Schneiders Lehrer-Mogelpackung

Man könnte ins Schwärmen geraten: Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider gießt aus seinem Füllhorn Tausende Lehrer wie Wasser in die ausgetrocknete bayerische Schullandschaft! Endlich bekommt jedes Kind die schulische Förderung, die es braucht! Doch halt - zu früh gefreut! Wer sich die Pressemitteilung Nr. 282 des Kultusministeriums vom 12.9.08 genauer ansieht, wird inmitten der Jubelmeldungen über die Bereitstellung zusätzlicher Stellen und Mittel vergeblich nach der praktischen Erfolgsmeldung suchen. Dass der Markt von Lehrern leergefegt ist und allein den bayerischen Gymnasien 1200 Lehrer fehlen, wird verschwiegen. Kann der Lehrerberuf noch eine Studienoption für Abiturienten sein, wo doch zur Zeit jeder oder jede unterrichten kann, auch ohne entsprechende Qualifikation? Ein Skandal für den Freistaat und eine Ohrfeige für alle LehrerInnen!

19.09.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Elternverband

Kurzsichtige Anstellungspraxis

Die Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands (BEV) begrüßt zwar die Bereitstellung der Mittel, fordert jedoch auch eine vorausschauende Anstellungspraxis und bessere Bedingungen für junge Lehrer. Angesichts der nicht zu besetzenden Stellen alljährlich im September die Hände über dem Kopf zusammen zu schlagen, sei kein geeignetes Mittel zur Abhilfe. Schließlich mangele es schon seit Jahren vor allem an Pädagogen für die Fächer Mathematik, Physik und Latein, und die Zeit zwischen der Geburt eines Kinderjahrgangs und seiner Einschulung sei ausreichend bemessen, um den Bedarf sowie den Vorrat an neuen Lehrern zu ermitteln. Da Pädagogen im Bedarfsjahr nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt werden könnten, müssten eben Junglehrer unter Umständen auch mal "auf Vorrat" angeworben und angestellt werden. In diesem Zusammenhang warnt der BEV erneut vor einem drohenden Desaster, da innerhalb der nächsten 15 Jahre die Hälfte aller Lehrer in Bayern pensioniert würde.

Klassengrößen

Auch sei die in der Pressemitteilung beschriebene Reduzierung der Klassenstärken und -obergrenzen an Grund- und Hauptschulen kein Verdienst des Kultusministeriums. Diese Entwicklung sei überwiegend dem Rückgang der Schülerzahlen zuzuschreiben. Noch schwerer fällt es den Gymnasial- und Realschuleltern, über die Reduzierung der Klassenhöchststärken in Jubel auszubrechen. Die neue Obergrenze von jetzt 33 Schülern sei immer noch meilenweit von einer pädagogisch sinnvollen und praktikablen Klassengröße entfernt. Zudem fordert der BEV, Schüler mit besonderen Schwierigkeiten, wie z. B. schlechten Deutschkenntnissen, doppelt zu zählen. "Die Entwicklungen gehen zwar in die richtige Richtung", so die BEV-Vorsitzende Isabell Zacharias; "dass sie so langsam gehen, ist allerdings bedauerlich!" Wenn sich Kultusminister Schneider in seiner Pressemitteilung "zuversichtlich" zeige, dass zum Schuljahr 2012/2013 keine Klasse mehr als 30 Schüler hat, so verdeutliche dies nur, dass er nicht den Willen zu einem wirklich raschen Abbau der übergroßen Klassen habe.


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