Raus aus der Leistungsspirale
Zum Beginn der diesjährigen Abiturprüfungen am Freitag wünscht der Präsident des BLLV, Klaus Wenzel, den Schülern viel Kraft und gute Nerven. "Die jungen Menschen haben eine Schule durchlaufen, die einiges von ihnen abverlangt hat. Nun stehen sie vor Prüfungen, die sie noch einmal extrem herausfordern." In den vergangenen Jahren sei die Leistungsspirale an bayerischen Gymnasien kontinuierlich angezogen worden.
07.05.2013 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V."Übersehen wurde dabei, dass andauernder Leistungsdruck Ressourcen sabotiert", kritisierte Wenzel heute in München. Die Balance zwischen schulischen Anforderungen und ausgleichender Freizeitgestaltung sei aus dem Gleichgewicht geraten. "Wenn ich jeden Tag fünf Fächer in Angst vor einer Abfrage oder Stegreifaufgabe vorbereiten muss, bleibt wenig Zeit für ehrenamtliches Engagement", betonte Franziska Bless, Mitglied der LandesschülerInnenvereinigung Bayern e.V. (LSV). Im Herbst 2013 soll die Klausurendichte erneut erhöht werden. Für den BLLV-Präsidenten eine ebenso kurzsichtige wie kontraproduktive Maßnahme. Jugendlichen würde so vermittelt, dass es vor allem auf ihre andauernde Leistungsbereitschaft ankäme. "Was die Gymnasien brauchen, sind Prozesse zur Entschleunigung, damit Schüler und Lehrer zur Ruhe kommen können", forderte Wenzel. "Uns geht es nicht darum, mehr Zeit zum Faulenzen zu haben, ganz im Gegenteil", erklärte Nathan Bedford-Strohm, Pressesprecher der StadtschülerInnenvertretung München (SSV).
Für Lehrerinnen und Lehrer, sowie für Schülerinnen und Schüler bedeute dies, Prüfungen in kurzer Zeit vor- und nachzubereiten. Der BLLV, LSV und SSV plädieren deshalb dafür, wenigstens in den Fächern Deutsch und Mathematik - in diesen beiden Fächern müssen die Schüler verpflichtend ein schriftliches Abitur ablegen - die Klausuren abzuschaffen. Das Kultusministerium lehnte dies bislang jedoch ab.
Anstatt Gegenentwürfe zu entwickeln, werde an der Leistungsspirale weiter gedreht: Im Herbst 2013 sollen alle Schüler der Qualifikationsphase (Q12) in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch eine Übungsklausur als Vorbereitung auf den neuen länderübergreifenden Teil der Abiturprüfung schreiben. "Das ist eine deutliche Zusatzbelastung für die Schüler und die Lehrer, die das Ganze korrigieren müssen", erklärte Wenzel.
Im Kultusministerium seien die Einwände von Lehrerinnen und Lehrern nicht ernst genommen worden, vielmehr werde davon ausgegangen, dass die Prüfungen schülerfreundlich organisiert würden. "Die Schüler sollen aber lediglich wählen dürfen, ob sie die erzielte Note in der Übungsklausur oder die Note in der regulären Klausur als großen Leistungsnachweis zählen lassen wollen. Ob das die Belastung senkt, ist fraglich."
Im G8 sei gegenüber der alten Oberstufe die Zahl der Klausuren durch die höhere Zahl an Fächern und Stunden, die die Schülerinnen und Schüler belegen müssen, deutlich gestiegen. In der Summe erhöhe dies den Stress für Schüler und Lehrer, sagte der BLLV-Präsident.
Es sei absurd, aber auch kurz vor dem Abitur müssen die Gymnasiasten noch Klausuren schreiben, denn auch für das zweite Halbjahr der Q12 gilt, dass in allen Fächern schriftlich abgefragt werden muss. Die Vertreterin der Gymnasien im Landesschülerrat Bayern, Clara König, weist darauf hin, dass viele Schulen ihre letzten Mathematikklausuren erst Mitte April schreiben würden, nur um kurz, nachdem sie herausgegeben wurden, das schriftliche Mathematikabitur zu absolvieren. "Diese Klausurendichte stresst ungemein und stört zudem den Ablauf der Abiturvorbereitungen."
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