Sachsen startet Kampf gegen Analphabetismus
Sachsen startet eine Alphabetisierungskampagne. Mit jährlich rund 1,2 Millionen Euro werden ab sofort Alphabetisierungskurse mit sozialpädagogischer Betreuung gefördert. Bis 2013 stellen die EU und der Freistaat dafür insgesamt 8,3 Mio. Euro zur Verfügung. Eine entsprechende Förderrichtlinie ist jetzt mit der Veröffentlichung im Sächsischen Amtsblatt in Kraft getreten. Im vorangegangenen Förderzeitraum 2000 bis 2006 beliefen sich die EU-Mittel für Förderkurse auf lediglich 500.000 Euro. "Analphabeten müssen eine zweite Chance erhalten, sich in die Arbeitswelt integrieren zu können", so Kultusminister Steffen Flath im Vorfeld des Welttages der Alphabetisierung am 8. September.
07.09.2007 Sachsen Pressemeldung Sächsisches Staatsministerium für KultusEiner Studie der Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden zufolge gibt es in Sachsen derzeit rund 202.000 Analphabeten. Das sind 5,45 Prozent der Sachsen. Im Ergebnis der Studie, die im Auftrag des Kultusministeriums erstellt wurde, ist eine Handreichung für Bildungsträger zum Umgang mit funktionalen Analphabeten entstanden. Funktionale Analphabeten sind zwar in Grundzügen des Lesens und Schreibens mächtig, unterschreiten jedoch die gesellschaftlichen Mindestanforderungen an die Beherrschung der Schriftsprache. Alltagsanforderungen wie Lesen von Fahrplänen, Kinoplakaten können sie nicht erfüllen. Sie haben beispielsweise Schwierigkeiten beim Lesen von Gesetzestexten oder Beipackzetteln. Sie können außerdem Medien wie Fax oder Internet nicht nutzen. Werden diese Standards nicht erfüllt, bedeutet das oftmals Arbeitsplatzverlust oder gesellschaftliche Ausgrenzung. Betroffen sind außer Kindern, Migranten und geistig Behinderten, auch deutschsprachige Jugendliche und Erwachsene, die trotz Schulbesuch die Schriftsprache nicht beherrschen. Oft sind ungünstige familiäre und soziale Verhältnisse eine Ursache.
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