Privatschulen - nur zum besonderen Nutzen ihrer Klientel?
Privatschulen, so Prof. Rolf Wernstedt, Niedersächsischer Kultusminister a.D. haben "einen innovativen, positiv zu wertenden Wettbewerbsdruck auf das gesamte Schulwesen ausgeübt", dienen aber vorwiegend dem besonderen Nutzen ihrer Klientel.
09.02.2011 ArtikelBeunruhigt sieht sich Wernstedt in seinem Vorwort zur aktuellen Studie der Friedrich Ebert Stiftung über "Allgemeinbildende Privatschulen in Deutschland", gleichwohl durch eine Beobachtung, die mit der fortschreitenden Entsolidarisierung der Gesellschaft zusammenhänge. Denn es sei offensichtlich, dass das Hauptmotiv der Eltern, ihre Kinder an Privatschulen anzumelden, dem Willen zur Milieunähe und Distinktion entspringe. Soweit sei das nichts Neues, denn ob kirchlich orientiert oder methodisch alternativ denkend, hätten Eltern ihre Kinder in solch deklarierten Schulen schon immer besser aufgehoben gesehen.
In einer Gesellschaft aber, die sich durch ein weiteres materielles und statusmäßiges Abgrenzungssyndrom auszeichne, könne dies zu problematischen Entwicklungen führen. So werde durch konfessionelle Zugehörigkeit die gemeinsame Erziehung der Kinder mit muslimischen oder anders konfessionellen Kindern unterlaufen. Oder Kinder sollen schon möglichst früh von den eingebildeten Hemmnissen bewahrt werden, die bei Kindern aus sog. bildungsfernen Elternhäusern oder bei solchen mit Behinderungen befürchtet werden. Deshalb, so resümiert Wernstedt, seien Privatschulen danach zu bewerten, wie sie die Interessen "des besonderen Nutzens ihrer Klientel" mit dem allgemeinen Nutzen einer demokratischen Leistungsschule in Einklang bringen können. Die vorliegende Studie stärke die seriösen Argumente und könne Illusionen abbauen.
Mit der 'Privatschul-Studie' hat Prof. Dr. Manfred Weiß vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt am Main erstmals einen datengestützten Befund des Gesamtzusammenhangs der Bedeutung und Rolle des Privatschulwesens erarbeitet. Beginnend mit den rechtlichen Grundlagen des Privatschulwesens werden unterschiedliche Formen privater Schulen vorgestellt, die jeweils einen ganz bestimmten Adressatenkreis bedienen. Ausführlich werden nationale und internationale Forschungsbefunde ausgewertet für die Fragestellung, ob Privatschulen denn nun tatsächlich leistungsfähiger sind als staatliche Schulen. Die Studie kommt je nach Schultyp zu unterschiedlichen Ergebnissen, durchweg positiver scheinen allerdings Schulklima und Elternzufriedenheit bei den Privatschulen auszufallen.
Im Schlusskapitel macht die Studie deutlich, dass die Trägerschaft einer Schule "einen moderaten zusätzlichen Selektionseffekt" ausübt, die in unserem gegliederten Schulsystem eh angelegte soziale Segregation wird durch Schulen in privater Trägerschaft also verstärkt.
Die Studie "Allgemeinbildende Privatschulen in Deutschland - Bereicherung oder Gefährdung des öffentlichen Schulwesens?" zum Download (PDF)
Weiterführende Links
- Homepage Friedrich Ebert Stiftung
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