Landtagswahl

Sachsen-Anhalt: DPhV und Fachverbände warnen

Demokratiebildung braucht Fachlichkeit und wissenschaftlichen Umgang mit Evidenz und Mehrdeutigkeit: DPhV und Fachverbände warnen im Vorfeld der Landtagswahlen vor weiteren Kürzungen in der Lehrkräftebildung und vor Schwächung der Fachlichkeit. Lin-Klitzing: „Wer Lehrkräfte schlecht ausbildet, schadet der Demokratie“.

03.09.2026 Bundesweit, Sachsen-Anhalt Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)
  • Eine Person blättert durch mit verschiedenfarbigen Klebezetteln markierte Akten, die auf einem Tisch liegen. © Adobe Stock Der DPhV und die Fachverbände sehen mit Sorge, dass verfassungsfeindliche Parteien, sollten sie in Regierungsverantwortung kommen, die Lehrkräftebildung weiter schwächen, neue inhaltliche Schwerpunkte in Lehrplänen setzen und sogar die Schulbesuchspflicht umgestalten könnten.

Angesichts dreier anstehender Landtagswahlen richten der Deutsche Philologenverband (DPhV) und 10 Fachverbände den Blick auf eine Voraussetzung gelingender Demokratiebildung, die in der öffentlichen Debatte bislang wenig Beachtung findet: die Qualität der Lehrkräftebildung. Ob junge Menschen lernen können, Fakten von Meinungen zu unterscheiden, Quellen kritisch zu prüfen, mit Mehrdeutigkeit und Unsicherheit umzugehen sowie demokratische Verfahren zu verstehen, hängt maßgeblich von der fachlichen und fachdidaktischen Qualifikation ihrer Lehrkräfte ab. Dies ist eines der Kernergebnisse des vom DPhV organisierten Runden Tisches in diesem Jahr. Vor diesem Hintergrund warnen DPhV und zahlreiche Fachverbände vor der Aushöhlung der allem zugrundeliegenden Fachlichkeit, insbesondere bei der Qualifikation von Quer- und Seiteneinsteigern, sowie vor einer weiteren Verkürzung der zweiten Phase der Lehrkräftebildung.

DPhV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing: „Wer Lehrkräfte unzureichend ausbildet, schadet der Demokratie. Der kritische Umgang mit Fakten, Quellen und wissenschaftlichen Verfahren fällt nicht vom Himmel. Er muss professionell vermittelt werden. Deshalb braucht Demokratiebildung fachlich und fachdidaktisch hervorragend ausgebildete Lehrkräfte und keine weitere Verkürzung des Referendariats. Ein komprimiertes Referendariat führt zu einer massiven Verdichtung von eigenverantwortlichem Unterricht, Seminarverpflichtungen und Prüfungen. Statt Zeit für Reflexion, Hospitationen und individuelles Feedback zu haben, geraten angehende Lehrkräfte in eine Überlastungsschleife. Qualität entsteht nicht im Eilverfahren, sondern durch eine ausreichend lang und professionell begleitete Reifung der angehenden Lehrkräfte in ihrer realen Berufs- und Ernstfallsituation.“

Der DPhV und 10 Fachverbände betonen gemeinsam: Fachlichkeit in der Lehrkräftebildung ist die Grundlage für eine gelingende Demokratiebildung, die Querschnittsaufgabe für alle Fächer sein muss. Demokratische Resilienz entsteht zwar insbesondere in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern wie z.B. Politik, Geschichte, Philosophie, Religion und Ethik – hier orientiert an den im Beutelsbacher Konsens verankerten Prinzipien des Überwältigungsverbots und Kontroversitätsgebots – ebenso wichtig ist aber die Orientierung an Evidenz und der Umgang mit Unsicherheit und Mehrdeutigkeit, die auszuhalten sind, gerade auch im Unterricht in den Naturwissenschaften, der Informatik, den Sprachen und Literaturen, im Sport und in den Künsten. So erhalten junge Menschen einen fundierten, wissenschaftlich begründeten Blick auf die Welt und unsere Gesellschaft – getragen von Lehrkräften, die auf dem soliden Boden des Grundgesetzes und vertiefter Fachlichkeit stehen. Bereits 2024 hatte der DPhV die SWK-Stellungnahme zur Bedeutung des Fachunterrichts für die Demokratiebildung begrüßt und zugleich auf die Notwendigkeit eines durchgängigen, mit ausreichendem Stundenvolumen versehenen Fachunterrichts in allen Fächern hingewiesen – eine Position, die angesichts der aktuellen Entwicklungen an Aktualität nichts eingebüßt hat.

Diese Aufgabe gewinnt durch die anstehenden Landtagswahlen für alle Länder und auch für die Bildungsministerkonferenz zusätzliche Dringlichkeit. Da die Ausgestaltung der Schulpflicht, der Lehrpläne, der Aufgaben der Schulaufsicht und der Qualität der Lehrkräftebildung in die Zuständigkeit der Länder fällt, entscheiden die künftigen Landesregierungen unmittelbar über deren Qualität und Ausrichtung. Der DPhV und die Fachverbände sehen mit Sorge, dass verfassungsfeindliche Parteien, sollten sie in Regierungsverantwortung kommen und Einfluss auf die Bildungspolitik gewinnen, die Lehrkräftebildung weiter schwächen, neue inhaltliche Schwerpunkte in Lehrplänen setzen und sogar die Schulbesuchspflicht umgestalten könnten.

Deshalb fordern der DPhV und die Fachverbände, die Fachlichkeit in allen Phasen der Lehrkräftebildung zu stärken, auf Kürzungen des Referendariats zu verzichten und die verbindliche Auseinandersetzung mit dem konkreten Inhalt des Grundgesetzes bereits in der ersten Phase der Lehrkräftebildung zu verankern. Wer über die Zukunft der Lehrkräftebildung entscheidet, entscheidet zugleich über die Bildungschancen einer ganzen Generation – und damit über die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Eine fachlich fundierte, wissenschaftsbasierte Lehrkräftebildung ist deshalb keine bildungspolitische Nebensache, sondern eine zentrale Zukunftsinvestition, die es ernster zu nehmen gilt als bisher!

Folgende Fachverbände unterstützen die Forderungen:
AEED – Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Erziehung und Bildung in Deutschland
BDK – Fachverband für Kunstpädagogik e.V.
BKRG – Bundesverband der katholischen Religionslehrer und -lehrerinnen an Gymnasien e.V.
BMU – Bundesverband Musikunterricht
DGV – Deutscher Germanistenverband  
Fachverband Philosophie e.V.
GDCh – Gesellschaft Deutscher Chemiker
MNU – Verband zur Förderung des MINT-Unterrichts
VGD – Verband der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands e.V.
VdF – Vereinigung der Französischlehrerinnen und -lehrer e.V.


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