Zwischenbilanz

Positive Entwicklung an Hamburgs Ganztagsgrundschulen

Bildungssenator Ties Rabe hat eine positive Zwischenbilanz zur Entwicklung der Ganztagsgrundschulen gezogen und präsentierte in diesem Zusammenhang aktuell erhobene Zahlen zum Ganztagsangebot im laufenden Schuljahr 2015/16: "In allen 191 staatlichen Grundschulen und 12 staatlichen Grundschulabteilungen an Stadtteilschulen gibt es jetzt ein gut organisiertes Ganztagsangebot mit Mittagessen, Hausaufgabenhilfe und zahlreichen Bildungs- und Freizeitaktivitäten. Mehr als 78 Prozent aller Grundschulkinder nehmen freiwillig und gern am Ganztag teil. Schulen und Träger haben das Nachmittagsangebot im letzten Jahr deutlich stärker auf die Wünsche der Kinder ausgerichtet und bieten jetzt mehr Zeit zum freien Spielen an. Aufgrund zahlreicher Baumaßnahmen sind Raumsituation und Schulkantinen verbessert worden. Die Teilnahme der Kinder ist erheblich höher als ursprünglich erwartet. Das zeigt die große Zufriedenheit von Kindern und Eltern, führt an einzelnen Schulen allerdings zu räumlichen Engpässen beim Mittagessen."

05.01.2016 Hamburg Pressemeldung Hamburger Senat

Bis zum Schuljahr 2011 waren nur 53 staatliche Hamburger Grundschulen Ganztagsschulen. Nach dem Startschuss für das neue Ganztagsprogramm wurden bis zum Sommer 2015 in nur drei Jahren alle weiteren 150 Grundschulen ausgebaut. Seit Sommer 2015 gibt es somit an jeder Hamburger Grundschule für alle Kinder die Möglichkeit, kostenlos bis um 16 Uhr in der Schule zu spielen und zu lernen. Darüber hinaus werden an den meisten Schulen zusätzliche Früh- und Spätbetreuungen vor 8 bzw. 16 Uhr sowie eine Ferienbetreuung gegen eine geringe Gebühr angeboten. Die Teilnahme während der kostenlosen Kernzeit täglich von 13 bis 16 Uhr ist mit aktuell 47.148 Kindern besonders hoch. Die Frühbetreuung vor 8 Uhr nehmen 3.211 Kinder in Anspruch, die Spätbetreuung nach 16 Uhr 5.054 Kinder. 20.829 Kinder (35 Prozent) haben sich darüber hinaus für durchschnittlich rund sechs Wochen Ferienbetreuung im Jahr angemeldet.

In 125 Schulen organisiert ein Träger als Kooperationspartner das Nachmittagsangebot in der Schule (Modell "Ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen GBS"), 78 Schulen organisieren das Nachmittagsangebot in eigener Regie (Modell "GTS"). Über die Form der Ganztagsschule sowie über pädagogische Konzepte entscheidet jeweils die Schulkonferenz einer jeden Schule, in der Lehrkräfte, Schulleitungen und Eltern sitzen.

Die Personalsituation ist trotz der großen Ausbaugeschwindigkeit als gut zu bezeichnen. Sie ermöglicht es den Schulen und Trägern, dass eine pädagogische Kraft in der Regel relativ kleine Bildungs- und Freizeitgruppen mit durchschnittlich nur 13 Kindern betreuen kann. Je nach Angebot schwankt die Gruppengröße sehr stark, so stehen beispielsweise sehr kleinen "Hobbykursen" oft deutlich größere Sportkurse gegenüber.

Bildungs- und Freizeitangebote am Nachmittag

Die meisten Bildungs- und Freizeitangebote am Nachmittag gibt es in den Kategorien Sport (an 100 Prozent aller Schulen), gefolgt von den Bereichen "Handwerk, Kunst und kreatives Gestalten" (97%), Musik (89%) und "forschendes Lernen / Experimentieren / Natur" (78%). Zusätzlich nutzen Schulen den Nachmittag, um Kinder besonders zu fördern, beispielsweise mit Lern- oder Sprachförderung. An allen Schulen können die Kinder zudem Hausaufgaben in der Schule erledigen. Hier gibt es konzeptionelle Unterschiede.

Qualität des Mittagessens / Kantinenausbau

An allen Schulen wird den Schülern Mittagessen angeboten, fast immer (90 Prozent) gibt es dazu vier oder fünf Mal pro Woche Rohkost (Salat, Früchte) und immer Getränke (in der Regel Wasser oder Sprudel). Die großen Anstrengungen beim Ausbau der Schulkantinen haben die Situation rund um das Mittagessen deutlich verbessert. In den vier Jahren von Anfang 2012 bis Ende 2015 wurden insgesamt 162 Schulkantinen neu gebaut, davon 123 an den Grundschulen. Dadurch verfügen heute fast 90 Prozent aller Grundschulen über eine komplette Schulküche mit Speiseraum, in etwas über 10 Prozent der Grundschulen müssen bis zur Fertigstellung der neuen Kantine vorübergehend noch Aula oder Pausenhalle als Speiseraum genutzt werden. An allen Schulen werden die Kinder beim Essen von pädagogisch geschultem Personal – Lehr- oder Erziehungskräfte – betreut.

In der Hälfte aller Schulen liefert ein Caterer die Speisen heiß und fertig zubereitet an und gibt das Essen vor Ort aus. In der anderen Hälfte aller Schulen werden einzelne Komponenten des Mittagessens oder das gesamten Mittagessen vor Ort frisch zubereitet bzw. zu Ende gegart. Obwohl die unterschiedlichen Zubereitungsarten politisch immer wieder "heiß" diskutiert werden, konnten Experten der Schulbehörde und der Schulen bei zahlreichen Besuchen vor Ort weder bei der Zufriedenheit der Kinder noch bei der Qualität des Essens grundsätzliche Unterschiede feststellen. In allen Zubereitungsformen gab es hervorragende Beispiele für gelungenes Mittagessen.

Die Schülerinnen und Schüler haben bei der Gestaltung des Essensangebots erhebliche Mitspracherechte. An 258 von 335 staatlichen allgemeinen Schulen können die Schülerinnen und Schüler an der Speiseplangestaltung mitwirken. An 184 dieser Schulen können sie im Vorfeld Wünsche äußern, an 176 Schulen beurteilen sie das Essensangebot im Nachhinein, an 28 Schulen kommunizieren sie ihre Wünsche und Beurteilungen über Klassensprecher, Mensaausschuss, Klassenlehrkraft oder direkt an den Caterer. 37 Schulen gaben an, dass Schülerinnen und Schüler das Essen individuell für sich oder als Klasse/Lerngruppe für die ganze Schule auswählen. Bei Unzufriedenheit scheuen sich die Schulleitungen nicht, Caterer zu kündigen und zu wechseln. Im letzten Jahr kam das insgesamt 17mal vor. Insgesamt bieten rund 31 verschiedene professionelle Caterer an den Grundschulen Mittagessen an, vom Großbetrieb bis hin zum Kleinstbetrieb für nur eine Schule.

Weil immer mehr Kinder am Ganztag teilnehmen, kommt es in einigen Kantinen zu räumlichen Engpässen, denen die Schulen entweder mit einem gestaffelten Essen nach Schulklassen oder Klassenstufen (Schichtsystem), der räumlichen Erweiterung der Essensräume in weitere Räume oder flexiblen Essenszeiten begegnen. Um Engpässe zu vermeiden, wurden bereits im letzten Jahr im laufenden Bauprogramm die Größen der künftigen Schulkantinen angehoben. Zusätzlich ist im Regierungsprogramm vereinbart, die Anzahl der so genannten Produktionsküchen zu erhöhen und in dieser Legislaturperiode mindestens 20 weitere Produktionsküchen zu bauen.

Gute Zusammenarbeit von Schulen und Ganztags-Trägern

Sehr erfreulich hat sich die Zusammenarbeit der Schulen mit den Trägern an den GBS-Schulen entwickelt. In allen GBS-Schulen nutzen Schule und Träger die von der Behörde zusätzlich bereitgestellten Personalmittel, um die Zusammenarbeit gemeinsam zu koordinieren und weiterzuentwickeln. Die Leitungen von Schule und GBS-Träger arbeiten in allen Schulen eng zusammen und tauschen sich regelmäßig aus. An allen Schulen tauschen sich auch die Pädagogen des Vor- und Nachmittagsbereich über geregelte Kommunikationswege wie zum Beispiel Postfächer oder Mitteilungsbücher regelmäßig aus. In über 80 Prozent aller Schulen wurde darüber hinaus eine gemeinsame Steuergruppe gebildet und auf schulischer Seite eine Stelle zur Ganztagskoordination eingerichtet. Problematisch bleibt weiterhin, dass die Erzieherinnen und Erzieher des Nachmittagsbereichs an den GBS-Schulen aus arbeitsrechtlichen Gründen nur sehr schwer am Vormittag im Unterricht eingesetzt werden können, obwohl dort durchaus Bedarf besteht. Hier arbeitet die Behörde an Lösungsvorschlägen.

Gemeinsame Nutzung von Klassen- und Fachräumen, Sporthallen und Schulgelände

Nach wie vor nutzen die Schulen am Nachmittag nahezu das gesamte Schulgebäude. Das gilt nicht nur für die Klassen- und Fachräume, sondern auch für die Sporthallen und das Schulgelände, die in nahezu allen Schulen dem Ganztag offenstehen. Wo möglich, werden auch der Sportplatz (in drei Viertel aller Schulen) die Aula (in rund zwei Drittel aller Schulen) und die Pausenhalle (in rund der Hälfte der Schulen) genutzt. Durch die Nutzung der früher am Nachmittag ungenutzten Schulgebäude stehen für den Ganztag deutlich größere Raumangebote zur Verfügung als zuvor in den früheren Horten, beispielsweise die Sporthallen, Sportplätze und Schulaulen.

Schulbesuche zur Weiterentwicklung der Ganztagsangebote

Experten der Schulbehörde, der Träger und der Schulen haben im Laufe des Jahre 2015 alle 203 Grundschulen und Grundschulabteilungen an Stadtteilschulen besucht und vor Ort mit Eltern, Schulleitungen, Trägervertretern und pädagogischen Mitarbeitern über die weitere Entwicklung des Ganztags gesprochen. Nach der ersten Besuchsrunde im Jahr 2014 zeigte diese zweite Besuchsrunde, dass das Ganztagsangebot einzelne Anlaufprobleme überwunden hat und gut funktioniert. Eine genauere Auswertung der Schulbesuche wird im Laufe des ersten Quartals 2015 gemeinsam mit den Trägern erfolgen.

Ansprechpartner

Hamburger Senat

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