Schlechte Noten wegen Schlafmangel

(bikl) Morgens zwischen sechs und sieben klingelt bei den meisten Schülern in Deutschland der Wecker. Und das ist nicht nur unangenehm, sondern schadet auch der schulischen Leistung.

06.06.2005 Artikel
  • © IMP

Eine Entwicklung der modernen Gesellschaft trifft Kinder wie Erwachsene: Die Schlafzeiten haben sich generell verschoben. Signale zum Einschlafen kommen nämlich gegenüber früheren Gesellschaften, die mit künstlichem Licht knausern mussten, erst sehr viel später. Die Aufstehzeiten aber sind gleich geblieben.

Die innere Uhr tickt anders

Besonders hart ist diese Situation für Kinder, die ohnehin mehr Schlaf brauchen. In der Pubertät steigert sich dann das Problem noch einmal. In diesem Lebensabschnitt tickt die innere Uhr nämlich schlicht und ergreifend anders, weiß der Chronobiologe Prof. Till Roenneberg von der Uni München. Roenneberg vertritt eine relativ junge Disziplin. Die Chronobiologie beschäftigt sich mit den rhythmischen und zeitlichen Vorgängen in der Natur und im Körper. "In der Pubertät rutschen nachgewiesener Maßen die Uhren aus hormonellen Gründen noch einmal nach hinten, sodass den Jugendlichen, die nach wie vor früh aufstehen müssen, immer Schlaf fehlt."

Eltern und Lehrer wissen ein Lied von diesen "Morgenmuffeln" zu singen – die aber fühlen sich zu Unrecht angegriffen. Tatsächlich beweisen Experimente und Untersuchungen, die mit Jugendlichen durchgeführt wurden, dass ihre Reaktionen frühmorgens stark eingeschränkt sind.

Dauerhafte Folgen

Allein das schon wäre Grund genug, die Schüler nicht in den morgendlichen Straßenverkehr zu entlassen. Über diesen aktuellen Aufmerksamkeitsmangel hinaus, so Roenneberg, hat der fehlende Schlaf aber auch andere dauerhafte Folgen. Eine Aufgabe des Schlafes ist es nämlich, die Gedächtnisleistungen zu unterstützen und das, was tagsüber gelernt wurde, fest in das Gehirn hineinzuschreiben. Diese Abläufe finden aber erst im letzten Drittel des Schlafes statt und genau diese Zeit wird den Schülern genommen.

Ideal, so Roenneberg, wäre ein Schulbeginn um neun Uhr. Doch noch beginnt in den meisten Schulen der Unterricht zwischen viertel vor und viertel nach acht. Viele Kinder und Jugendliche werden also halbwach auf den Schulweg und zum Lernen geschickt. Ein späterer Schulbeginn aber könnte sowohl für längeren Schlaf als auch für erfolgreicheres Lernen sorgen.

Weiterführende Links

[ www.uni-muenchen.de]
[www.imp-muenchen.de]


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