Prof. Manfred Prenzel: Umstellung auf das achtjährige Gymnasium eröffnet Chancen

Die Umstellung auf ein achtjähriges Gymnasium sieht Professor Manfred Prenzel, Geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) an der Universität Kiel und PISA-Koordinator, als Chance an, Lehrpläne auf grundlegende Kompetenzen zu konzentrieren und den Unterricht wirksamer als bisher zu gestalten. Sowohl nationale als auch internationale Vergleiche zeigten, dass in 12 Schuljahren die Hochschulreife erlangt werden könne. "Es kommt nicht allein auf die Menge der Unterrichtszeit an. Entscheidend ist die effektive Nutzung der Unterrichtszeit für das Lernen", betonte Professor Prenzel auf der Arbeitstagung "Qualität am Gymnasium" der Stiftung Bildungspakt Bayern und des Bayerischen Kultusministeriums am Donnerstag in München.

08.05.2008 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit erfordere allerdings auch Veränderungen, die an den Schulen umgesetzt werden müssten. Zu den "Hausaufgaben" zählt, dass in einem G8 die Unterrichtszeit neu über den Tag verteilt werden muss. Das heißt, dass Fachunterricht, Pausen, Arbeitsgruppen sowie Vertiefungsunterricht ihren Platz im Schultag haben. Bildungsstandards helfen, den Unterricht auf zentrale, grundlegende Kompetenzen auszurichten und ein realistisches Bild von den Anforderungen zu entwickeln. Den einzelnen Lehrkräften fällt es nach den Worten des Wissenschaftlers schwer, Lehrpläne souverän zu interpretieren und den Unterricht lernorientiert zu gestalten. "Um all diese Anforderungen zu meistern, benötigen die Schulen Unterstützung", so der PISA-Koordinator. Kultusminister Siegfried Schneider betonte, die Arbeitstagung sei ein wichtiger Schritt, um das bayerische Gymnasium weiter zu entwickeln. Ein Bündel an Maßnahmen sei bereits im April beschlossen worden, das den Gymnasien einen verlässlichen konzeptionellen und finanziellen Rahmen für den Aufbau des G8 gebe. Das Anspruchsniveau an die Qualität bleibe erhalten. An diesem werde auch nicht gerüttelt. "Die heutige Tagung soll Handlungsfelder und Qualitätskriterien für die Zeit nach 2011 beleuchten. Es geht um eine gemeinsame Zukunftsperspektive für ein leistungsfähiges Gymnasium", hob Schneider hervor. Dazu sei es erforderlich, dass mehr Gestaltungs- und Entscheidungsmöglichkeiten an die Schulen gegeben werden.

An der Arbeitstagung "Qualität am Gymnasium" nehmen Vertreter des Bayerischen Philologenverbandes, der Direktorenvereinigung, der Landeselternvereinigung, des Landesschülerrats, der Hochschulen, der Kirchen sowie der Wirtschaft teil. In verschiedenen Arbeitsgruppen, wie beispielsweise "Der Schüler im Mittelpunkt", "Studier- und Berufsfähigkeit als gymnasiales Ziel", "Personalführung und Leitungsstruktur" oder auch "Gymnasiale Unterrichtsformen" diskutierten sie den Qualitätsbegriff am Gymnasium. Ein Thesenpapier soll als Grundlage für einen Gymnasialkongress im Schuljahr 2008/09 dienen.


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