GEW Sachsen-Anhalt

Schönfärberei der CDU Sachsen-Anhalt erinnert im Stil an DDR-Propaganda

"Die CDU Sachsen-Anhalts gefällt sich im Wahlkampf unter Ausnutzung ihrer Hausleitung im Kultusministerium darin, die Öffentlichkeit mit penetranter Schönfärberei über die tatsächliche Bilanz von neun Jahren CDU bestimmter Bildungspolitik zu täuschen", schätzte der GEW-Landesvorsitzende, Thomas Lippmann angesichts gehäufter Medienaktivitäten des Kultusministeriums Sachsen-Anhalts ein. Die "Schönfärberei der CDU" erinnere ihn "im Stil an DDR-Propaganda", fügte er hinzu.

02.02.2011 Pressemeldung GEW Sachsen-Anhalt

Entgegen aller Erfolgsmeldungen habe sich allein in den letzten fünf Schuljahren die Bilanz der von den Jugendlichen erworbenen Schulabschlüsse dramatisch verschlechtert.

2005 war von der damaligen schwarz/gelben Koalition die letzte große Schulgesetznovelle mit der durchgängigen Re-Installierung gegliederter Schulstrukturen beschlossen worden. Das Ergebnis sei niederschmetternd: Erreichten im Schuljahr 2004/05 noch reichlich drei Viertel aller Jugendlichen einen Realschulabschluss oder eine Hochschulreife, so waren es im Schuljahr 2009/10 nur noch knapp zwei Drittel. Damit habe die CDU eine Entwicklung zu verantworten, die nicht nur den Jugendlichen schade, sondern in erheblichem Maße der Wirtschaft zusätzliche Probleme bei der Fachkräftegewinnung bereite.

Auch das neu angestimmte Hohelied auf die Sekundarschulen wirke angesichts der anhaltenden Stagnation in dieser Schulform wie das sprichwörtliche "Pfeifen im Walde". Alle Versuche des langjährigen Kultusministers Olbertz, "die Sekundarschulen aus ihrem Aschenputteldasein herauszuführen, sind kläglich gescheitert". Auch die engagierteste und in diesem Sinne auch erfolgreiche Arbeit der Schulleitungen, der Lehrkräfte und pädagogischen Mitarbeiter in diesen Schulen könne die Grenzen nicht überwinden, die durch die Auswahl der Schüler für diese Schulen gesetzt werden.

"Sekundarschulen werden eben von den meisten ihrer Schüler nicht `angewählt`, wie durch die neuen Werbe- und Imagekampagnen des Kultusministeriums suggeriert werden soll", sagte der Chef der Bildungsgewerkschaft. An die Sekundarschulen würden immer noch nach der Klasse 4 und auch später die Schülerinnen und Schüler verwiesen, denen man das Gymnasium von vorn herein nicht zutraut bzw. die in höheren Schuljahrgängen in großer Zahl die erwarteten Ergebnisse am Gymnasium nicht erreichen. "Von gleichen Chancen und der Ausschöpfung der Leistungspotenziale aller Schülerinnen und Schüler kann im bestehenden Schulsystem keine Rede sein." Außerdem vertiefe es durch die Selektionsmechanismen die soziale Spaltung der Gesellschaft.

Selbst die neuen Flyer des Kultusministeriums über die möglichen Bildungswege im Schulsystem Sachsen-Anhalts machten deutlich, dass man in jedem Fall die Sekundarschule verlassen muss, wenn man zu höherer Bildung kommen will – wenn man gute Leistungen in der Sekundarschule hat, kann man zum Gymnasium, zum Fachgymnasium oder zur Fachoberschule gehen (die Gesamtschulen wurden wohlweislich "vergessen"). "Die Sekundarschulen selbst sind immer nur der Lernort für den verbleibenden `Rest` – weder neue Flyer und Lehrpläne oder gar wohlmeinende Pressemeldungen können und werden an diesem Image etwas ändern können", so Lippmann.


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