Demokratiebildung findet längst nicht mehr nur im klassischen Politikunterricht statt. Die didacta 2026 zeigt, wie Kooperationen gestärkt und demokratische Werte vermittelt werden.

11.02.2026 Bundesweit Artikel Katharina Eisenmann, Anna Petersen
  • Eine junge Person und eine Lehrkraft stehen in einer Bibliothek und halten einen Vortrag. © www.pexels.com Wie gelingt Demokratiebildung? Auf der didacta 2026 werden konkrete Best-Practice-Beispiele diskutiert.

Immer mehr Menschen in Deutschland zweifeln an der Demokratie. Über 20 Prozent haben beispielsweise kein Vertrauen in demokratische Institutionen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. In diesem Kontext rückt Demokratiebildung zunehmend in den Fokus. Bereits 2024 hat die ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz gefordert, diese stärker an Schulen zu verankern. Gleichzeitig zeigen Daten des Deutschen Schulbarometers, dass mehr als die Hälfte aller Lehrkräfte in allgemein- und berufsbildenden Schulen findet, dass Demokratiebildung besser umgesetzt werden muss. Als mit Abstand größte Herausforderung wird fehlende Unterrichtszeit (74 Prozent) genannt, gefolgt von Mangel an Fachwissen und fehlenden Unterrichtsmaterialien.

Wie kann Demokratiebildung also besser gelingen? Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz spricht bei dem Thema von drei Dimensionen: dem politischen und historischen Fachunterricht, dem fächerübergreifenden Unterrichtsprinzip sowie der Demokratiebildung als Teil einer ganzheitlichen Schulentwicklung. Für Dirk Gramm von der Qualitäts- und UnterstützungsAgentur – Landesinstitut für Schule NRW (QUA-LiS NRW) spielt dieser letzte Aspekt eine besondere Rolle: „Demokratiebildung kann nicht von oben verordnet werden. Es ist wichtig, dass sich alle Beteiligten auf partizipative Prozesse einlassen, damit neue Vorhaben im Unterricht, im Schulleben und bei der Öffnung von Schule von der gesamten Schulgemeinschaft mit Leben gefüllt werden“, meint der Referent für Demokratiebildung und historisch-politische Bildung. Auf dem Webportal „Demokratie in Schule NRW“ bietet die QUA-LiS NRW Orientierung für partizipative Schulentwicklungsprozesse und stellt Good Practice-Beispiele bereit. Die Effekte gingen dabei oft über die Erfahrung gelebter Demokratie hinaus, so Gramm: „Orte, die gemeinsam von allen Beteiligten gestaltet wurden, werden später mit einer größeren Sorgsamkeit erhalten.“

Vernetzung als Schlüssel

Das Webportal der QUA-LiS NRW richtet sich an Leitungsteams und Demokratiebeauftragte von Schulen sowie an Lehrkräfte, Eltern, Schülerinnen und Schüler. Sie finden dort auch verschiedene Methoden und Instrumente, mit denen sich Schulentwicklungsprozesse demokratischer steuern lassen. Für Dirk Gramm ist dabei eines entscheidend: „Der Schlüssel ist die Vernetzung der Menschen vor Ort. Durch Netzwerktreffen können Beteiligte zusammengebracht werden und gemeinsam regionale und landesweite Angebote kennenlernen.“ So wie bei der didacta 2026. Dirk Gramm wird dort an dem Panel „Demokratie in Schule NRW 2030“ teilnehmen: „Auf der didacta wollen wir einen Diskursraum öffnen und den Blick nach vorne wagen. Im Zentrum soll die Frage stehen, was Schulen brauchen, um wirklich partizipative Lern- und Erfahrungsräume für Schülerinnen und Schüler zu gestalten.“

Gelebte Demokratie außerhalb der Schule

Demokratische Teilhabe kann auch an außerschulischen Lernorten vermittelt werden – und trifft dort auf andere Rahmenbedingungen und Perspektiven. „Wir sind keine Fortführung des Unterrichts an einem anderen Ort“, betont Dr. Dirk Lukaßen vom NS-Dokumentationszentrum in Köln. „Wir sind in der Umsetzung von Demokratiebildung deutlich freier, müssen keinen Erziehungsauftrag erfüllen und uns weniger streng an schulischen Curricula orientieren.“ Lukaßen leitet am NS-DOK den Bereich „Bildung und Vermittlung“ und bietet mit seinem Team verschiedene Workshops für Schulen an. An seinem Lernort trete auch die Lehrkraft-Schüler-Beziehung in den Hintergrund: „Unsere Guides haben nicht tags vorher einen Schüler nachsitzen lassen oder ihm eine Fünf gegeben. Diese Konflikte gibt es bei uns nicht und das ist eine Riesenchance“.

Über die Kooperation zwischen Schulen und außerschulischen Lernorten spricht Dirk Lukaßen auch auf der didacta – bei der Veranstaltung „Demokratie stärken mit Bildungspartner: Wie außerschulisches Lernen zur Demokratiebildung beitragt“. Ein wichtiges Anliegen ist ihm dabei die Institutionalisierung der Zusammenarbeit. Denn: „Die langfristige Zusammenarbeit mit einzelnen Schulen hängt immer noch stark von einzelnen Menschen ab.“ Auf dem didacta-Podium soll es daher um Fragen gehen wie: Wie können Lernorte und Schulen sich auf Augenhöhe begegnen? Wie bringen die Partner ihre jeweiligen Stärken am besten für die Demokratiebildung ein? Diese Stärken liegen für Lukaßen auf der Hand: „Wenn man bei uns in der Ausstellung ist, begegnet man echten Menschen und ganz unterschiedlichen Perspektiven. Die Schüler lernen einen Raum kennen, an dem Demokratie und Erinnerungskultur konkret ausgehandelt werden“, bilanziert der Referent vom NS-DOK. Schulen dagegen können Kinder und Jugendliche besser über einen langen Zeitraum hinweg begleiten: „Als Gedenkstätte können wir nur Impulse geben. Die Weiterführung übernehmen dann die Lehrkräfte.“

Der Ausbildungsbetrieb als demokratischer Erlebnisraum

Die Debatte um Demokratiebildung konzentriert sich dabei allzu oft auf die Umsetzung an allgemeinbildenden Schulen. „Maßnahmen zur Stärkung der Demokratie in der Beruflichen Bildung fristen noch ein Mauerblümchendasein. Lernende und Lehrende und die für die Berufliche Bildung Verantwortlichen müssen diese Situation durch Engagement und kreative Ideen dringend verändern“, sagt Prof. Dr. Michael Heister vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Das sieht auch seine Kollegin Dr. Monika Hackel ähnlich. Die Leiterin der Abteilung „Struktur und Ordnung der Berufsbildung“ versteht Ausbildungsbetriebe als wertvollen demokratischen Raum: „Im Betrieb lässt sich gut verdeutlichen, inwiefern die geltenden Regeln auf einer demokratischen Grundordnung fußen. Der Arbeits- und Gesundheitsschutz hat zum Beispiel ganz klar mit Artikel 2 im Grundgesetz zu tun. Und so kann ich das durchdeklinieren: von Mitbestimmungsrechten im Betrieb, Jugendausbildungsvertretungen oder auch Personal- und Betriebsrat bis hin zu Kommunikationsthemen.“

Konkrete Best-Practice-Beispiele sind vielfältig. Einige von ihnen wird Monika Hackel bei der didacta-Veranstaltung „Demokratie geht nur gemeinsam“ vorstellen. Dazu zählt auch das Projekt eines großen Versicherungsunternehmens. Dort haben Auszubildende die nationalsozialistische Vergangenheit ihrer Ausbildungsstätte aufgearbeitet. „Durch das Projekt haben sich die Auszubildenden mit dem Thema ‚Nie wieder‘ auseinandergesetzt. Dabei ging es auch um die Frage, ob Menschen von Versicherungen ausgeschlossen wurden, weil sie zum Beispiel Juden waren, und wie es im Unternehmen dazu kommen konnte“, führt Hackel aus. Der Unterricht in den Berufsschulen könne an solche praktischen Projekte anknüpfen, aber auch mit politischem Fachwissen ergänzen, beispielsweise zur Funktionsweise des Staates oder dem Ablauf von Wahlen. Dieses Zusammenspiel zwischen Berufsschulen und Ausbildungsbetrieben wird laut Hackel zunehmend gefördert: „Vor mehreren Jahren war die Haltung eher noch: ‚Betriebe spielen keine Rolle in der Demokratiebildung. Lass das mal die Schulen machen.‘ Das ist in den letzten Jahren total gekippt. Es gibt so viele engagierte betriebliche Vertreter, die für dieses Thema sensibel sind.“ Mit der Veranstaltung auf der didacta 2026 soll diese Sensibilisierung weiter fortgeführt werden. Der Name ist dabei Programm.

Vom 10. bis 14. März 2026 findet die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse unter dem Leitthema „Alles im Wandel. Bildung im Fokus“ statt. Ideeller Träger und Kurator des Rahmenprogramms ist der Didacta Verband, der Verband der Bildungswirtschaft.

Bringen Sie sich aktiv ein, entdecken Sie Best Practices und nehmen Sie frische Impulse für Ihren Berufsalltag mit durch einen Besuch der didacta 2026 in Köln. Sichern Sie sich hier Ihr Ticket für die Bildungsmesse.

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Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2026 finden Sie unter www.didacta-messe.de, auf Facebook, Instagram und LinkedIn.

Information für Redaktionen: Interviews, Videos, Texte und Zitate aus diesem Themendienst können gerne zur redaktionellen Berichterstattung verwendet werden. Beim Bildmaterial beachten Sie bitte die Nutzungshinweise am jeweiligen Bild. Über ein Belegexemplar an info( at )bildungsklick.de freuen wir uns.

Quellenangabe: Dieser Beitrag erschien zuerst im didacta-Themendienst.

Der Themendienst im Überblick: Weitere Artikel und Interviews zur didacta – die Bildungsmesse 2026 finden Sie im Journal der didacta Messe auf didacta 2026 - Journal | didacta und im Dossier auf www.bildungsklick.de.



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