Privatschulen: Weit mehr Nachfragen als Angebote

(bikl.de/pm) Trotz der seit Jahren steigenden Zahl allgemein bildender Privatschulen in Deutschland hinke das Angebot der Nachfrage noch immer weit hinterher. Darauf hat der Bundesverband Deutscher Privatschulen e.V. (VDP) jetzt auf seinem zweitägigen Bundeskongresses in Hannover hingewiesen.

23.11.2007 Artikel

Die Gründe dafür sieht der Verband vor allem in den erschwerten Bedingungen zur Gründung und Finanzierung von Schulen in freier Trägerschaft: "Obwohl die Zahl der Privatschulen in Deutschland seit Jahren ansteigt, deckt sie die Nachfrage bei weitem nicht ab", erklärte VDP-Präsident Michael Büchler. "Verantwortlich dafür sind vor allem Schwierigkeiten bei der Gründung freier Schulen. So haben Schulgründer in fast allen Bundesländern mit bürokratischen und finanziellen Hürden zu kämpfen, die den Weg zu einer neuen Einrichtung bisweilen dramatisch erschweren und viele Neugründungen verhindern."

Gerade die oft langwierigen Genehmigungsverfahren sowie finanzielle Einschränkungen forderten das Durchhaltevermögen von Schulgründern nach Ansicht des Verbands heraus: In den ersten drei Jahren ihrer Existenz erhalten Privatschulen in der Regel keinerlei Zuschüsse vom Staat. "Seit einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vor 13 Jahren sind die Bundesländer angehalten, wenigstens nachträglich für einen finanziellen Ausgleich zu sorgen", führte Büchler aus. "So soll verhindert werden, dass die Wartezeit zu einer faktischen Errichtungssperre wird. Tatsächlich kommen dieser Entscheidung derzeit aber nur Hamburg und Hessen nach. Dort wird inzwischen immerhin die Hälfte der nicht gewährten Zuschüsse im Nachhinein gezahlt." Aber auch nach der Gründungsphase haben die Privatschulen mit finanziellen Problemen zu kämpfen: Pro Schüler bekommen sie im Schnitt nur etwa zwei Drittel der Kosten eines staatlichen Schülers erstattet.

Die Zahl der Privatschüler stieg laut Statistischem Bundesamt im Schuljahr 2005/06 um 17.657 auf 639.419 an. Damit besuchten 6,7 Prozent aller Schüler eine freie Schule. Im europaweiten Vergleich liegt Deutschland damit weiterhin auf den hinteren Plätzen: In der Europäischen Union besuchen im Schnitt rund 20 Prozent aller Schüler eine Privatschule. Und auch in Deutschland würden verschiedenen Umfragen zufolge mehr als 20 Prozent der Eltern ihr Kind gern auf eine Privatschule schicken, so Büchler: "Der wahre Boom findet bei uns also auf den Wartelisten statt."


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